Wo die Horrorkralle wohnt und das Horn erklingt

Wieso bekommt die Ente im Winter keine kalten Füße? Warum hängt die Fledermaus verkehrt herum? Antworten auf Fragen wie diese bekommen Schulkinder im Grünen Klassenzimmer der Landesgartenschau.

Frankenberg.

In seinem zehnten Jahr ist das Umweltbildungsprojekt "Natur zum Anfassen" auf die Landesgartenschau in Frankenberg verlegt worden. Die Versorgungsunternehmen Envia M und Mitgas laden Schulklassen zum kostenfreien Besuch in das Grüne Klassenzimmer in den "Paradiesgärten Mühlbachtal" ein. Zum Auftakt am Mittwoch kamen 20 Hortkinder von der Astrid-Lindgren-Grundschule in Frankenberg. Bis 19. Juni finden noch sechs weitere Termine statt. Am 15. und am 22. Mai sind von 9 bis 12 Uhr noch Plätze frei.

Clemens Holzweissig machte es spannend: "Hier wurde vor einiger Zeit ein Tier entdeckt. Aber von ihm gibt es kein Foto, sondern nur eine Beschreibung", sagte der Leiter der Umweltbildung im Naturschutzzentrum Erzgebirge. "Die lese ich vor, und ihr malt das Tier einmal auf." Zehn Hortkinder der Astrid-Lindgren-Grundschule in Frankenberg hingen ihm an den Lippen und begannen, das mehrschwänzige Tier mit den vielen Rückenteilen zu malen. "Und jetzt schreibt ihr noch auf, wie ihr das Tier nennt", sagte Holzweissig. Von "Wasserfloh" über "Horrorkralle" bis zu "Tausendfüßlerschlangenkralle" reichten die Fantasie-Namen. Dabei hatte der Naturexperte den Ferienkindern nur die Larven von Steinfliegen und Eintagsfliegen beschrieben.


"Wir haben ein übelst geiles Tier gefunden", sagte wenig später Janek und schwenkte stolz das Glas, in das er mit Hilfe eines Pinsels eine Larve gesteckt hatte. "Was hier alles los ist", feuerte Holzweissig die Kinder weiter an. Da war die kühle Temperatur des Mühlbachs genauso schnell vergessen wie zwei vollgelaufene Gummistiefel. "Stopft eure Socken in die Schuhe, damit ihr sie wiederfindet", rief Horterzieher Matthias Wolf.

"Wir gehen mit den Kindern im Gelände der Gartenschau auf Entdeckungstour, denn das Areal hat viel zu bieten", sagte Holzweissig. Neben den Wassertieren im Bach sind auch viele Vögel, Amphibien und Insekten zu beobachten. "Thematisch passt das Projekt sehr gut in unser Konzept, da es Schüler für Natur und Umwelt sensibilisiert", sagte Frank Schubert, Koordinator des Grünen Klassenzimmers.

"Natur zum Anfassen gibt es seit zehn Jahren, und es ist jedes Jahr größer geworden", erzählte Projektleiterin Mandy Werner von der Agentur Unikumarketing. 2010 war das Projekt zunächst für Mitgas konzipiert worden. Später kam Envia M dazu. "Seit Beginn 2010 haben über 22.700 Kinder in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg an kostenlosen Exkursionstagen auf 13 Naturhöfen teilgenommen", so Mandy Werner.

Auch für die zweite Schülergruppe gab es an diesem Vormittag viel zu entdecken. "Seht ihr die Spuren hier im Holz?", fragte der Naturführer und Waldpädagoge Tim Buchau. "Die stammen von dem Käfer, den wir uns vorhin angeguckt haben, dem Buchdrucker. Damit verraten die Tiere, wo sie wohnen." Yanik war beeindruckt: "Das fühlt man richtig", so der Schüler. Zuvor hatten die Kinder auch schon Saftkugler kennengelernt: "Das sind kleine Käfer, die können sich bei Gefahr zusammenrollen", so Yanik.

Buchau erklärte den Kindern, dass nach den Insekten die Pilze das weitere Zersetzen von Baumstämmen übernehmen. "Danach kommen die Bakterien. Und am Ende haben wir wieder Erde." Sprach's und stieß zur Frühstückspause in sein Horn. Horterzieherin Petra Hofbauer aus Frankenberg war begeistert: "Der Tag ist super. Wir haben auch einen Schulgarten. Ich habe aber heute viele Anregungen bekommen, was man anders machen kann."

Landesgartenschau Der Eintritt für Erwachsene kostet 16, mit Pressekarte der "Freien Presse" 15 Euro. Erwachsene können damit eine beliebige Anzahl eigener Kinder oder Enkel bis einschließlich 17 Jahre kostenlos mitnehmen. Tickets in "Freie Presse"-Shops und bei Shop-Partnern erhältlich.

Mehr Artikel, Videos und ein interaktiver Lageplan zur Landesgartenschau im Internet: www.freiepresse.de/laga2019

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