40 Tonnen in Frauenhand

Berufskraftfahrer ist noch immer ein klassischer Männerberuf. Mit diesem Klischee räumt eine junge Rochlitzerin auf - auch in ihrem Ehrenamt bei der freiwilligen Feuerwehr.

Rochlitz.

Frauen bei der Feuerwehr sind noch immer seltener als Männer. Frauen, die ein Tanklöschfahrzeug steuern können, erst recht. Jenny Neumann ist eine von 16 Frauen in der Rochlitzer Wehr und die einzige, die einen Lkw-Führerschein besitzt. Die 28-Jährige ist ausgebildete Lastkraftfahrerin im Güterverkehr und täglich mit 40 Tonnen auf der Straße unterwegs. "Mein Großvater war schon Berufskraftfahrer, da war es nicht so abwegig, eine Ausbildung im Güterverkehr zu machen", so Neumann. Seit 2012 engagiert sie sich bei der freiwilligen Feuerwehr. "Mein Partner ist selbst Kamerad und hat mich regelmäßig zu den Gemeinschaftsabenden mitgenommen. Irgendwann hieß es dann: 'Das wäre doch auch was für Dich.' Das ist jetzt sieben Jahre her", so Jenny Neumann. Neben der Ausbildung zum Truppmann und Truppführer absolvierte die junge Frau auch einen Funklehrgang, einen Atemschutzlehrgang sowie die Ausbildung zur Maschinistin und einen Motorkettensägenlehrgang. Dass sie als Frau mit Lkw-Führerschein eine Ausnahme darstellt, merke sie am häufigsten beim Zusammentreffen mit anderen Wehren. "Da heißt es dann oft: 'Das ist unsere Maschinistin und ja - die fährt!'" In den häufigsten Fällen ernte sie dafür Respekt. Die Freude am Helfen und einem intensiven Miteinander, die viele Kameraden beschreiben, ist auch Jenny Neumanns Motivation - selbst wenn das Frau-Sein einmal vorgeht. "Als ich schwanger war und nicht an den Einsätzen und Übungen teilnehmen konnte, hab ich angefangen, für die Kameraden zu kochen. Inzwischen bringen alle schon ihre Tupperdosen mit. Es scheint also zu schmecken", so Neumann. Die Arbeit im Team habe sie innerhalb der Wehr besonders zu schätzen gelernt. Bei Einsätzen Hand in Hand zu arbeiten, seien die wertvollsten Momente. "2015 brannten in Göhren mehrere Strohballen. Gemeinsam mit Kameraden war ich mit dem Tanklöschfahrzeug unterwegs. Wir haben über Stunden hinweg nur Wasser gepumpt, bei solchen Einsätzen verbringt man viel Zeit miteinander." Dadurch seien Freundschaften gewachsen, die über das gemeinsame Ehrenamt hinaus gehen. "Ich kenne einige Kameraden schon aus der Schulzeit, da haben wir nie miteinander gesprochen. Heute sind wir durch die Kameradschaft eng befreundet", so die gebürtige Rochlitzerin.

Inzwischen begleitet ihr kleiner Sohn sie und ihren Partner in die Wehr. Familie, Beruf und Ehrenamt zu koordinieren, sei nicht immer leicht und nur durch die Unterstützung von Eltern und Schwiegereltern möglich. "Unsere Familie stärkt uns unglaublich den Rücken. Mein Schwiegervater holt unseren Sohn oft vom Kindergarten, wenn ich das nicht schaffe. Das ist unbezahlbar", sagt sie.


Die Freiwillige Feuerwehr Rochlitz blickt auf ein arbeitsreiches Jahr zurück

Zu 57 Einsätzen wurde die Freiwillige Feuerwehr Rochlitz im vergangenen Jahr gerufen. 41 Einsätze davon waren technische Hilfeleistungen, acht Einsätze entfielen auf Brände und acht waren Fehlalarmierungen.

Zu den umfangreichsten Einsätzen zählt ein Wohnungsbrand auf der Rochlitzer Bahnhofsstraße im Januar 2018. Ein Mieter ist mit dem Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht worden.

Einsätze zur technischen Hilfe gab es 2018 zunehmend bei der Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst. Die Feuerwehr unterstützte das DRK bei Türöffnungen und dem Transport von Verletzten. (cbo)

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