Wo die Zukunft mit einem Spaten beginnt

Eine neue Gründerzeit hat in Mittweida begonnen. Erfinder und Existenzgründer finden in Bahnhofsnähe eine Adresse. Schon einmal wurde hier Geschichte geschrieben. Weitere Kapitel sollen folgen.

Mittweida.

Der Anfang ist die Hälfte vom Ganzen. Unter diesem Motto ging am Montag in der Mittweidaer Bahnhofstraße 32 der erste Spatenstich für ein Vorhaben über die Bühne, das die beteiligten Partner als Investition in die Zukunft der Hochschulstadt betrachten. Das Innovationszentrum mit dem Titel "Werkbank 32" kostet circa drei Millionen Euro. Die ersten Mieter sollen bereits im März 2020 einziehen.

Hinter dem Projekt stehen die Volksbank Mittweida und die Hochschule. "Nach einem Jahr der Vorplanung wird jetzt Erde bewegt. Nun hat die Trockenlegung des Vorderhauses begonnen", erklärte Raymond Uhlig, bei der Volksbank für Immobilien und Baufinanzierung zuständig. Das Gelände des künftigen Gründerzentrums umfasst rund 2000 Quadratmeter Fläche mit insgesamt drei Gebäuden. "Wir treten als Investor auf", sagte Uhlig weiter. Sicher sei dies nicht das klassische Tätigkeitsfeld eines Kreditinstituts, räumte er ein. "Aber wir sind von dem Vorhaben überzeugt und wollen es realisieren." Die Volksbank setze auf den Standort Mittweida. Nicht nur in Metropolen, sondern auch in der Region können solche Inkubatoren wachsen, sagte der Banker mit Verweis auf das Gründerzentrum. Mit der Hochschule Mittweida hat die Volksbank dabei einen starken Partner an ihrer Seite. Das gemeinsame Vorhaben fördere Innovationen und mache sie in der Region sichtbar, sagte Uhlig.

Rektor Professor Ludwig Hilmer erklärte, dass die Hochschulangehörigen mit dem Projekt ein Stück zurück in die Zukunft gingen. "Vor 155 Jahren ist hier vor Ort die Hochschule entstanden", sagte er. Der bekannte Ingenieur Wilhelm Heinrich Uhland habe zunächst in der Maschinenbaufabrik Oskar Rissmann als leitender Konstrukteur gearbeitet, ehe er 1865 das Technicum Mittweida als private Bildungseinrichtung zur Ausbildung von Technikern und Ingenieuren gründete. "Dieser Geist lebt, wenn junge Menschen hier etwas machen", sagte der Professor. Er habe bereits sieben oder acht Anfragen von jungen Firmen, die sich in der "Werkbank 32" ansiedeln wollen.

Vor vier Wochen prognostizierte Uhlig allein für das Vorderhaus mindestens 16 Arbeitsplätze auf 120 Quadratmetern pro Etage. Mieter könnten sich dann sowohl kurzfristig als auch über einen längeren Zeitraum in der Villa niederlassen. Das Gebäude soll bereits im März 2020 saniert sein. "Wir planen für die Villa eine agile Bürolandschaft", erläuterte der Banker. Ideen kommen Innovatoren rund um die Uhr. Daher soll ein innovatives Schließsystem auf Basis der neuartigen, auch in Mittweida vorangetriebenen Blockchain-Technologie einen Zugang zu den Arbeitsplätzen 24 Stunden am Tag ermöglichen.

Baugenehmigungen liegen für die Villa und die nebenliegende Wäscherei bereits vor. "Einen Fördermittelbescheid haben wir bislang nur für die Villa", erklärte Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU). Die Stadt ist der dritte Partner im Boot. "Wir sind direkt involviert, da das Projekt mitten im Stadtumbaugebiet Ost liegt", sagte Schreiber. Der OB geht davon aus, dass der Bescheid für die Wäscherei bis Jahresende vorliegt. In deren künftig drei Ebenen planen die Investoren große flexibel nutzbare Flächen und Räume für zwanglose Zusammenarbeit (Coworking). Firmen, die es mit der Realisierung ihrer Ideen schon etwas weiter gebracht haben, könnten sich im Dachgeschoss niederlassen.

In der Werkstatt wiederum, dem desolaten, dritten Gebäude, soll künftig Platz für Handfestes sein, etwa die Herstellung von Prototypen und der Betrieb von 3D-Druckern. Die Wäscherei soll nach dem Willen der Geldgeber im August oder September 2020 bezugsfertig sein, die Werkstatt dann im Frühjahr 2021.

OB Schreiber sieht die "Werkstatt 32" nicht als Insellösung, sondern schaut schon weiter. Auch der Bahnhof der Stadt liege im Fördergebiet. "In einem Teil des Bahnhofes soll in Verbindung mit der Technologiepark GmbH ein ähnlicher Workspace entstehen", so seine Vision. Auch dafür wollen Mittweidas Macher wieder auf die Verbindung zwischen Volksbank und Hochschule setzen.

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