Bademeister macht Urlaub - Penigs Bad ist dicht

Trotz Hitze können die Muldestädter seit Sonntag nicht mehr schwimmen gehen. Personalmangel zwingt den Betreiber zum Saisonabbruch. Dafür fehlt im Ort das Verständnis.

Penig.

Ungläubige Blicke, Kopfschütteln, Unverständnis, Wut: Für viele Besucher ist der Weg ins Peniger Freibad gestern und vorgestern bereits auf dem Parkplatz beendet gewesen. Gäste standen vor verschlossenen Toren - trotz anhaltender Hitzewelle. "Ich konnte es gar nicht fassen. Für die gesamte Woche sind 30 Grad gemeldet - und das Freibad ist geschlossen. Dafür fehlt mir das Verständnis", betont Sabine Kaiser.

Die Penigerin steht mit ihrer Kritik nicht allein da. Allein gestern Vormittag gingen in der Stadtverwaltung etwa zehn Beschwerden ein, bestätigte eine Sprecherin. Am vorzeitigen Saisonaus ändert dies jedoch nichts: Das Freibad bleibt geschlossen. "Es gibt personelle Probleme", so die Sprecherin. Ein Schwimmmeister sei schon seit dem Frühjahr krank - und der andere mache nun Urlaub. "Auch Schwimmmeister haben Familie und Pläne. Er hat fast seit April gearbeitet", sagt die Sprecherin. Ersatz gebe es nicht. Auch der neue Badbetreiber, die kommunale Gesellschaft ABS aus Burgstädt, könne keinen Schwimmmeister abstellen - krankheits- und urlaubsbedingt. ABS-Geschäftsführer André Hahn wollte sich nicht weiter zum vorzeitigen Saisonaus und zur Personallage äußern. Die Stadt hatte das Freibad mit Saisonstart in der Hoffnung privatisiert, den Zuschussbedarf zu senken. Dies hatte bereits für Kritik gesorgt, da bei schlechterem Wetter im Sommer die Tore verschlossen blieben. Jüngst räumte die Stadt zudem ein, dass aufgrund des mäßigen Sommers der Zuschussbedarf sogar höher ausfallen könnte. Die Stadtsprecherin verteidigt indes die Ausgliederung: Ohne das Personal der ABS hätte man noch mehr Probleme gehabt. Ob die Zusammenarbeit fortgesetzt wird, entscheidet der Stadtrat nach einer Auswertung.

Linken-Fraktionschef Ringo Gründel bleibt jedenfalls skeptisch, ob der eingeschlagene Weg der richtige gewesen ist. "Ich habe viel Kritik von Gästen gehört. Die jetzige Schließung ist eine weiteres Puzzleteil und eine sehr unglückliche Entscheidung", so Gründel. Solange die Stadt das Bad betrieben hat, habe es keine Personalprobleme gegeben, betont er. CDU-Frontmann Lars Genrich entgegnet, dass auch die Stadt dieses Jahr die selben Probleme gehabt hätte. "Es gibt keine Schwimmmeister. Außerdem müssen die arbeitsrechtlichen Vorschriften eingehalten werden", sagt er. Er werde einer Vertragsverlängerung mit der ABS aber nur dann zustimmen, wenn es mittelfristig Einsparpotenziale gebe.

Die Penigerin Sabine Kaiser hat für die Lage jedenfalls kein Verständnis: "Die Stadt will an der falschen Stelle sparen. Und wenn es kein Ersatzpersonal gibt, muss auch ich den Urlaub verschieben", sagte sie. Falls das Bad, wie viele befürchten, 2017 nicht mehr öffne, breche noch mehr Lebensqualität weg. In Geringswalde und Geithain sind die Bäder schon über eine Woche zu. Davon profitiert Rochlitz: 1500 Gäste kamen Samstag und Sonntag. "Wir hatten Anrufe aus der ganzen Region", sagte Hauptamtsleiter Mario Rosemann. Und nun verkürzen Schulen aufgrund der Hitze noch den Unterricht - bis Wochenende können sie ins Rochlitzer Bad gehen.

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1Kommentare
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  • 5
    0
    harzendorf
    13.09.2016

    Peniger stehen trotz extremer Hitze vor verschlossenem Tor ihres eigenen Freibades.

    Das ist letztlich das Ergebnis primitiver, menschenverachtender sogenannter "Verwaltungsentscheidungen", zu denen dann auf sehr fragwürdige Art und Weise der "Segen" des Stadtrates eingeholt wird.



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