Zwei Kandidaten ringen um Wählergunst

Am 16. September wählen die Hainichener ihren Bürgermeister. "Freie Presse" befragte den Amtsinhaber Dieter Greysinger (SPD) und seinen Herausforderer Joachim Fänder (CDU).

Wer soll als Bürgermeister ins Hainichener Rathaus einziehen? Das entscheidet sich am kommenden Sonntag bei der Wahl, bei der 7119 Wahlberechtigte ihre Stimme für einen der beiden Kandidaten abgeben können.
Dieter Greysinger (SPD) ist Jahrgang 1965, verheiratet und hat einen Sohn. Der Sozialversicherungskaufmann kam 1990 nach Hainichen und leitete hier bis 2004 die Geschäftsstelle einer Krankenkasse. 1994 wurde er mit Mandat der SPD in den Stadtrat gewählt, ist seit 1996 Mitglied der Partei. Als sein Vorgänger das Amt aus Altersgründen aufgab, wurde Greysinger Ende 2004 zum Bürgermeister gewählt. Im mittelsächsischen Kreistag ist er Mitglied der Faktion SPD/Grüne.
Joachim Fänder (CDU) ist Jahrgang 1971, verheiratet und hat sechs Kinder. Der gelernte Steinmetz hat berufsbegleitend ein Studium der Theologie abgeschlossen und ist seit 2000 Einrichtungs- und Missionsleiter bei Jugend mit einer Mission (JMEM) in Hainichen. Seit 1997 ist Joachim Fänder mit seiner Familie in Hainichen ansässig. Für die CDU zog er 2014 in den Stadtrat ein, seit dreieinhalb Jahren ist er Mitglied der Partei.

Für Sie berichtet: Jan Leißner

In der rund 8600 Einwohner zählenden Kleinstadt steigt die Spannung. Wenige Tage vor der Stimmabgabe am Sonntag treffen heute Abend die beiden Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Hainichen beim Leserforum der "Freien Presse" aufeinander. Dabei haben die Bewohner der Gellertstadt die Gelegenheit für einen direkten Vergleich der Positionen von Amtsinhaber Dieter Greysinger (SPD) und Herausforderer Joachim Fänder (CDU) zu kommunalpolitischen Themen.

In einer Frage sind sich die Kontrahenten zumindest einig: Beide sehen Hainichen im Jahr 2025 als attraktive Wohnstadt, in der die Menschen gern leben. Doch es gibt in den Ansichten darüber, wie die dazu nötigen Voraussetzungen zu schaffen sind und welche Standortfaktoren dazu wichtig sind, teils unterschiedliche Auffassungen.

Dabei bringt der Herausforderer Joachim Fänder Erfahrungen aus den Debatten im Stadtrat mit, auch wenn er diesem Gremium erst seit vier Jahren angehört. Da scheint ihm zwar Dieter Greysinger (SPD) mit zwei Wahlperioden im Rücken ein Stück voraus. Allein auf den Amtsinhaber-Bonus will sich Greysinger aber nicht verlassen. Auch bei den bisherigen Wahlen sei ihm nie vorab eindeutig "klar gewesen, dass ich gewinne", sagt der amtierende Bürgermeister selbst.

Ähnlich hatte er sich auch bei der jüngsten Bürgermeisterwahl im Jahr 2011 geäußert. Damals hatte der 53-Jährige am Ende gegen zwei weitere Kandidaten von CDU und FDP klar das Rennen gemacht und konnte 78 Prozent der 4410 Stimmen auf sich vereinen. Doch auch Fänder rechnet sich Chancen aus, hat sich zum Ziel gesetzt, mindestens 50 Prozent der Stimmen zu erreichen.

Über die Wahlbeteiligung am Sonntag lässt sich vorab nur spekulieren. Aus der Statistik der vergangenen Jahre lässt sich ablesen, dass mehr Hainichener ihre Stimme zur Bundestagswahl (74,4 Prozent) abgaben, als bei der jüngsten Stadtratswahl 2014 (50,38 Prozent) und der Bürgermeisterwahl 2011 (59,1 Prozent). Bisher haben 500 Wähler einen Wahlschein für die Briefwahl beantragt. Vor sieben Jahren hatten 490 Hainichener ihre Stimme per Briefwahl abgegeben. Also ist auch das kein Indiz für eine höhere Wahlbeteiligung. Es bleibt spannend.

