Abiturienten radeln quer durch Europa

Fast einen Monat lang sind drei junge Männer von Rochlitz nach Barcelona unterwegs gewesen. 2600 Kilometer im Sattel haben sie zusammengeschweißt.

Rochlitz.

Ihre größten Feinde: Ameisen und Mücken. Toni Arnold, Jonas Dathe und Julian Krutz hatten es auf ihrem Trip Richtung Süden irgendwann aufgegeben, dagegen anzukämpfen. Doch diese Plage war eher ein Nebenschauplatz gegenüber dem, was das Trio in 27 Tagen im Sattel erlebt hat.

Die Idee für die Fahrrad-Tour mit Ziel Barcelona als Lohn für das bestandene Abitur hatte ein Freund. Toni Arnold konkretisierte die anfangs vagen Pläne. So führte die Route von Rochlitz über Jena, Erfurt, Fulda nach Frankfurt/Main, folgte dann dem Rhein nach Basel und weiter nach Genf, Lyon und Montpellier, dann entlang der Mittelmeerküste bis nach Barcelona.

Beim Start am 17. Juli waren sie zunächst als Quartett unterwegs. "Dass Fabio Müller die Gruppe nur bis Straßburg begleitet, war von Beginn an klar", erklärte Toni Arnold. Die weiteren rund 2000 Kilometer spulten die 18- beziehungsweise 19-Jährigen aus Bad Lausick, Erlbach und Penna dann als Trio ab.

Und diese Strecke hatte es teils in sich. "In der Schweiz wurden wir so richtig eingeweicht", erinnert sich Jonas Dathe. Anderthalb Tage am Stück habe es geregnet wie aus Kübeln. "Alles war nass, und die Sachen in den Packtaschen begannen bereits zu müffeln. Und zu allem Überfluss hatte Julian an dem Tag auch noch einen Platten." Am Zelt, in das sich die jungen Männer patschnass und erschöpft an einem Feldrain geflüchtet hatten, erhielten sie dann noch Besuch der Kantonspolizei. "Schwarzzelten ist dort wie fast überall verboten", schildert Julian Krutz. Immerhin hätten die Beamten den Dreien einen Campingplatz vermitteln können. "Diese Phase war prägend. Denn nachdem wir die Wasserschlacht überstanden hatten, wussten wir, dass wir alles andere auch schaffen würden. Für uns war das ein Motivationsschub."

Bis etwa in Höhe Montpellier nutzten die drei Radreisenden größtenteils gut ausgebaute Radwege. Und schoben Frust, wenn Senioren auf ihren E-Bikes mit 30 Stundenkilometern an ihnen vorbeizogen. "In Südfrankreich war dann Schluss mit dem Komfort, und die Strecke wurde deutlich härter", schildert Toni Arnold. Geschotterte Pisten verlangten ihnen alles ab, und im Gebirgszug der Pyrenäen überwanden sie anspruchsvolle 490 Höhenmeter, die die Bremsbeläge aufs Äußerste forderten.

Dann hielt ein Routenabschnitt unerwartete Hindernisse bereit. "Im Kartenmaterial war nicht ersichtlich, dass ein Flusslauf durchquert werden muss. Alternativ wäre nur ein Riesenumweg infrage gekommen", erzählt Jonas Dathe. Sie hätten nicht lange debattiert. "Wir entschieden uns für die kürzere Variante. Die Strömung war zwar nicht ohne, aber wir sind dann erst mit den Taschen und danach mit den Rädern durchgewatet." Als problematisch erwiesen sich die Zustände auf öffentlichen Straßen, die mangels Radwegen in den Routenverlauf eingebunden werden mussten. Und die Julian Krutz noch auf französischem Boden fast zum Verhängnis geworden wären. "Wir hatten uns in einen zweispurigen Kreisverkehr eingefädelt, als ein Kleintransporter in scharfem Tempo von hinten kam und mich fast mitgerissen hätte." Die Franzosen würden teils wie die Wilden fahren, sagt er in Erinnerung an den Schreck kopfschüttelnd.

Die verbrauchte Energie wurde dann abends am Campingkocher mit kiloweise Pasta und viel Fleisch aufgefüllt. Das Leben an der Strecke hatte dennoch etwas Spartanisches. "Wir sahen mitunter sechs, sieben Tage keine Dusche", sagt Jonas Dathe. Aber das sei kein großes Problem gewesen. Erfrischung habe es beispielsweise immer mal in einem der zahlreichen Seitenarme des Rheins gegeben.

Stress anderer Art hielt der 20. August bereit. Der Rückflug stand an. Und die Herausforderung für das Trio bestand nun darin, das gesamte Equipment einschließlich der Fahrräder in handliche Formate zu verpacken. "Die Taschen durften nicht länger als 1,20 Meter sein, und wir hatten richtig Druck mit der Demontage, um rechtzeitig vor dem Start fertig zu werden", erzählt Toni Arnold. Offen ist, ob ein solches Abenteuer noch einmal infrage kommt. "Auf Touren dieser Art lernt man zwanglos jede Menge Leute kennen. Und man kriegt mehr von der Landschaft mit", so Toni Arnold. Allerdings reiche ihm die Erfahrung vorerst. Julian Krutz hingegen könnte sich einen Trip durch Italien durchaus vorstellen. Und bei der Frage, was sie dann anders machen würden, lachen die Drei. "Auf jeden Fall mehr Gewürze mitnehmen." Ihre Kochkünste seien doch etwas fade ausgefallen.

Doch zunächst holt sie der Alltag ein. Toni Arnold studiert Verfahrenstechnik. Jonas Dathe steckt noch im Freiwilligen Sozialen Jahr, um sich fürs Lehramt einzuschreiben. Und wenn Julian Krutz seine Fortbildung zum Rettungssanitäter abgeschlossen hat, will er zur Bundeswehr.

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