38-Jähriger als Manager in der Coronakrise

Die "Freie Presse" sucht den Mittelsachsen des Jahres 2020. Heute: Frank Zwinscher aus Stein, Chef von zwölf Pflegeeinrichtungen in der Region.

Stein.

Das Coronavirus von Altenpflegeeinrichtungen fern zu halten und Risikogruppen besonders zu schützen, ist für das Personal eine Mammutaufgabe. Die Maßnahmen, die täglich zu treffen sind, verlangen den Heimbewohnern und deren Angehörigen genauso viel ab. Frank Zwinscher von der Geschäftsleitung der im Königshain-Wiederauer Ortsteil Stein ansässigen Unternehmensgruppe Zwinscher & Ludwig (Z&L), die in Mittelsachsen zwölf Einrichtungen betreibt, weiß um die Schwierigkeiten.

"Wir haben aktuell im Seniorenpflegeheim ,Am Rittergut' in Frankenberg ein hohes Aufkommen an Coronainfektionen. Etliche Mitarbeiter und Bewohner sind in Quarantäne", sagt der 38-Jährige. Trotz hoher Schutzmaßnahmen und Reduzierung der Kontakte ist das passiert. Deswegen ist ihm eine offene Kommunikation wichtig. "Wir machen kein Geheimnis daraus. Denn nur wenn offen darüber gesprochen wird, können wir Verständnis für die Maßnahmen erreichen. Und es ist auch eine Wertschätzung der Arbeit unserer Mitarbeiter, die täglich Großes leisten", meint Zwinscher.

Auch die Angehörigen hätten größtenteils Verständnis. Es sei aber schon vorgekommen, dass Angehörige gefordert hätten, positiv getestete Bewohner der Tagespflege ins Krankenhaus einzuweisen. "Ich sehe auch eine Aufgabe darin, dafür zu sorgen, dass Krankenhäuser weiter funktionieren. Und auch positiv getestete Heimbewohner haben einen Anspruch auf ihre Wohnung", entgegnet Frank Zwinscher. Trotz mancher, wie er sagt, "diskreditierenden Äußerungen" hat er festgestellt, dass durch die Pandemie insgesamt "eine ganz andere Qualität von Menschlichkeit" zu spüren ist und dass sich viele um andere sorgen.

Vor allem sei es Frank Zwinscher selbst, der sich während der Pandemie als ,gute Seele' für alle Einrichtungen der Unternehmensgruppe einsetzt, lobt Z&L-Geschäftsführerin Heidrun Ludwig dessen Engagement. Sie hat ihn daher als "Mittelsachsen des Jahres" vorgeschlagen. Er habe Besuchskonzepte und Corona-Testkonzepte verfasst und versuche, jeden Tag aufs Neue dafür bei den Angehörigen um Verständnis zu werben. "Er koordiniert von früh bis spät die Personaleinsatzplanung, die in diesen Tagen durch Quarantäne- und Krankheitsausfälle immer schwieriger wird", so die Geschäftsführerin. "Ihm ist es zum großen Teil zu verdanken, dass die Versorgung der uns anvertrauten Pflegebedürftigen noch nicht zusammengebrochen ist."

Ehrenamtlich engagiert sich Zwinscher als stellvertretender Vorsitzender der Landesgruppe Sachsen im Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste. "Ich kämpfe ein stückweit um die gesamte Branche, die auch bei Geld- und Personalknappheit in Zukunft funktionieren muss", so Frank Zwinscher.

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