Wiedersehen nach zwei Monaten im Coronamodus

Fraktionen in der Krisenzeit: Mit gut neunwöchiger Verspätung tagt der Kreistag am Mittwoch. Doch die Arbeit lief auch in der sitzungsfreien Zeit - auf anderen Wegen.

Freiberg.

Internet und Telefon sind auch für mittelsächsische Kreisräte während der Pandemiezeit zu Gesprächskanälen geworden. Das hat gut funktioniert, versichert die Sprecherin der Freien Wähler, Maria Euchler: "Was wir zu besprechen hatten, haben wir besprochen." Und: "Unsere Fraktion stand in gutem digitalen Kontakt und Austausch. Wir haben am vergangenen Dienstag die erste reale Fraktionssitzung wieder durchgeführt."

Auch bei den Linken war der Kontakt in der Fraktion per Telefon oder Mail ständig gegeben, betont Fraktionschef Gottfried Jubelt. Er berichtet von Überlegungen, für Sonderfälle künftig die Möglichkeiten von Video- und Telefonkonferenzen zu nutzen. Denn: "Das spart dann in jedem Fall zumindest Zeit."

Bei den Grünen war der persönliche Kontakt ebenfalls deutlich reduziert, so Fraktionsvorsitzender Kai Pönitz. Dabei sei die Arbeit der Kreistagsfraktion und der Kontakt mit den Bürgern verstärkt mit digitalen Mitteln gelaufen. Für die Räte selbst kein Neuland, so Pönitz: "Einzelne Fraktionsmitglieder zu Sitzungen per Video- oder Telefonkonferenz zuzuschalten, war in unserer Fraktion bereits zuvor nicht unüblich."

Auf die Frage, wie sich die Fraktionsarbeit durch Corona dauerhaft ändern wird, stellen Fraktionschefin Romy Penz und Dr. Rolf Weigand für die AfD klar: "Wir möchten nicht, dass unser Leben dauerhaft durch diese Krise beschränkt wird." Deutlich sei aber auch geworden, "dass wir die Digitalisierung völlig verschlafen haben". Vieles mehr wäre andernfalls möglich gewesen, so die Räte, so seien Videokonferenzen wegen zu geringer Übertragungsrate unterbrochen worden.

Die Corona-Beschränkungen haben auch die Möglichkeiten von CDU und Regionalbauernverband eingeschränkt. "Das lange Ruhen der Fraktions-, Ausschuss- und Kreistagsarbeit hat uns sehr beeindruckt und teilweise auch geschmerzt", sagt Fraktionschef Jörg Woidniok. "Die Dame und die Herren meiner Fraktion sind Kreistagsmitglieder mit Leib und Seele. Da fällt es schwer, auf die gewohnte kommunalpolitische Betätigung zu verzichten", erklärt der Freiberger. Dennoch sei er die gesamte Zeit mit Vorstands- und Fraktionskollegen im notwendigen Umfang in Kontakt gewesen. Nun hoffe die Fraktion, dass "wir bald zur Normalität der Arbeit auf allen Ebenen zurückkehren". Anhaltspunkte für eine dauerhafte Änderung der Arbeit im Kreistag sieht Woidniok - abgesehen von einer intensiveren Händehygiene und der Anwesenheit von Desinfektionsmittelspendern - derzeit nicht.

Vorfreude auf den Gedankenaustausch zur Fraktionssitzung beschrieb FDP-Fraktionschef Volkmar Schreiter. Und er versichert nach zwei Monaten ohne Kreistagssitzung: "Wirklich ,angebrannt' ist zwischenzeitlich nichts. Auch wir selbst sind die geblieben, die wir vorher waren." (grit)


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.