Wo über Hainichens Müll das Gras wächst

Nach 16 Jahren Betrieb wurde 1997 die Deponie Falkenau geschlossen und danach abgedichtet. Der Abfallwirtschaftsverband Chemnitz kümmert sich um das Areal und hat nun auch Einblicke gewährt.

Hainichen.

Was hinter dem Zaun am Beginn der Ringstraße im Hainichener Ortsteil Falkenau liegt, haben viele Bürger der Stadt schon fast vergessen. Es ist eine alte und längt sanierte Mülldeponie, die von 1981 an in einer alten Lehmgrube der Ziegelwerke Hainichen unmittelbar an der B 169 wuchs. Auf einer Fläche von etwa 10 Hektar wurde bis 1997 der Hausmüll aus Hainichen und Umgebung abgelagert, insgesamt etwa 900.000 Kubikmeter.

Der Abfallwirtschaftsverband Chemnitz (AWVC) ist seit der Schließung für das Areal zuständig. Am Samstag hatte der Verband zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Trotz des Dauerregens kamen etwa 50 Gäste, darunter auch Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD). Er hatte vor einiger Zeit eine Vorstellung der Anlage angeregt. Dem kam AWVC nun nach. Mit der Resonanz zeigte sich der technische Leiter Joachim Schatz zufrieden: "Die Leute wollten wissen, was hier passiert. Und wir haben nichts zu verbergen."

Torsten Kleditzsch

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1997 hatte der damalige Landkreis Mittweida die Deponie an den AWVC übergeben, die Stilllegungsphase begann. 1998 erfolgte eine vorläufige Abdeckung, Gase werden aufgefangen und entsorgt. 2006 wurde die Endabdichtung abgeschlossen. "Die Deponie ist nach unten und nach oben dicht, das haben wir längst erreicht", versicherte Schatz. Eine Entlassung in die Nachsorge sei aber nur möglich, wenn es keine Probleme gibt. "Es gibt aber zusetzende Grundwässer", so der technische Leiter. "Wir wissen nicht genau, wo das herkommt. Es wird auch nicht weniger. So pumpen wir jedes Jahr etwa 5000 Kubikmeter ab und bringen das als Abwasser nach Chemnitz zur Behandlung zur dortigen Deponie Weißer Weg."

Für das Sickerwasser hat die Deponie drei Brunnen. Für das Gas, das sich im Inneren bildet, gibt es eine Fackel zum Abbrennen. "Es bildet sich ein Restgas, das wir sammeln", so Schatz. "Das wird aber von Jahr zu Jahr weniger. Deshalb ist die Fackel auch nicht mehr so groß." Die Entlassung in die Nachsorge, also Beobachtung, sei ein eher behördlicher Akt, für den es aber Vorschriften gäbe. Dass zu DDR-Zeiten die Regeln nicht immer eingehalten wurden, will er gar nicht bestreiten. "Man hat damals den Müll wohl einfach ins Wasser der alten Lehmgrube gekippt", so Schatz, der das Areal heute aber als "schöne, kleine schnucklige Deponie" bezeichnet.

Eingezäunt müsse das Gebiet aber bleiben, nicht nur wegen der Fotovoltaikanlage, die dort schon seit Jahren betrieben werde und damit auch für Einkünfte sorge. Vor einigen Wochen waren in Falkenau mehrere Module gestohlen worden. "Die sind aber schnell wieder ersetzt worden", sagte Schatz. Der Zaun sei als Schutz vorgeschrieben, vor allem weil dort die Deponiegasanlage und Sickerwasserbrunnen im Betrieb sind. "Mit der Entlassung aus der Nachsorge kann dann auch mal der Zaun abgebaut werden", gibt der technische Leiter einen Blick in eine Zukunft. "Dann können die Leute wieder ganz normal über dieses Gelände laufen."

Der Bürgermeister kann sich das schon jetzt vorstellen. "Der Weg, der über die Deponie führt, ist schon asphaltiert", sagte Greysinger. "Das wäre eine tolle Radrennstrecke." Laut Joachim Schatz wird das aber noch mehr als 30 Jahre dauern.

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