735-mal Nein zu Wegfall der Medizinversorgung auf dem Dorf

Die Kreiskrankenhausgesellschaft LMK schließt Ende Juli die Arztpraxis in Langenleuba-Oberhain. Die Patienten sollen in Rochlitz weiterbetreut werden. Einwohner protestieren dagegen.

Langenleuba-Oberhain.

Florian Hainich aus Langenleuba-Oberhain und Oliver Flemming aus Niedersteinbach haben in den vergangenen Wochen fleißig gesammelt. 735 Unterschriften von Einwohnern haben die beiden jungen Männer zusammengetragen. Ihre Botschaft ist eindeutig: Die Arztpraxis in Langenleuba-Oberhain, die mehr als 40 Jahre lang bestand, darf nicht ersatzlos wegfallen, fordern sie.

"Wie aus heiterem Himmel soll die Schließung zum 31. Juli erfolgen. Für die vielen dort registrierten Patienten ist es ein Schock", erklären beide in einem Protestbrief, den sie am gestrigen Montag zusammen mit den Unterschriften vor der Arztpraxis an Penigs Bürgermeister Thomas Eulenberger (CDU) überreicht haben.


Der Stadtchef steht hinter den Forderungen der mehr als 2000 Bewohner des Ortsteils, denn er sei selbst von der Entscheidung der Kreis-Krankenhausgesellschaft LMK überrascht worden. "Wir hätten gemeinsam nach Lösungen suchen können. Auch über städtische Zuschüsse hätte man reden können", sagte er. Er werde die Unterschriften an den Landrat übergeben.

Die Stadt Penig sei bereits mit mehreren Anbietern im Gespräch und suche auch nach geeigneten Räumlichkeiten, um das ländliche Gebiet wieder hausärztlich versorgen zu können, versicherte Eulenberger, der selbst im Aufsichtsrat der LMK sitzt und bereits das Gespräch mit LMK-Geschäftsführer Florian Claus gesucht hatte. Die Argumente der LMK-Geschäftsleitung könne Eulenberger nicht akzeptieren.

Zu den Gründen der Schließung hatte die LMK kürzlich angegeben, dass die Praxisräume nicht mehr den aktuellen Standards, beispielsweise für Datenschutz und Hygiene, entsprechen. Die sanitären Anlagen seien veraltet. "In der Praxis wären hohe Investitionen in die Substanz und Ausstattung notwendig, was jedoch als Nichteigentümer schwer realisierbar ist", argumentiert die LMK. Wie Sprecherin Ines Schreiber erklärte, handele es sich nicht um eine Schließung, sondern die hausärztliche Versorgung in Langenleuba-Oberhain werde von der Nebenbetriebsstätte an den Hauptstandort des MVZ Rochlitz verlagert. "Hier werden die Sprechstundenzeiten ab August ausgeweitet, gleichzeitig wird die Hausbesuchsfrequenz erhöht. Die Patienten der Praxis in Langenleuba-Oberhain können weiterhin Hausbesuche der Ärztin in Anspruch nehmen", erklärte sie.

Sigrid Schumann, die in Oberhain wohnt und bisher mit ihrem Rollator die Arztpraxis aufsuchen konnte, kann da nur mit dem Kopf schütteln: "Die Toilettenanlage ist doch in Ordnung. Sie ist von der Größe her ausreichend. Wie soll ich denn nun nach Rochlitz kommen?", fragte die 79-Jährige.

Auch Kurt Geisler, der unweit der Arztpraxis wohnt, kann den Argumenten der LMK nicht folgen. "Die Toiletten waren jahrzehntelang nie ein Problem, immer gepflegt und sauber", hat er in einem Brief an den Landrat geschrieben. Es sei schwierig, mit dem Bus nach Rochlitz und wieder zurück zu kommen. Für alle ohne Führerschein wären Arztbesuche in Rochlitz kaum oder gar nicht möglich, bemängelt er und fordert den Landrat zum Handeln auf.

Die Initiatoren der Protestaktion Oliver Flemming und Florian Hainich haben nun im Namen der 735 Unterzeichner LMK-Chef Claus zu einer Einwohnerversammlung nach Langenleuba-Oberhain eingeladen. Dabei sollen gemeinsame Lösungsvorschläge erörtert werden. Schließlich schreibe die LMK in ihrem Leitbild, dass sie eine wohnortnahe, individuelle Grund- und Pflegeversorgung gewähre. Beide fragen sich: "Wie ist damit die Schließung der Praxis zu vereinbaren?"

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