Alte Schule in neuen Händen

Ein Geringswalder Paar will darin eine Praxis für Physiotherapie betreiben. Diese Nutzung kommt der ursprünglichen nahe: Das Gebäude war einst ein Krankenhaus.

Geringswalde.

"Jetzt oder nie", sagte sich Mandy Band mit Blick auf ein Projekt, das die Geringswalder Physiotherapeutin sich gemeinsam mit Ehemann Michael vorgenommen hat. Denn kürzlich machte der Stadtrat den Weg dafür frei, das Grundstück mit 3400 Quadratmetern Fläche, dem Haupthaus und einem Nebengebäude an der Erich-Zeigner-Straße für 135.000 Euro zu verkaufen. Ist der notarielle Akt erledigt, wird Michael Band als Eigentümer des Zweigeschossers eingetragen sein, Heilpraktikerin und Chiropraktikerin Mandy Band ist als Mieterin vorgesehen.

Damit könnte das Gebäude wieder zu dem werden, was es ursprünglich einmal war: ein Ort der Heilung. Denn der markante Backsteinbau hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich, wie Aufzeichnungen von Heimathistoriker Matthias Heimann belegen. So wurde das 1892 fertiggestellte Gebäude als Krankenhaus genutzt.

Mandy Band stößt, wie sie sagt, mit ihrer Physiotherapie an der Arraser Straße an räumliche Grenzen. Seither sucht sie nach einer Alternative, auch außerhalb Geringswaldes. "Grundsätzlich ist uns das Haus an der Zeigner-Straße eine Nummer zu groß", sagt die 48-Jährige. "Aber noch mal eine Nummer kleiner wäre auch nicht infrage gekommen." Und nicht zuletzt lebe sie seit mehr als 20 Jahren in Geringswalde, ihr Mann noch länger. Da entstünden Bindungen, die sie nicht hätten aufgeben wollen.

Im Haupthaus soll ein Treppenlift eingebaut werden. Das Dach ist teils undicht, der Keller feucht. "Wir reden nicht von einer Renovierung", sagen beide Bands. Es gehe um eine umfassende Sanierung.

Den Flachbau hinter dem Hauptgebäude hat die Familie noch nicht in ihre Pläne eingeschlossen. "Wir könnten uns ein Arrangement mit der Stadt vorstellen, damit etwa die Jugendarbeit wieder angeschoben werden kann", meint Michael Band.

Momentan belegen Vereine einen Teil beider Gebäude. Lothar Naumann hat vom Verkauf noch nichts Offizielles vernommen. Der Geringswalder Schachklub sei zudem im hinteren Gebäude untergebracht. "Wir hatten uns mehrfach um einen Raum im Haupthaus bemüht", sagt der Nachwuchsbetreuer. Dass es nicht geklappt habe, sei nun vielleicht von Vorteil.

"Wir wissen offiziell von nichts", teilte Hans-Steffen Alexandrowitz mit. Die DRK-Ortsgruppe hat neben einem Raum im Flachbau ein Zimmer im Haupthaus und zwei kleinere Büros gemietet. "Im Vertrag sind neun Monate Kündigungsfrist festgelegt", so Alexandrowitz.

Im Anschluss an den Beschluss im Stadtrat, die Immobilie zu verkaufen, hatte Bürgermeister Thomas Arnold (parteilos) betont, den betroffenen Vereinen bei der Suche nach einer Alternativunterkunft behilflich zu sein.

Es sei keine Eile bei irgendwelchen Entscheidungen geboten, versichern Mandy und Michael Band. "Wir befinden uns ganz am Anfang unserer Planung", unterstreicht die Physiotherapeutin. "Und mir ist klar, dass ich mich gedulden muss. Das gehört nicht unbedingt zu meinen Stärken. Aber inzwischen habe ich es so angenommen. Jetzt geht es Schritt für Schritt."

Was Mandy und Michael Band nun erledigen müssen, ist neben dem Notartermin ein Besuch bei der Hausbank oder auch Gespräche mit den Koordinatoren für Fördermittel der Europäischen Union.

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