Altgeringswalderin taucht ein in facettenreiches China

Danya Stenzel wollte nach dem Abitur etwas von der Welt sehen. Es verschlug sie in eine 12,3-Millionen-Metropole. Im chinesischen Alltag gab es für sie einige Herausforderungen.

Altgeringswalde.

Abitur in der Tasche. Und dann erst mal raus. Danya Stenzel verbrachte bis August ein Jahr in China. Erfahrungen und Eindrücke, die sie dort machte, gibt die Altgeringswalderin in einem bebilderten Vortrag wieder, der für kommende Woche geplant ist.

Dass es ausgerechnet China wurde, hat Danya Stenzel ihren Eltern zu verdanken. "Wir hatten uns auf der 'Horizon-Messe' in Leipzig umgesehen, einem Event für die Orientierung nach dem Abi", sagt die junge Frau. Ihre Eltern hätten ihr dann Broschüren über die Möglichkeiten in dem ostasiatischen Land gezeigt. "Und das klang für mich recht interessant, und damit war die Entscheidung gefallen: ein Jahr als Au-pair in Shezhen." Sie habe vor allem eine komplett andere Kultur über einen längeren Zeitraum erleben wollen.


Und so tauchte sie ein in die 12,3-Millionen-Metropole im Südosten Chinas, unweit der Enklave Hongkong, wechselte dort zunächst nach kurzer Zeit die Familie. "Die zog nach Hongkong, ich hätte mitkommen können, doch es gab etwa bei der Erteilung eines neuen Visums schwer überwindbare Hürden."

Danya Stenzel blieb in Shezhen. Eine gute Entscheidung, wie sie heute weiß. Allerdings auch eine, die Kraft kostete. "Chinesische Eltern legen höchsten Wert darauf, dass ihre Kinder vorankommen. Und ich war angehalten, der fünfjährigen Flora und der zehnjährigen Ashley jeden Tag zwingend etwas beizubringen, etwa Perfektion in Englisch." Vom Alltag des älteren Mädchens habe sie wenig mitbekommen. "Schule ging bis halb fünf, dann war eine halbe Stunde Spielen angesagt, und im Anschluss wurden bis gegen 22 Uhr Hausaufgaben gemacht." Teils belegten die Kinder noch bis zu sechs Arbeitsgemeinschaften. Das chinesische Schulsystem sei viel straffer organisiert als das deutsche. "Der Druck auf die Kinder ist enorm", so Danya Stenzels Eindruck. Eltern wollten die bestmögliche Karriere für ihren Nachwuchs, und die Konkurrenz im bevölkerungsreichsten Land der Erde sei groß.

Auch die Tage der Altgeringswalderin waren lang und ausgefüllt. "Drei Mal wöchentlich war Sprachunterricht, und der hat mir viel gebracht." Sie unterzog sich einer Prüfung und spricht inzwischen recht gut Chinesisch. Gab es Probleme, fragte die Studentin allerdings die Agenturmitarbeiter um Rat. "Direkt zu sagen, was einen stört, ist in China regelrecht verpönt. Kritik sollte gut verpackt sein und so ausfallen, dass der andere nicht sein Gesicht verliert."

So habe sie etwa kritisiert, dass die Gasteltern ihr statt zwölf Tagen Urlaub nur die Hälfte davon zugestehen wollten. Zudem wurden aus den ausgehandelten 30 Wochenstunden häufig bis zu 45. "Andererseits zeigte mir die Familie sehr viel vom Land, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Attraktionen. Teils jedoch rauschte das alles an mir vorbei, da ich für die beiden Mädchen da zu sein und für ihre Sicherheit zu sorgen hatte", berichtet die junge Frau.

Doch Danya Stenzel will sich nicht beklagen. Denn sie hatte ein, wie sie sagt, unglaubliches Glück. Sie lernte Maggie Liu kennen, eine junge Frau aus Shezhen. Und so, wie die Altgeringswalderin derzeit die Chinesin mit ihrer mittelsächsischen Heimat vertraut macht, zeigte Maggie Liu der jungen Frau aus Deutschland die reizvollsten Ecken Zentralchinas. "Wir waren oft auf dem Land unterwegs, in Gebieten, in denen die Zeit stillzustehen schien. Ich sah Gegenden, die ich allein nie aufgespürt hätte", erzählt sie. Das Insiderwissen der Chinesin sei eine große Bereicherung gewesen. "Ich bin nicht mit übermäßig hohen Erwartungen losgezogen. Doch dieses eine Jahr übertraf meine Vorstellungen. Was ich erlebte, möchte ich als Erfahrung nicht mehr missen."

Im Herbst begann Danya Stenzel ein Studium der Psychologie in Leipzig. Mit der Fachrichtung erfüllte sich die Altgeringswalderin einen Traum. Wenn alles nach Plan läuft, trifft sie im Sommer einen Großteil der Freunde wieder, die ihr Jahr in China begleiteten. Auch Maggie Liu wird dann dabei sein.

Der Fotovortrag "Ein Jahr in China zwischen Kultur und Chaos" von Danya Stenzel findet am 12. Januar in der Gaststätte "Zur Wolfsschlucht" in Geringswalde, Markt 11, statt. Beginn ist 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Initiiert wird die Veranstaltung von Linke-Kreisrat David Rausch.

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