Der Amtsinhaber

Freie Presse: Welches Vorhaben wollen Sie im Fall Ihrer Wahl zuerst anpacken?

Dieter Greysinger: Sehr wichtig ist, dass bis Jahresende der Haushalt 2019 beschlossen wird. Dann ist die Voraussetzung geschaffen, 2019 viele Investitionen auf den Weg zu bringen. Die Aufstellung wurde auf den Weg gebracht. Jetzt soll gemeinsam mit Stadtrat und Ortschaftsräten ein Haushalt erstellt werden, der breite Zustimmung findet. Zudem soll zeitnah der Zuschlag zur Breitbandnetzerrichtung erteilt werden.

Was wollen Sie in den ersten 100 Tagen Ihrer Amtszeit erreichen?

Neben dem Haushalt ist es wichtig, 2019 geplante Investitionen im Stadtpark, bei der Feuerwehr, im Sportforum und beim Straßenbau anzuschieben, da es Antragsfristen gibt, die im September und Oktober enden. Bei den Vorhaben Hochwasserschutz, Breitbandausbau, Striegistalradweg und Flächennutzungsplan müssen Unterlagen zeitnah an übergeordnete Behörden gegeben werden, damit es dort zügig weitergeht.

Welche Probleme sehen Sie in den Ortsteilen, die Sie lösen können?

Ich denke, es ist recht gut gelungen, Ortsteile und Stadt als Einheit zu verschmelzen. Problem für ältere Menschen ist die bisweilen schlechte öffentliche Verkehrsanbindung der Ortsteile und Leerstand von Häusern. Hier sollte in Absprache mit Ortschaftsräten eine Strategie entwickelt werden.

Die Haushaltssituation in Hainichen hat 2016 zu einem Sparkonzept geführt. Wollen Sie künftig eher Ausgaben der Kommune begrenzen oder Einnahmen wie aus Steuern erhöhen?

Das freiwillige Haushaltskonsolidierungskonzept war mit überschaubaren Einschnitten verbunden. Für strukturelle Änderungen (Reduzierung freiwilliger Aufgaben) fehlte den Stadträten und mir der Mut. Aktuell sind wir finanziell auf keinem schlechten Kurs. Ausgaben wie für Personal müssen im Auge behalten werden. Steuererhöhungen plane ich nicht.

Wie wollen Sie Bürgerbeteiligung an kommunalpolitischen Entscheidungen organisieren?

Dazu bestehen bereits viele Möglichkeiten. Bei Einwohnerfragestunden, über das Internet und meinen Facebook-Account. Jeder, der seinen Standpunkt äußern möchte, kann dies tun. Außerdem verstecke ich mich nicht im Rathaus. Insofern sehe ich keinen zusätzlichen Bedarf. Zu Stadtratssitzungen sind auch bei Einwohnerfragestunden nur zwei bis drei Gäste anwesend. Dies bestätigt mich in dieser Auffassung.

Die Sanierung des Ex-Hotels "Goldener Löwe" ist im Stadtrat umstritten. Wie stellen Sie sich dessen künftige Nutzung vor?

Zunächst muss der Saal fertiggebaut werden. Dann werden wir in aller Ruhe über die künftige Nutzung diskutieren. Veranstaltungen wie Neujahrsempfang, Schulanfang und Zeugnisübergabe sowie Jugendweihe bilden ein gutes Gerüst, um über weitere Events nachzudenken.

Der Herausforderer

Freie Presse: Welches Vorhaben wollen Sie im Fall Ihrer Wahl zuerst anpacken?

Joachim Fänder: Den Haushalt 2019 so gestalten, dass er im Stadtrat einstimmig verabschiedet werden kann. Ich möchte, dass wir den Effekt erzielen, wie wir ihn bei der Verabschiedung des Haushaltes 2015 schon einmal hatten. Da wussten die Stadträte, was sie wollten und haben verstanden, was sie verabschieden. Als Bürgermeister werde ich direkt die Gespräche mit den Amts- und Bereichsleitern in der Stadtverwaltung aufnehmen.

Was wollen Sie in den ersten 100 Tagen Ihrer Amtszeit erreichen?

