Angekommen im eigenen Reich

Sie suchten einen Hof mit viel Platz und Ruhe. In Altgeringswalde wurde die vierköpfige Familie fündig. Es muss aber noch einiges saniert werden.

Altgeringswalde.

Der Notarvertrag war gerade erst unterschrieben, da hörte Daniel Denzau im Radio die Meldung vom Brand eines Vierseithofes in Altgeringswalde. "Ich dachte sofort, unser gerade gekauftes Anwesen ist betroffen", schildert er. Zu dem Zeitpunkt war der Handwerker beruflich ein ganzes Stück von der Heimat entfernt. Ein Verwandter sei vor Ort gewesen und habe ihn aber beruhigen können. Gebrannt hatte es gegenüber dem neu gekauften Grundstück von Denzau und Partnerin Madeleine Pohl. Das Paar lebte zu dem Zeitpunkt noch in Fischendorf bei Leisnig und richtete für den geplanten Umzug die Innenräume des Wohnhauses auf der Westseite her. "Der Wind trieb in der Brandnacht Rauch und Funken genau zu uns hinüber", erinnert sich Daniel Denzau. Die Feuerwehr habe erfolgreich verhindern können, dass die Flammen übergreifen konnten.

Drei Jahre ist das jetzt her. Und im Januar packten Madeleine Pohl und Daniel Denzau ihre Koffer und wurden zu Altgeringswaldern. "Sicher, wir hatten auch in Fischendorf ausreichend Platz, wohnten aber dort zur Miete. Wir wollten etwas Eigenes und ruhig Gelegenes auf dem Land", sagt Denzau, der in der Nachbarstadt Hartha groß geworden ist. Der Dachdeckermeister braucht schon von Berufs wegen Lagerplatz. Den hat er jetzt.

Und nicht zuletzt ist die Familie inzwischen auf vier Personen angewachsen: Matilda-Lucy ist drei, Karl gerade mal ein Jahr alt. Vor allem die kleine Matilda-Lucy ist sehr quirlig. Wenn sie nicht gerade in der Neuwallwitzer Kita "Regenbogen" ist oder mit der Spielzeugkamera Motive einfängt, betreut sie die drei Hühner der Familie. "Sie heißen Halloween, Fledermaus und Mc Nugget", verkündet das Mädchen stolz, ehe es im Garten verschwindet. Sie träumt davon, bei einer Tanzgruppe aufgenommen zu werden, mit der sie auf der Bühne auftreten kann.

Im Außengelände des Grundstücks der Neu-Altgeringswalder ist in den Sommermonaten viel passiert. Daniel Denzau baute eine stabile Wippe und ein Klettergerüst im XXL-Format. Daneben kann sich der Nachwuchs auf einem geräumigen Trampolin austoben. Schatten spenden viele Obstbäume. Matilda findet im Gras Walnüsse.

Madeleine Pohl und Daniel Denzau ist durchaus bewusst, was sie sich mit dem Vierseithof aufgeladen haben. "Fast ein bisschen zu viel an Platz", schätzt der 34-jährige Familienvater ein. Das Wohnhaus auf der Südseite wird von der einstigen Eigentümerin genutzt. Bleibt noch der Trakt, den die junge Familie bewohnt. Und zwei Scheunen. An einem der Speicher muss das Dach repariert werden. Hier ist Denzau in seinem Element. Seinen Betrieb mit einem Angestellten, mit dem er 2013 in die Selbstständigkeit startete, würde er personell gern aufstocken. "Ein sinnloses Unterfangen", konstatiert er resigniert. Er habe vieles unternommen, Leute zu bekommen. Arbeitskräfte fürs Dachdeckerhandwerk seien aktuell nicht zu kriegen, der Fachkräftemarkt leer gefegt.

Was in allernächster Zeit noch werden muss, sagt Denzau, sei der Flur seines Wohnhauses. Großzügig dimensioniert, wie in alten Bauernhäusern üblich, ähnelt der eher einer Eingangshalle. Viel Arbeit für den Handwerker.

So oft es Karl, der Kleine, zulässt, macht Madeleine Pohl mit bei der umfangreichen Sanierung. In Kürze läuft die Elternzeit für die Kauffrau im Einzelhandel ab. Karl hat gerade seine Eingewöhnungszeit in der Kita. Die 38-Jährige, die aus Eisleben stammt, will wieder ins Arbeitsleben einsteigen.

Auf die Frage, was sich in ihrer neuen Umgebung noch optimieren ließe, antwortet sie: "Der Schuttberg gegenüber sollte möglichst bald verschwinden."

Von der Geringswalder Innenstadt bekam die Familie bislang allerdings wenig mit. Zeit fürs Schlendern entlang der Geschäfte am Markt bleibt momentan nicht. Gleichwohl war kürzlich das Teichfest ein Anziehungspunkt. Den Trubel auf der Festwiese kennt Daniel Denzau noch aus seiner Harthaer Zeit.

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