Auch tschechische Imker beklagen Bienensterben

Bei einem Erfahrungsaustausch in der Partnerstadt Libochovice sind die Beziehungen mit Lunzenau auf einer neuen Ebene vertieft worden. Probleme wurden ebenso wie Erfolge angesprochen.

Lunzenau.

Es sei ein straffes Programm gewesen, das die tschechischen Imker in Zusammenarbeit mit der Stadt für die Bienenzüchter aus Lunzenau am Wochenende in Libochovice auf die Beine gestellt hatten. "Wir sind sogar mit dem Bus abgeholt worden. In Libochovice haben wir uns mit Hobby-Imkern, wie wir es aus der Region Lunzenau alle waren, ausgetauscht, aber auch einen Berufsimker besucht. Der hat 350 Völker und bewirtschaftet den Betrieb mit nur einer Hilfskraft. Hut ab vor der Leistung und dem Erfolg", berichtet der Lunzenauer Werner Bogen. Er war einer der mehr als 20 Bienenfreunde, die die Imker in der Lunzenauer Partnerstadt besuchten.

Ein Thema sei unter anderem das Bienensterben gewesen, das hiesigen Imkern sehr zu schaffen macht. "Die Imker in unserer Region haben nach dem Winter mit Verlusten zwischen 20 und 80 Prozent zu kämpfen. Die tschechischen Imker sind auch betroffen, aber nicht so krass wie wir", berichtet Bogen. Ihm sind von zehn Bienenvölkern vier geblieben. Er kenne auch Imker, bei denen alle Völker starben.

Die Ursache für das Dilemma sieht Bogen darin, dass die Bienen, statt ab etwa September ihre Winterpause zu machen, oft noch einmal ausrücken. "Sie arbeiten sich quasi tot", so der Imker. Was die Bienen heraustreibt, seien die verstärkt angebauten blühenden Winterzwischenfrüchte. Das sei zum Beispiel Acker-Senf, der wie Raps gelb blühe. "Statt drin zu bleiben und sich vom gefütterten Zuckerwasser zu ernähren, Brutpflege zu betreiben und sich zu stärken, tragen die Bienen noch Futter ein, gehen geschwächt in den Winter und überleben Frost nicht", erklärt Bogen. Das Problem bestehe seit 2015. Seitdem wird nach EU-Recht das sogenannte Greening verlangt. Es besagt, dass landwirtschaftliche Betriebe fünf Prozent ihrer Ackerflächen bereitstellen müssen, um sie im Interesse des Umweltschutzes zu nutzen, zum Beispiel zum Erhalt von Hecken. Eine landwirtschaftliche Nutzung ist zulässig - unter anderem eben jener Anbau von Zwischenfrüchten.

Werner Bogen kennt diese gesetzlichen Vorgaben, bringt daher auch Verständnis für die Landwirte auf. "Die Bauern würden uns aber einen großen Gefallen tun, wenn sie ihre Felder so bestellen, dass es im Herbst keine großen blühenden Flächen mehr gibt. Denn damit hätten die Bienen ihre Winterruhe", sagt er, der seit 1983 Bienen züchtet.

Der 64-Jährige hat Landwirtschaft studiert und war dann von Berufs wegen auch mit Bienen befasst. Das weckte sein Interesse an dem Hobby, das er liebt, weil "Bienen so interessante Tiere sind und man nie auslernt". Ans Aufgeben denkt er trotz seiner herben Bienenverluste nicht. "Man muss auch Rückschläge einstecken können als Züchter."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...