Nach 100 Tagen bin ich mit den Abläufen der Verwaltung vertraut. Wie läuft was genau? Wer macht bisher was? Wie möchte ich arbeiten? Erfolgreiche Teams arbeiten auf Vertrauensbasis. Da bekomme ich keinen Vorschuss, den muss ich mir verdienen. Ich bringe aus den vielen Gesprächen, die ich mit den Bürgen geführt habe, etliche Anliegen mit ins Rathaus. Dafür finden wir Lösungen.

Welche Probleme sehen Sie in den Ortsteilen, die Sie lösen können?

In den Ortsteilen fühlt man sich abgehängt von dem, was wir in Hainichen entscheiden. Woran das liegt, und wie wir das verbessern werden, das schaue ich mir mit Ortschaftsräten und Bürgern an. Verstärkt werde ich dafür die Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen suchen.

Die Haushaltssituation in Hainichen hat 2016 zu einem Sparkonzept geführt. Wollen Sie künftig eher Ausgaben der Kommune begrenzen oder Einnahmen wie aus Steuern erhöhen?

Ich möchte die Einnahmen erhöhen ohne zusätzliche Belastung der Bürger. An welcher Stelle wir Ausgaben eingrenzen können und wollen, oder Gelder effektiver einsetzen, muss analysiert werden. Entscheidend ist, dass wir klare Finanzziele stecken, und diese nicht jedes Jahr wieder aufweichen.

Wie wollen Sie Bürgerbeteiligung an kommunalpolitischen Entscheidungen organisieren?

Bei Entscheidungen, die unsere Finanzen stark belasten, sollten wir in Zukunft Bürgerentscheide durchführen. Das ist bereits in der sächsischen Gemeindeordnung vorgesehen. Wir haben das aber noch nie genutzt. Besonders wenn Kreditaufnahmen in Millionenhöhe vorgesehen sind, sollen alle Bürger mitentscheiden dürfen. Außerdem möchte ich zu bestimmten Themen temporär zu Bürgerforen einladen.

Die Sanierung des Ex-Hotels "Goldener Löwe" ist im Stadtrat umstritten. Wie stellen Sie sich dessen künftige Nutzung vor?

Ich möchte ein professionelles, auf Hainichen zugeschnittenes Betreiberkonzept. Es wird aber ein Zuschussprojekt bleiben. Neben der Nutzung durch städtische und schulische Veranstaltungen können kulturelle Angebote dazu beitragen, Hainichen bekannt zu machen.

Zehn Wahlräume geöffnet

Wahlberechtigt sind am Sonntag in Hainichen 7119 Bürgerinnen und Bürger. Zum Vergleich: im Jahr 2011 waren es 7501. Damals hatten 4433 Einwohner ihr Wahlrecht wahrgenommen. Damit lag die Wahlbeteiligung bei 59,1 Prozent. Von den gültigen Stimmen entfielen auf Dieter Greysinger (SPD) 3443 (78,07 Prozent), der CDU-Fraktionschef im Stadtrat Donald Bösenberg (CDU) erhielt 777 Stimmen (17,62) und Ron Meixelsberger (FDP) 190 (4,31).

2004 lag in Hainichen die Wahlbeteiligung bei 63 Prozent. Greysinger erhielt bei seiner ersten Bürgermeisterwahl rund 57 Prozent der Stimmen. Damals trat Donald Bösenberg als einziger Gegenkandidat an.

Am Sonntag sind können die Hainichener in zehn Wahlräumen ihre Stimme abgeben. Davon befinden sich fünf in der Stadt und fünf in den Ortsteilen. Der größte Wahlbezirk ist vertreten mit dem Wahlraum im Pflegeheim an der Ziegelstraße (1483 Wahlberechtigte), der kleinste befindet sich in Cunnersdorf (206). Im Rathaus werden die vorläufigen Ergebnisse ab 18 Uhr öffentlich präsentiert.

Zum Leserforum zur Wahl lädt die "Freie Presse" heute, 18.30 Uhr, in den Landgasthof Ottendorf, Nossener Straße 18, in Hainichen ein. Dazu werden beide Kandidaten erwartet. Der Eintritt dazu ist frei, eine Anmeldung nicht nötig. Welche Fragen haben Sie zur Wahl an die Kandidaten? Schreiben Sie uns an: red.mittweida@freiepresse.de

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