"Wir Bierkenner verstehen die Pils-Blume zu schätzen"

Zum Tag des deutschen Bieres am 23. April gestaltet der Freiberger Stadtführer Thomas Mielenz einen Gastauftritt auf der Landesgartenschau in Frankenberg

Frankenberg.

Es ist einer der ersten Veranstaltungshöhepunkte nach der Eröffnung der Landesgartenschau am Wochenende. Am Dienstag lädt Thomas Mielenz, alias Braumeister Michael, Gäste ein, in der Blumenhalle den Tag des deutschen Bieres zu feiern. Christof Heyden hat mit dem Freiberger Original über sein Gastspiel in Frankenberg gesprochen. Der 60-Jährige hat in bislang acht Jahren als Stadtführer in Freiberg 750 Bier-Bergstadtrundgänge mit rund 20.000 Gästen bestritten.

Freie Presse: Hopfen kennt der Freund des Gerstensaftes als grünende Pflanze. Welchen Bezug hat ein Braumeister darüber hinaus zur Blumenwelt?

Christoph Ulrich

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Thomas Mielenz: Ich habe in meinem Leben bislang zwei Kleingärten besessen, pflege aktuell einen kleinen Hausgarten. Dabei kümmere ich mich um meine Lieblingsblume, die Rose, während meine Frau für das Obst und Gemüse zuständig ist. Ich kenne die Landesgartenschauen von Reichenbach und Oelsnitz und bin begeistert, was die Frankenberger auf die Beine stellen.

Blumen und Bier gehören also zusammen?

Mielenz: Wir Bierkenner verstehen die spezielle Pils-Blume zu schätzen, spricht doch eine Schaumkrone für die Qualität eines frisch gezapften Hopfengetränks. Wasser und Gerstensaft gelten als Lebenselixier. Bier ist blanke Natur, ohne Konservierungs- und Zusatzstoffe. Ich werde in Frankenberg auf heiter-unterhaltsame Weise zeigen, dass ohne Bier unser Entwicklungsgang ziemlich trübe verlaufen wäre und warum dieses Getränk als nahrhaftes Lebensmittel gilt. Eine meiner Devisen lautet: Auch Wasser wird zum edlen Tropfen, mischt man es mit Malz und Hopfen.

Freie Presse: Und diese Mischung, also das Reinheitsgebot, bestimmten die Altvorderen damals 1516 in Bayern?

Mielenz: Ja, der Tag des deutschen Bieres erinnert an dieses Dekret. Seinerzeit wurde festgeschrieben, wie dieses hergestellt werden soll. Aber ehrlich, es tat Not, dass der Bayrische Herzog IV. diesen Erlass formulierte: Man bedenke, dass beispielsweise Stechapfel, Tollkirsche und Baumrinde als Geschmacksträger verwendet wurden, ja sogar Ruß genutzt wurde, um Schwarzbier herzustellen. Klar, dass das nicht gesund sein konnte. Für mich ist es das erste Drogengesetz der neueren Kulturgeschichte. In der Folge wurde Bier zum bezahlbaren und gesunden Lebensmittel. Und sicherer als Wasser: Denn in der Herstellung wird dieses zwei Mal erhitzt und damit jeder gefährliche Keim beseitigt.

Sie erforschen die Braukunst auch mit wissenschaftliche Blick und historischem Sachverstand und sind dabei auf Fakten gestoßen, die bayrische Zeitgenossen hinsichtlich des Zeitpunkts des Dekrets aufstoßen lassen?

Mielenz: Ja, die Geschichte des Reinheitsgebots ergibt neue Fakten, nachweisbare Dokumente haben meinen Spürsinn in Thüringen fündig werden lassen. Details werde ich erst den Gästen der Landesgartenschau erzählen. Aber die Fakten haben das Potenzial, die diesen 23. April 1516 ins Wanken bringen könnten. Ein weiterer Fingerzeig über die tatsächliche Qualität des bayrischen Bieres ergibt sich aus dem Umstand, dass bis ins 16. Jahrhundert der Münchner Hof eines der besten Biere der Zeit aus dem Erzgebirge orderte: Die Zschopauer Brauer lieferten seinerzeit ins Alpenland. hy Zum Tag des deutschen Bieres kann man Braumeister Michael in der Blumenhalle auf der Landesgartenschau erleben (Dienstag: 11 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr). Trinksprüche, böhmische Blasmusik und (Pils)-Blumen machen den Tag zu einem besonderen Erlebnis. Der Eintritt zur Landesgartenschau für Erwachsene kostet 16, mit Pressekarte der "Freien Presse" 15 Euro . Erwachsene können damit eine beliebige Anzahl eigener Kinder oder Enkel bis einschließlich 17 Jahre kostenlos mitnehmen. Tickets in "Freie Presse"-Shops und bei Shop-Partnern erhältlich.

Mehr Artikel zur Landesgartenschau im Internet: www.freiepresse.de/laga2019

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