Auf Spurensuche in altem Bergwerk

Der Verein Historischer Bergbau Seelitz hat einen Teil des alten St. Johannes Stollns restauriert. Nun stoßen die Hobby-Bergleute in unbekanntes Terrain vor. Montan- geschichte soll hier wieder lebendig werden.

Seelitz.

Routiniert setzt sich Holger Quellmalz seinen Helm mit Grubenlampe auf und geht voran, hinein in den Stolln. Eigentlich ist der Chef des Seelitzer Vereins Historischer Bergbau von Beruf Rettungsassistent. Doch ihm und seinen neun Vereinsmitgliedern hat es der Bergbau angetan. Sie kennen sich mit der Geschichte aus, dokumentieren Mineralien. Sie wollen ergründen, wie schwer die Arbeit der Bergleute vor Jahrhunderten war und das auch interessierten Besuchern zeigen.

"Dieses Grubenholz hier haben wir im Herbst rausgeholt", zeigt der 50-Jährige auf interessante Zeitzeugen, die vor dem Eingang des St. Johannes Stollns lagern. In unzähligen Stunden gemeinnütziger Arbeit haben die Vereinsmitglieder das stillgelegte Bergwerk, in dem vor über 500 Jahren Silbererz abgebaut wurde, restauriert. Der erste Abschnitt hat vom Mundloch aus eine Länge von 45 Metern. Er wurde 2009 entdeckt. "Im Jahr 2011 haben wir die Kaue gebaut und begannen dann 2013, den verbrochenen Stolln wieder freizuräumen", erklärt Quellmalz. Etwa zehn Meter schaffe man in einem Jahr, etwa so viel wie die Bergleute damals.

Rund 35.000 Euro Fördermittel erhielt der Verein 2011, weitere 15.000 Euro erbrachte er durch Eigenleistungen und Spenden. Eine Mauer wurde gebaut, der Stolln für Besucher begehbar gemacht. "Ich eigne mir das Wissen durch Lesen an, schwöre aber darauf, Fachleute zu kennen. Das sind Freizeitforscher und auch Profis, die uns unterstützen", so Quellmalz. Die Arbeitseinsätze starten die Mitglieder nach Bedarf. Auch Interessenten von außerhalb hätten schon mitgeholfen.

Abenteuerlich wird es nun im zweiten Abschnitt, in den die Hobby-Bergleute in den nächsten Jahren vordringen wollen. "Wir kommen jetzt in historische Bereiche", erklärt Holger Quellmalz und zeigt auf eine aus Sandsäcken errichtete Mauer, die das eindringende Grubenwasser anstauen soll. In der Radstube stand einmal ein altes Wasserrad, das wohl bis 1570 in Betrieb war, als das Bergwerk pleite ging. An dieser interessanten Stelle, die Holger Quellmalz nun erreicht hat, sind Gänge erkennbar, die aus verschiedenen Richtungen einfallen. "Dahinter findet man Teile des ursprünglichen Bergwerks. All das muss gesichert werden. Vorher muss die Masse raus. Dieses Projekt ist eine Lebensaufgabe", erklärt der Vereinschef. Ziel sei es, auch diesen Abschnitt für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, Funde zu sichern und zu dokumentieren. Dann will der Verein Erlebnisführungen anbieten.

Doch auch in den vergangenen Jahren hat der Verein regelmäßig Gelegenheiten gehabt, um seine Arbeit interessierten Gästen vorzustellen. "Alle Führungen machen wir nach Absprache", sagt er. Die Mettenschicht, die stets am vierten Adventssamstag stattfindet, hat einen festen Platz im Terminkalender. Damit der Verein seine Arbeit fortführen kann, werde er von Firmen unterstützt. Aber vor allem an neuen Mitstreitern seien die Vereinsmitglieder, deren Durchschnittsalter um die 50 liegt, interessiert. "Es geht nicht nur darum, Dreck wegzuschaufeln, sondern es müssen Forschungsergebnisse dokumentiert, die Internetseite gepflegt und Führungen organisiert werden, so Quellmalz. www.bergbau-seelitz.de


Vereinsgründung im Jahr 2009 - Ziel: Suche nach dem St. Johannes Stolln - Grube am Vogelsang als wichtigster Abbauort

Verein: Der Verein Historischer Bergbau Seelitz begann seine Arbeit im Jahr 2007 zunächst als Arbeitsgruppe. Heimatforscher hatten in der Region Spuren alten Bergbaus entdeckt und diese Ergebnisse in der Presse veröffentlicht. Daraufhin beschloss die Gemeinde, interessierte Bürger zur Mitarbeit aufzurufen. Die Arbeitsgruppe hatte sich schnell formiert und mit den Nachforschungen begonnen. Zur Vereinsgründung kam es dann 2009. Im Mittelpunkt stand zunächst die Suche nach dem St. Johannes Stolln. Im August 2009 wurde der Eingang zum Stolln gefunden.

Bergbaugebiet: Der Flurname Vogelsang rührt von einem mittelalterlichen Fangplatz für Singvögel her. Vom insgesamt eher unbedeutenden Bergbau in der Rochlitzer Gegend stellt die Grube am Vogelsang den wichtigsten Abbauort dar. Im Umfeld der Stadt wurden über Jahrhunderte immer wieder Gruben eröffnet, um Erze, Kohlen und Edelsteine abzubauen. (ule)

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