Warum in Mittweida Österreicher eine Treppe für's Hochgebirge bauen

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Das Stufensystem hat ein Mann aus Niederösterreich 2013 erfunden. Beim Wappenfelsen in Lauenhain stand er aber vor ungeahnten Schwierigkeiten. Und manche Wanderer halten sich offenbar nicht an Verbote.

Mittweida.

Gedacht waren sie eigentlich für das Hochgebirge, für steile Hänge an Bergen, wie es sie in Österreich gibt. Mittlerweile ist Franz Bürscher mit seiner Firma aber immer mal wieder auch in Sachsen unterwegs. "Unsere Treppen sind trittsicher, halten ewig, sind schnell montiert und günstig. Deshalb bauen wir sie häufig auch in anderen Gegenden auf", sagt der Österreicher, der Inhaber der Firma Alpineisen in Hollenstein an der Ybbs ist. Der Ort liegt in Niederösterreich. Diese Woche hat er mit seinen Kollegen 95 Treppenstufen in Lauenhain in den Hang geschlagen. Sie führen zum Wappenfelsen hoch.

Metall-Treppen führen bald zum Aussichtspunkt Wappenfelsen

Der Wanderweg zu dem Aussichtspunkt an der Talsperre Kriebstein wird gerade saniert. Der Weg ist ein Abschnitt des größeren Rundwanderweges "Talsperre Kriebstein". Insgesamt werden auf dem Weg nach oben drei Treppenanlagen neu gebaut. "Die Planerin, die die Sanierung des Wanderweges betreut, hat uns die österreichische Firma und speziell diese Treppen empfohlen. Der große Vorteil ist, dass sie nicht mit Beton eingebaut werden müssen", erklärt Francis Pohl, Pressesprecherin des Mittweidaer Rathauses.

Einfache und schnelle Montage

So werden die Treppen montiert: Um das vordere Brett der Treppenstufe zu befestigen, wird eine Rille gegraben. Das Brett hat an beiden Enden Löcher. Durch die werden Metallstäbe etwa 55 Zentimeter tief in die Erde gebohrt. Grobe Steine, die an die Seiten des Metallbretts geklemmt werden, stützen und stabilisieren das Ganze zusätzlich.

Werden die Stufen durch heftige Regenfälle unterspült und locker? "Das hat es noch nie gegeben, dass da etwas ausgespült wurde", sagt der Österreicher Franz Bürscher. Er selbst hat, so sagt er, das Treppensystem 2013 erfunden und vermarkte es seit 2016. "Wir haben es auch patentieren lassen." Neben Österreich habe er auch schon Bauaufträge in anderen Orten Deutschlands und in der Schweiz erledigt. Auch in Sachsen war die Firma unterwegs, unter anderem in Lichtenberg bei Freiberg, in Eibenstock und in Sebnitz

"Das System ist so einfach, dass es schnell gelernt ist. Spätestens nach der zweiten Stufe kann man es", sagt der Firmenchef. Deshalb wollen er und sein Team auch in nur einer Woche alle Stufen zum Wappenfels hoch fertig montiert haben. Auf der Baustelle an der Talsperre gab es dann aber doch ein paar Probleme. Bevor die Stufen montiert werden konnten, musste auf den Weg Schotter geschüttet werden. Denn der Weg war streckenweise ziemlich schräg und uneben. "Außerdem ist der Boden so fest, beinahe wie eine richtige Straße. Und es sind viele Felsen und starke Wurzeln im Boden. Da war es nicht so einfach, die Stäbe in den Boden zu bohren", sagt Franz Bürscher.

Weg erst im Winter zum Wandern frei

Oberbürgermeister Ralf Schreiber hat bei der Sitzung des Stadtrates am Donnerstag noch einmal mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass der Wanderweg derzeit voll gesperrt ist. "Es halten sich aber augenscheinlich nicht alle Wanderer an die Vollsperrung", sagte er. Es sei aber gefährlich, durch die Baustelle zu gehen und daher verboten.

Geht alles nach Plan, sollen Wanderer im Winter wieder auf dem Weg zum Wappenfelsen laufen können. Vorher werden, voraussichtlich im November, noch neue Geländer montiert. 210.000 Euro gibt die Stadt für die Bauarbeiten laut Francis Pohl insgesamt aus, wobei sie finanzielle Unterstützung aus einem speziellen Fonds des Bundes und der Länder für kleine Städte und Gemeinden bekommt.

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