Auf der Suche nach dem perfekten Saatgut

Wie sich Getreidesorten auf dem Feld entwickeln, testet die Firma Saatgut 2000 auf einer Versuchs- fläche in Zschaagwitz. Dabei soll Bauern geholfen werden, trotz Klima- wandels eine gute Ernte einzufahren.

Zschaagwitz/Claußnitz.

Sie heißen Bernstein, Moschus oder Kashmir - die Getreidesorten, die auf einer Fläche bei Zschaagwitz wachsen. Den klangvollen Namen galt das Interesse der Landwirte, die sich gestern zum Feldtag auf dem Areal trafen, allerdings nicht. Im Herbst wollen die Bauern die neue Saat ausbringen. Daher haben sie geschaut: Wie groß sind die Körner der einzelnen Pflanzen? Und welche Sorte ist am besten gewachsen? Denn beim Vergleich auf dem Versuchsfeld zeigt sich, welches Getreide für die Region am besten geeignet ist.

"Wir erhalten von Pflanzenzuchtbetrieben die neuesten Zuchtergebnisse und gehen mit dem Probesaatgut auf die Vermehrungsflächen", erläutert Eckard Kolbe, Geschäftsführer der Vermarktungsorganisation Saatgut 2000. Biochem, eine Gesellschaft, die Futterzusatzstoffe herstellt und vertreibt und ihren Sitz in Niedersachsen hat, betreibt den notwendigen Pflanzenschutz in den Schlägen und protokolliert Wachstum und Reife der Pflanzen. Sogenannte Exaktversuche, für die die Sorten jeweils viermal gesät werden, sollen den Landwirten die Wahl des Saatgutes erleichtern.

Auf dem Feld der Methauer Agro AG an der Bundesstraße 175 sind in den vergangenen Monaten etwa 20 Winterweizensorten gereift. "Hauptsächlich haben wir es mit sogenanntem Mühlenweizen zu tun, der viel Protein enthält, sich gut mahlen lässt und backfähig ist", erklärt der Geschäftsführer. Das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Claußnitz hat, betreibt das Versuchsfeld. Durch die mehrmalige Aussaat seien die Ergebnisse der Versuche statistisch belastbar, so Kolbe. In der nächsten Woche wird das Getreide geerntet, und die Landwirte erhalten die genauen Ergebnisse.

Angesichts der seit Monaten anhaltenden Trockenheit fürchteten Landwirte um ihre Erträge in der Zukunft, habe Kolbe beobachtet. Darauf will man reagieren. "Wir möchten Sorten mit dem höchsten Grad an Wertschöpfung empfehlen", so Kolbe. Die eigenen Resultate gleiche man mit denen aus Landessortenversuchen ab. Dabei testet der Freistaat. Saatgut 2000 und Landwirte hoffen, dass es den Pflanzenzüchtern gelingt, Sorten so weiterzuentwickeln, dass sie trotz Klimawandels und Wetterextremen betriebswirtschaftliche Ergebnisse bringen.

Seit mehr als 20 Jahren steht die Methauer Agro AG mit Saatgut 2000 in Verbindung, so Vorstand Udo Böhme, der gestern aus Termingründen nicht in Zschaagwitz dabei sein konnte. "Wir greifen oft auf die Empfehlungen der Gesellschaft zurück", so Böhme. Dadurch wisse die Agro AG, welche Sorten für ihre Böden geeignet sind. Weitere Nutzer der Resultate sind unter anderem Agraset Naundorf, die Agrargenossenschaft Königsfeld und der Landwirtschaftsbetrieb Tilo Eulitz in Neugepülzig.


Neue Sorten werden getestet

Bei der Saatgut 2000 GmbH mit Sitz in Claußnitz bei Chemnitz und zehn weiteren Geschäftsstellen handelt es sich um eine sogenannte Vermarktungsorganisation. Sie wurde 1999 als einzige in den ostdeutschen Bundesländern gegründet und ist ein Bindeglied zwischen Pflanzenzüchtern und Landwirten.

Das Unternehmen kauft auf Vertragsbasis Vermehrungsmaterial neuer Sorten von Züchtern auf, die dann in Feldversuchen getestet und im günstigsten Fall für den Anbau empfohlen werden.

Versuchsfelder von Saatgut 2000 gibt es in Sachsen, Thüringen sowie in Teilen Brandenburgs. Zudem vergleicht das Unternehmen regelmäßig die Anbauergebnisse mit den Landessortenversuchen des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, ob sie plausibel sind.

Vertrieben wird Saatgut etwa für Weizen, Gerste und Roggen, aber auch für Spezialprodukte wie Dinkel, Hartweizen (Durum), Gras und Zwischenfrüchte. Zu letzteren zählen Feldfrüchte, die als Gründüngung oder für die Nutzung als Tierfutter angebaut werden.

Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen Saatgut 2000 insgesamt rund 15.000 Tonnen ab. (grün)

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