Projekt Plus-Bus nimmt in Hartmannsdorf Fahrt auf

Seit Samstag fahren die Busse zwischen Hartmannsdorf und Chemnitz bis in den späten Abend. Fahrgäste wünschen sich das auch für eine andere Linie.

Hartmannsdorf.

Rein äußerlich hat sich nichts verändert. Die Busse, die jeden Tag auf der Linie 650 verkehren, sehen noch immer genauso aus wie zuvor. Und doch ist etwas neu. Denn seit Samstag handelt es sich bei der Verbindung zwischen dem Chemnitzer Stadtzentrum und Penig um eine sogenannte Plus-Bus-Linie. Dahinter verbirgt sich ein Qualitätskriterium im Nahverkehr. Das heißt: Die Fahrzeiten sollen nun besser mit den Bedürfnissen der Bürger harmonieren, die auf die Busverbindung angewiesen sind.

Ein großes Problem waren in diesem Zusammenhang bislang die Abendstunden. Sowohl unter der Woche als auch am Wochenende fuhr bislang um 19.33 Uhr der letzte Bus mit direktem Fahrtziel Hartmannsdorf und Penig am Chemnitzer Busbahnhof ab. Wer ihn verpasste, hatte zumindest von Montag bis Freitag noch einmal um 20.13 Uhr eine Chance. Da dieser letzte Bus des Tages aber einen Umweg über Burgstädt fuhr, mussten speziell die Hartmannsdorfer mit langen Fahrtzeiten von mehr als einer Stunde leben.

Seit Samstag sieht das nun anders aus. In der Woche rollen die Busse der Linie 650 bis 23 Uhr, Samstag und Sonntag sogar bis Mitternacht - und zwar mit einer einheitlichen Linienführung. Start ist jeweils um fünf nach halb am Busbahnhof. In die Gegenrichtung fährt der letzte Bus in Penig allerdings schon um 20.50 Uhr ab, am Wochenende um 21.50 Uhr. Die Taktung bleibt zudem, wie sie ist: Gefahren wird wochentags im stündlichen, zu den Stoßzeiten im halbstündlichen Rhythmus, am Wochenende verkehren die Busse weiterhin alle zwei Stunden. Laut Michael Tanne, Geschäftsführer des Kreisverkehrsunternehmens Regiobus, das den Nahverkehr in Mittelsachsen gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) organisiert, belaufen sich die zusätzlichen Betriebskosten auf der Linie auf jährlich rund 460.000 Euro. 65 Prozent davon trägt der Freistaat. Täglich nutzen 1500 Menschen die Linie. An den Fahrpreisen soll sich trotz Mehrkosten nichts ändern, sagte Henning Schmidt, Fachbereichsleiter Verkehr bei Regiobus.

Zu der von der Hartmannsdorfer Schalmeienzunft begleiteten Freigabe der Plus-Bus-Linie am Anton-Günther-Platz in Hartmannsdorf waren am Samstagvormittag nur wenige von denen gekommen, die davon künftig profitieren sollen. Vor Ort waren hauptsächlich jene, die ohnehin gerade mit dem Bus fahren wollten und eher zufällig in die Eröffnung hineingerieten. "Vielleicht liegt es am Schulanfang", mutmaßte eine Bürgerin. Mit ihrer Freundin könne sie nun Kulturveranstaltungen wie die Filmnächte in der Chemnitzer Innenstadt besuchen, ohne sich allzu viele Gedanken um die Rückfahrt machen zu müssen, sagte die Rentnerin. "Bis jetzt musste man immer ein Taxi nehmen. Das kostet 28 Euro vom Stadtzentrum aus, ist also ziemlich teuer". Oder sich von Familienmitgliedern abholen lassen, wie Annett Hoffmann das des Öfteren praktiziert hat. "Ich finde vor allem auch gut, dass die lange Fahrt über Burgstädt weggefallen ist und nun alle Busse direkt nach Hartmannsdorf fahren. Das war schon echt grenzwertig", sagte sie.

Insgesamt 35 Plus-Bus-Linien gibt es im Landkreis. Neben der Linie 650 kam in Mittelsachsen am Samstag auch die Linie 750 von Freiberg nach Döbeln dazu. Landrat Matthias Damm hatte angekündigt, bis 2020 die bestehenden Buslinien zwischen Mittweida und Frankenberg (675) sowie zwischen Mittweida und Rochlitz (682) zu erweitern. Ein genauer Zeitplan steht noch nicht fest. Noch nicht dabei ist hingegen die Linie 657 zwischen Mittweida und Limbach-Oberfrohna. Sandy Konopka benutzt sie regelmäßig. "Ich wohne in Burgstädt und arbeite im Hartmannsdorfer Krankenhaus. Dort habe ich oft Nachtschichten, und deshalb wäre es für mich eine große Erleichterung, wenn auch die Linie 657 zu einer Plus-Bus-Linie würde", sagte sie.


Drei Linien am Bus-Drehkreuz

Der Anton-Günther-Platz in Hartmannsdorf wird als Bus-Drehkreuz bezeichnet, denn der Ort hat zentrale Bedeutung für den örtlichen Personennahverkehr. Die erste Omnibuslinie Sachsens führte dorthin, heute sind es die Linien 650, 657 und 658.

Die Linie 650 besitzt 27 Stopps an Haltestellen für Linienbusse bzw. ÖPNV in Chemnitz. Sie beginnt an der Haltestelle Omnibusbahnhof und endet am Bahnhof in Penig. Auf dem Weg dorthin halten Busse auch in Hartmannsdorf und Mühlau.

Die Linie 657 hat 15 Stopps. Sie beginnt an der Haltestelle Lutherkirche in Limbach-Oberfrohna und endet am Mittweidaer Busbahnhof. Auf dem Weg dorthin halten Busse in Burgstädt und Hartmannsdorf. (bj)

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