Windpark: Widerstand gegen Ausbauplan

Die Mitstreiter der Bürgerinitiative sind frustriert. Denn ob ihr Protest etwas bringt, entscheidet sich erst 2017. Und das, obwohl sie ihre Kritik und ihre Sorge um geschützte Tierarten wie den Rotmilan vor Monaten vorbrachten.

Erlau.

Der Protest gegen den Ausbau vorhandener und den Bau weiterer Windkraftanlagen auf dem Erlauer Steinberg geht weiter. Das hat Wolfgang Branzk, Mitinitiator einer Bürgerinitiative aus dem Ort, bestätigt. "Voraussichtlich Anfang 2017 werden wir uns wieder zusammensetzen und beraten, was wir weiter tun können", so Branzk.

Die Initiative hatte sich im März dieses Jahres gegründet. Sie wendet sich gegen die Pläne, die aus dem Windenergiekonzept für die Chemnitzer Region hervorgehen. Danach könnten statt der derzeit elf Windräder im Erlauer Windpark einmal 41stehen. Die Gruppe um Branzk, zu der rund 40 Unterstützer zählen, stören Lärm und Schlagschatten. Außerdem sehen sie seltene Vögel gefährdet.

Das Regionalkonzept war öffentlich ausgelegt worden, die Erlauer hatten im April 230 Briefe beim zuständigen Planungsverband eingereicht und darin ihren Protest bekundet. Auch privat seien Briefe verschickt worden. So schätzt die Initiative, dass insgesamt 500Anwohner aus Erlau, Milkau und Crossen ihren Unmut bekundeten.

Vom Verband, bei dem tausende Stellungnahmen eingingen, gebe es bisher keine Antwort, so Wolfgang Branzk. "Die Leute sind frustriert", sagt er. Allerdings müssen sich Branzk und die weiteren Mitstreiter noch gedulden. Denn die Anregungen, Hinweise und Bedenken zum Unterkapitel "Windenergie" übertreffen in Menge und Qualität die Eingänge zu allen anderen Kapiteln des Plans, der sich auch mit Verkehrsvorhaben beschäftigt. Darüber informiert Jens Uhlig von der Geschäftsstelle des Verbandes.

Daher sei nicht vor April damit zu rechnen, dass die Abwägungsergebnisse des Verbandes zu den Stellungnahmen auf der Verbandshomepage einzusehen sind. "Zu einzelnen Vorrang- und Eignungsgebieten zur Nutzung der Windenergie kann derzeit noch keine Aussage getroffen werden", so Uhlig weiter. Auch Cornelia Kluge, Sprecherin des Landratsamtes, informiert: "Die abschließende Entscheidung über die Erweiterung des Windparks am Steinberg steht noch aus."

Ungeachtet dessen ist die Erlauer Bürgerinitiative in den vergangenen Monaten nicht untätig geblieben. So sind mittlerweile mehrere Protestplakate im Ort aufgestellt worden. Und man hat einen Fachmann hinzugezogen, um zu erfahren, welche gefährdeten Tierarten es im Erlauer Planungsgebiet gibt.

Ulf Engler aus Crossen, der faunistische Kartierungen und ökologische Gutachten anfertigt, hat im Auftrag der Initiative eine Einschätzung erstellt, welche streng geschützten Arten im Plangebiet vorkommen. So könne zum Beispiel der Rotmilan jährlich als Durchzügler und Brutvogel beobachtet werden, schreibt er in dem sechsseitigen Papier. "Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass mehrere Brutpaare im Gemeinderaum, mindestens ein Brutpaar im Plangebiet einen Horststandort besitzen", so Engler. Der Rotmilan kann durch sich drehende Rotorblätter im Flug getötet werden. Außerdem kämen dort Schleiereule, Springfrosch und Knoblauchkröte vor.

Allerdings liege keine belastbare Datengrundlage vor, weshalb Engler ein artenschutzrechtliches Fachgutachten durch einen anderen Fachmann fordert. Speziell für den Rotmilan empfiehlt er zu prüfen, wo dieser aktuell Horste hat. Und er regt eine Raumnutzungsanalyse an, in dem etwa Flugkorridor und Nahrungshabitat des Vogels untersucht werden.

Dem Landratsamt ist das Papier bekannt, bestätigt Sprecherin Cornelia Kluge. Im Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen sei prinzipiell ein Artenschutzfachbeitrag durch den Antragsteller vorzulegen, informiert sie. Dabei gibt es auch Untersuchungen zu den Brut-, Zug- und Rastvögeln am und um den geplanten Windradstandort.

Eine Raumnutzungsanalyse für den Rotmilan sei aber nur wenig aussagekräftig. Mittelsachsen werde nahezu flächendeckend landwirtschaftlich genutzt. Die Nutzung ändere sich aber nicht vorhersehbar je nach Jahreszeit und Jahr. Demnach sei auch die Landschaft im Hauptaufenthaltsbereich der Rotmilane um ihren Brutplatz nahezu flächendeckend für die Vögel attraktiv.

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