Als es noch Handdruckspritzen und Brandkontrollen gab

In Nöbeln ist am Wochenende das Dorffest gefeiert worden - und gleichzeitig das 70-jährige Bestehen der Ortsfeuerwehr. Einer, der fast von Anfang an dabei gewesen ist, berichtet.

Nöbeln.

Beim Dorffest in Nöbeln hat am Wochenende die Feuerwehr mehr als sonst im Mittelpunkt gestanden. Nicht ohne Grund: Sie feierte ihr 70-jähriges Bestehen. Einer, der diese Zeit bis auf sieben Jahre miterlebt hat, ist Werner Richter. Er ist seit 1953 und damit seit 63 Jahren dabei. Sein Eintritt erfolgte allerdings in die Ortswehr Meusen, die 1962 in die Feuerwehr Nöbeln eingegliedert wurde.

Dass er Feuerwehrmitglied geworden ist, ist für den heute 78-Jährigen eine Selbstverständlichkeit. "Die Feuerwehr war das A und O im Ort. Es ging nicht nur darum, Feuer zu vermeiden oder zu löschen, sondern die Kameraden waren auch gefragt bei Bauvorhaben im Dorf oder der Ausrichtung von Festen. Es war einfach klar, dass man da mitmachte", erklärt Richter. Begonnen habe seine Ausbildung an einer Handdruckspritze. "Das muss man sich wie einen Pferdewagen vorstellen, auf dem die Pumpe war. Hüben und drüben haben vier Mann an den Hebeln gepumpt, sodass das Wasser floss", erklärt er. Glücklicherweise habe er das nur trainieren und nicht wie andere Wehren auch im Ernstfall anwenden müssen. Anfang der 1960er-Jahre seien dann die Motorspritzen aufgekommen, die auch jetzt noch - natürlich viel moderner - die Basis der Feuerwehrtechnik seien.


Gut erinnern kann sich Richter an seinen ersten großen Einsatz. Eine Scheune in Meusen stand nach einem Blitzschlag in Flammen. Die Scheune selbst konnte nicht gerettet werden. "Aber an allen Beigebäuden ist kein Schaden entstanden und vor allem wurde niemand verletzt", so Richter. Sein letzter Einsatz im aktiven Dienst war 2002 bei der Bekämpfung des Hochwassers. Seine jetzige Tätigkeit in der Alters- und Ehrenabteilung, die er auch augenzwinkernd rückwärtige Dienste nennt, bestehe unter anderem darin, die Truppe nach einer kräftezehrenden Übung mit frisch Gegrilltem zu versorgen oder auch darin, das Gerätehaus und dessen Umgebung in Schuss zu halten.

Übungen habe es dabei zu DDR-Zeiten wesentlich häufiger gegeben - einmal im Monat. Und noch etwas, das heute abgeschafft ist, gab es: eine Brandschutzgruppe innerhalb der Wehr, die regelmäßig vorbeugende Brandschutzkontrollen im Ort durchführte. "So konnte man Gefahren eher abwenden und kannte vor allem die Gebäude. Das war damals bei dem Scheunenbrand enorm wichtig und hat verhindert, dass das Feuer übergreifen konnte", sagt Richter.

Seine Mitgliedschaft hat der Schlosser nie bereut und er empfiehlt jungen Leuten, sich in die Wehr einzubringen. Zum einen sei es eine wichtige Aufgabe, so Gesundheit, Leben, Hab und Gut der Mitmenschen zu schützen und zum anderen gebe es einen tollen Zusammenhalt in der Truppe, den er nicht missen möchte.

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