Zum Pfarrer auf Umwegen

Nach einjähriger Vakanz betreut nun Thomas Hübner die Kirchgemeinden Pappendorf und Bockendorf-Langenstriegis. Dabei wollte er eigentlich eine künstlerische Laufbahn einschlagen.

Bockendorf.

34 Jahre jung ist der neue Pfarrer für die Kirchgemeinden Pappendorf, Bockendorf-Langenstriegis. In seinem neuen Zuhause im Bockendorfer Pfarrhaus hat sich der gebürtige Chemnitzer Thomas Hübner mit seiner Frau Katrin und den Kindern Jakob (7), Ruth (4) und Augustin (2) schon eingerichtet. "Die Kirchgemeinde hat uns mit einem Kaffeetrinken herzlich willkommen geheißen", freut er sich über die Aufnahme. Immerhin waren die ein Jahr lang ohne Pfarrer, nachdem Pfarrer Daniel Mögel nach Löbau gewechselt war.

Erfahrungen hat Thomas Hübner noch nicht, denn es ist seine erste Stelle als Pfarrer. Dafür hat er aber eine recht ungewöhnliche Berufslaufbahn. Christlich getauft, habe er mit 19 Jahren aufgehört, an Gott zu glauben. "Es war meine Sturm- und Drang-Zeit, ich wollte einfach etwas für mich machen", erzählt er. Nach seinem Abitur in Chemnitz ging er deshalb erst einmal nach Schottland, um dort seinen Zivildienst abzuleisten. Seine große Liebe war und ist die Fotografie. "Deshalb studierte ich nach dem Zivildienst in Glasgow von 2002 bis 2003 Kunst mit dem Schwerpunkt Fotografie", berichtet Hübner.

Zurück in Deutschland, bekam er einen der heiß umkämpften Studienplätze in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Doch das Leben geht manchmal seltsame Wege. Das musste auch Thomas Hübner erfahren. "Irgendwann hatte ich das Bedürfnis, mit einem Pfarrer über mein Leben zu sprechen", gibt er zu. Dieses seelsorgerische Gespräch sollte sein Leben verändern. "Ich bin Gott neu begegnet", sagt er.

Danach reifte der Gedanke in ihm, Theologie zu studieren. "Doch zunächst bin ich eine Woche ins Kloster in Fulda gegangen, um diesen Gedanken zu prüfen", berichtet Thomas Hübner. Er entschied sich für das Theologiestudium, das er bis 2012 in Leipzig absolvierte.

2005 hatten er und Katrin sich in Leipzig kennengelernt, bereits zwei Jahre später heirateten die Beiden. "Nach meinem Studium lebten wir in einer christlichen Lebensgemeinschaft mit Schwerpunkt Seelsorgearbeit in Lang bei Schwäbisch Hall", erzählt Thomas Hübner weiter. Diese Zeit sei eine wichtige Erfahrung für ihn gewesen: "Ich wollte dort etwas lernen, dort, wo viele Leute miteinander auskommen müssen", begründet er. Nach dreijährigem Vikariat in Chemnitz wurde er von der sächsischen Landeskirche schließlich nach Bockendorf entsendet.

"Das entsprach auch meinem Wunsch, in eine ländliche Region zu gehen", erklärt Thomas Hübner. Und auch seine Frau Katrin fühlt sich hier wohl: "Das Haus ist sehr schön, auch der große Garten. Die Kinder können hier auch mal rausgehen, da es keine große Straße gibt," sagt sie. Und auch der siebenjährige Jakob hat sich schon in seiner neuen Schule in Hainichen eingelebt. "Ich bin dort schon ganz allein mit dem Bus hingefahren", berichtet er stolz.

Großartige Veränderungen in der Kirchgemeinde plant Thomas Hübner erst einmal nicht. "Ich möchte die vorhandenen Strukturen im ersten Jahr erhalten, erst danach werde ich eigene Impulse und Schwerpunkte setzen", erklärt er. So könnte er sich zum Beispiel vorstellen, die Fotografie in die Arbeit mit Jugendlichen einzubeziehen. Noch kennt er aber die Kirchgemeinde zu wenig. Eins hat er allerdings schon festgestellt: " "Es gibt hier sehr viel ehrenamtliches Engagement." Darauf möchte er in Zukunft aufbauen.

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