Auf das Gemeinschaftsgefühl in der Truppe kommt es an

Schon seit gut zehn Jahren engagiert sich Anika Stucke in der Feuerwehr. Sie schätzt vor allem die Arbeit im Team.

Döhlen.

Vor gut zehn Jahren sprach ein Schulfreund Anika Stucke an, ob sie nicht Lust hätte, Mitglied bei der Jugendfeuerwehr Königshain-Wiederau zu werden. Eigentlich hat sich Anika Stucke bis zu diesem Zeitpunkt nicht besonders für die freiwillige Feuerwehr interessiert, aber sie kam der Einladung nach - und blieb. "Der Zusammenhalt in der Truppe hat mich sehr beeindruckt", sagt die heute 23-Jährige.

Über das, was man bei den Einsätzen der Feuerwehr leisten und aushalten können muss, hat sich Anika Stucke anfangs keine Gedanken gemacht. "Aber schon in den ersten Lehrgängen bekamen wir Bilder von Unfalleinsätzen gezeigt. Und obwohl ich eigentlich sehr sensibel bin, war mir schnell klar, dass ich das kann", erzählt die junge Frau.

Durch private Kontakte kam sie zur Ortsfeuerwehr Döhlen und hat nach der Jugendfeuerwehr die Ausbildung zur Truppenführerin abgeschlossen sowie die Lehrgänge zum Umgang mit Atemschutz und Funkanlagen. Sogar einen Motorkettensägenlehrgang hat sie absolviert. "Es gab noch freie Plätze im Lehrgang und da hab ich einfach mitgemacht. Es war wirklich sehr interessant!"

Die Ausbildung zur Einsatzleiterin habe die gebürtige Rochlitzerin aber nie angestrebt. "Ich sehe mich selber nicht als Führungspersönlichkeit, ich arbeite lieber im Team", sagt sie.

Als Frau gehört sie zwar bei der Feuerwehr einer Minderheit an, völlig allein ist sie allerdings nicht. Von insgesamt 84 Einsatzkräften in den Ortsfeuerwehren Bernsdorf, Döhlen, Gröbschütz, Steudten und Zschaagwitz sind sieben Frauen, vier davon leisten ihren Dienst bei der Wehr in Döhlen. Benachteiligt sieht sich Anika Stucke als Frau nicht. "Klar, vielleicht kann ich nicht so zupacken wie ein Mann, aber dafür sind wir Frauen sicher empathischer in sensiblen Situationen." Diesen Vorteil hat sie auch schon für sich genutzt. "Als wir während des Hochwassers 2013 noch zurückgebliebene Personen evakuierten, musste man schon mit viel Feingefühl Überzeugungsarbeit leisten. Die Menschen hatten ja Angst."

Aber die langen Einsätze während des Hochwassers hätten auch den Zusammenhalt unter den Kameraden gestärkt. Drei Tage lang intensiv miteinander zu arbeiten, sei schon etwas Besonderes, so Stucke.

Dramatische Einsätze habe Anika Stucke glücklicherweise noch nicht viele miterlebt. Die besten Jahre bei der Feuerwehr seien auch grundsätzlich die, in denen nichts passiert, so die junge Frau.

Dennoch sind ihr genau die Bilder nach einem tödlichen Autounfall im Einsatzgebiet im Gedächtnis geblieben. Die Kollegen aus Rochlitz seien damals schon vor Ort gewesen. "Wir von der Ortsfeuerwehr Döhlen haben die Straße abgesperrt, aber da habe ich schon realisiert, wie schwer so ein Einsatz sein könnte, wenn man die verunfallte Person gut kennt", so Stucke. In solchen Fällen gäbe es immer sehr gute Nachbesprechungen in der Wehr. Und wer möchte, könne darüber hinaus einen Seelsorger hinzuziehen.

Die Freude am sozialen Engagement hat Anika Stucke inzwischen auch beruflich verwirklicht. Nach einem Praktikum während der Ausbildung zur Sozialassistentin entschied sie sich für den Beruf der Altenpflegerin und hat diese Entscheidung nicht bereut. "Es ist eine sehr dankbare Tätigkeit, man bekommt soviel zurück", meint Anika Stucke. Nur mit dem aktiven Dienst bei der Feuerwehr sei ihre Arbeit leider nicht so gut vereinbar. "Wenn ich beispielsweise abends allein für 15 Pflegebedürftige verantwortlich bin, kann ich für einen Einsatz nicht einfach alles stehen und liegen lassen." Eine schnelle Vertretung zu finden, sei dann auch selten möglich.

Sie hofft allerdings, ihren Beruf als Altenpflegerin und den aktiven Dienst bei der Feuerwehr noch möglichst lange unter einen Hut zu bringen - auch wenn ihr bewusst sei, dass dies mit einer etwaigen Familienplanung noch schwieriger werden könnte. "Den aktiven Dienst quittieren kommt aber nicht in Frage, dafür bin ich schon viel zu lange dabei", so Anika Stucke.


Einsätze nach Unfällen, Blitzschlag und Erntearbeiten

Die fünf Seelitzer Ortsfeuerwehren Bernsdorf, Döhlen, Grobschütz, Steudten und Zschaagwitz verzeichneten im vergangenen Jahr gemeinsam 29 Einsätze. Zweimal wurden die Wehren zu Bränden gerufen, 26 Mal leisteten sie technische Hilfe, einmal unterstützten sie den Rettungsdienst.

Das Sturmtief Friederike sorgte laut Gemeindewehrleiter Jens Härtwig bereits im Januar 2018 für 21 Einsätze. Alle betrafen Baum- und Holzbruch im gesamten Gemeindegebiet.

Am 4. August 2018 entwickelte sich bei Erntearbeiten auf einem Feld in Zetteritz ein Brand, der nur aufgrund sehr günstiger Windbedingungen schnell unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Zu einem Wohnungsbrand in Steudten wurde die Feuerwehr am 17. August 2018 gerufen. Ein Blitzschlag hatte einen Brand in einem Zweifamilienhaus verursacht und richtete erheblichen Schaden an. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. (cbo)

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...