Ab ins Netz: Wie sich Händler auf die Coronakrise einstellen

Die Geschäfte in Freiberg reagieren teils mit originellen Ideen. Ein Trend, der auch in ganz Mittelsachsen deutlich wird. "Freie Presse" stellt Beispiele vor.

Freiberg.

Die Freiberger Innenstadt am Montagabend: Weniger Schaufenster als vor der Coronakrise sind beleuchtet, aus den anderen gähnt die Dunkelheit. Am Dienstagvormittag sind die meisten Geschäfte zu. Geöffnet haben nur noch Apotheken, Optiker, Hörgerätegeschäfte und Läden, die Lebensmittel anbieten. Dazu gehören Bäcker und Konditoreien, die Fleischerei Bergmann, die beiden Fischgeschäfte, die Drogeriemärkte, das Sanitätshaus Franke, die Einkaufsmärkte, der Biomarkt Vorwerk Podemus, die beiden Geschäfte von Siggis Sachsenkauf, der Markt "Mäc Geiz", die Weinhandlung Andaluza, der arabische Laden, die Salzgrotte am Dom, die Weinhandlung Herder Zehn, Tabak- und Spirituosenläden sowie Gemüsegeschäfte. Oft gibt es Hinweisschilder, dass die Kunden Abstand halten sollen und nur eine begrenzte Anzahl in den Laden darf.

Eine Ausnahme bilden Handwerksbetriebe. "Uhrmacher dürfen Reparaturen anbieten, aber Kunden dürfen nur einzeln eintreten", sagt Uhrmachermeister Henning Pätz. Am Dienstag nutzte das bei ihm nur eine Kundin. Auch das Fernsehtechnik-Geschäft FTT in der Petersstraße bietet nach telefonischer Absprache laut Aushang Reparatur- und Antennenbauservice an. Wer daran tagsüber vorbeiläuft, kann sich übrigens weiterhin über eine Beschallung mit Joe Cocker & Co. freuen.

Viele andere geschlossene Geschäfte, beispielsweise die großen Ketten wie "Blume 2000", "Tchibo", "Intersport" und "Hunkemöller", haben Internetangebote oder die Möglichkeit zur telefonischen Bestellung. Federführend sind dabei die Buchhändler. Die Buchhandlungen "Seitenweise" (www.seitenweise.de) und "Glück auf (www.glueckaufbuch.buchandlung.de) verweisen auf ihre Onlineangebote. Heike Wenige vom Taschenbuchladen gibt in Videos auf Facebook sogar Lektüre-Tipps. (www.taschenbuchladen.de) "Die Lieferung ist nach Hause oder per Post möglich", so Heike Wenige.

Auch das Teehaus Möhrl (www.teehausmörl.de), das Freiberger Porzellangeschäft (www.freiberger-porzellan.com), Fotografenmeisterin Nicole Weber (die-fotomeisterin.de) und die "Freie Presse" (www.freiepresse.de/meinShop) haben einen Onlineshop. Annette Haber von der Bodega Andaluza sagt: "Seit 20 Jahren haben wir einen Internetshop. Das funktioniert super." Hingegen hat Anke Krause, die Inhaberin eines Schreibwarengeschäftes, erst vor vier Tagen mit dem Aufbau eines Onlinehandels begonnen. "Meine Kinder unterstützen mich dabei", sagt die Chefin des Freiberger Gewerbevereins. Und sie fügt hinzu: "Ich kann Händler nur dazu ermuntern, sich Tipps von ihren Kindern, jungen Mitarbeitern und Azubis zu holen, die in den sozialen Medien unterwegs sind. Denn sie haben diese Kompetenz." Anke Krause hat schon die ersten Kunden online bedient. "Jetzt habe ich Zeit, mich da einzuarbeiten. Und ich hoffe, dass mir das perspektivisch hilft und ich insofern die Krise als Chance nutzen kann." Eine eigene Aufstellung von Onlineshops der Händler plane der Gewerbeverein nicht. "Derzeit laufen Gespräche mit der Stadtverwaltung, um die Angebote der Geschäfte auf der Homepage der Stadt zu veröffentlichen", so Anke Krause.

Die "Freie Presse" bietet Firmen und Initiativen kostenfreie Hilfe an: www.freiepresse.de/wirzusammen


Geschäfte setzen zunehmend auf das Internet

Einen Onlinekatalog für die Gewerbetreibenden in Mittweida will Liane Rickert, Inhaberin des neuen Geschäftes "Lianes Webdesign und Fotografie", zusammen mit dem Gewerbering und der Stadt erstellen. Dort können die Inhaber ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten. "Auf mich kamen einige Händler zu, deren Existenz bedroht ist", so die Unternehmerin. Mit dem Onlinekatalog sollen die regionalen Händler näher an ihre Kunden heranrücken und in der Coronakrise den Markt nicht verlieren. Für Händler wird der Service kostenlos sein. "Um die Händler nicht zusätzlich finanziell zu belasten, bezahle ich den Katalog", so Rickert. Dieser solle später um einen Stadtonlineshop ergänzt werden. Interessierte können sich bis 25. März bei Liane Rickert, Ruf 0176 30685055 oder info@lianeswerbedesign.de melden.

Sandy Löbel musste ihren Kinderladen Malu in Rochlitz vorerst schließen. Derzeit nutzt sie die sozialen Medien, nimmt kleine Videos auf und präsentiert Spielzeuge. "Wir wollen im Gedächtnis der Leute bleiben." Bestellungen nehme sie telefonisch oder per Mail entgegen - die Ware wird dann per Post versandt.

Die Bar Academy in Flöha bietet derzeit reduzierte Gutscheine für Kurse und Cocktails an, sagt Inhaber Tilo Erdmann (www.bar-academy.de).

Der Fachhändler Boxolutions aus Brand-Erbisdorf bietet in seinem Onlineshop (www.boxolutions.de) beispielsweise Ostergras, Kuschelholzwolle für Heimtiere und Druckverschlussbeutel. (efh/hh/cdo)


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