Berufsleben zwischen Baustoffen und Blumenwiese

Auf dem Gelände einer Claußnitzer Firma leben sieben Bienenvölker. Ihren Honig gibt es aber nicht zu kaufen.

Claußnitz.

An sonnigen Tagen summt es zwischen den Sommerblumen auf einer Wiese auf dem Werksgelände der Firma Sakret-Trockenbaustoffe an der Industriestraße in Claußnitz. Unter den Insekten fallen viele Honigbienen auf.

Für die "Firmenbienen", wie sie Geschäftsführer Thomas Utermöller nennt, und wild lebende Insektenarten hat er im Frühjahr eine rund 5000 Quadratmeter große Fläche von einem Landwirt mit einer speziellen Saatgutmischung bestellen lassen. Daraus hat sich am Produktions- und Dienstleistungsstandort des Unternehmens im Diethensdorfer Gewerbepark eine blütenreiche Bienenweide entwickelt.


Im Vordergrund stehen für ihn die Freude sowie der Beitrag zum Naturschutz, so Utermöller. Platz für das Experiment, zu dem der 59-Jährige durch die Aktion "Sachsen blüht", einer Initiative des Sächsischen Landtages und der Stiftung Natur und Umwelt, angeregt wurde, fand er auf dem Werksgelände neben Fabrik, Misch-, Abfüll-, Verpackungsanlagen, Büros, Silos, Lager- und Logistikhallen. Das Firmenareal ist laut Utermöller rund 40.000 bis 50.000 Quadratmeter groß. Etwa 80Beschäftigte produzieren am Standort Trockenmörtel und vertreiben in Sachsen weitere Baustoffe wie Putze, Fliesenkleber sowie Wärmeverbundsysteme und andere Produkte. Die Zertifizierung "Blauer Engel", das Umweltzeichen der Bundesregierung, kennzeichne dabei umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen, so Utermöller.

Ein kleines Stück Natur auf dem Firmengelände passe gut zur Nachhaltigkeitsorientierung des Unternehmens im Produktbereich, befand der Geschäftsführer. "Das Ergebnis ist gelungen. Die Bienenweide-Pflanzen sind genügsam. Sie kommen bisher ohne Pflege mit geringen Niederschlagsmengen aus und sie mögen die Sonne", so Utermöller. Er und andere Beschäftigte erfreuen sich am Blühen von Sonnenblumen, Malvengewächsen und anderen Pflanzen.

Sieben Bienenvölker mit im Hochsommer mehr als 300.000 Tieren hat Utermöller in künstlichen Nisthöhlen auf dem Firmengelände untergebracht. Die Blüten in der Nähe der Behausung der Honigsammler sind neben den Obstbäumen, Rapsfeldern und Linden im Umkreis willkommene nektar- und pollenspendende Pflanzen. Seit drei Jahren beschäftigt sich Utermöller mit Bienenzucht und Imkerei. Er habe einen Anfängerkurs des Imkerverbandes besucht und es danach selbst probiert, sagt er. Vier Bienenvölker, um die er sich an den Wochenenden kümmert, hat er auf seinem Grundstück in Bad Sachsa, einer Kleinstadt in Niedersachsen, untergebracht. Am Arbeitsplatz in Claußnitz, wo er seit 2012 Geschäftsführer ist, hat er vor zwei Jahren mit zwei Völkern begonnen. Damit weckte er bei Robert Schramm, damals Azubi und heute Baustoffprüfer im Unternehmen, sowie einem weiteren Mitarbeiter Interesse für das Hobby. Sie stiegen in die Imkerei ein und unterstützen den Geschäftsführer, der zwischen den Werken in Zeithain bei Riesa und Claußnitz pendelt.

Der Honig, den die Hobbyimker in ihrer Freizeit schleudern und abfüllen, werde selbst verbraucht oder an Mitarbeiter und Kunden verschenkt, so Utermöller. Um die Produktion großer Mengen gehe es ihnen nicht. Vielmehr wolle man gemeinsam mit anderen Beteiligten an der Aktion "Sachsen blüht" demonstrieren, dass Lebensräume für Insekten und Vögel in den Siedlungsbereichen und sogar in Gewerbegebieten neu entstehen können. Utermöller: "Für die anderen Beteiligten und mich bedeutet die Imkerei zugleich Entspannung nach oft fordernden Arbeitstagen."


Firma profitiert vom Boom im Bausektor - Weitere Investitionen in Claußnitz geplant

Das Unternehmen Sakret bietet Baustoffe für die Bereiche Hochbau und Fassade, Garten- und Landschaftsbau an. 1993 erfolgte die Ansiedlung in Claußnitz. Aus anfangs sechs Produkten im Portfolio sind nach Firmenangaben bis heute 900 geworden. Seit etwa 2017 boome die Baubranche, so Geschäftsführer Thomas Utermöller. Auch 2019 erwarte er ein gutes Jahr und mindestens stabile Umsätze. 2018 hat das Unternehmen nach seinen Angaben am Standort Claußnitz 1,5Millionen Euro in neue Technik investiert, etwa für Anlagen zum Dosieren, Mischen, Abfüllen, Packen und Palettieren von Bau- und Zusatzstoffen. In diesem Jahr seien weitere Investitionen in Höhe von rund 400.000 Euro geplant, so Utermöller.

Mit der Ausbildung von Nachwuchs hat das Unternehmen aus seiner Sicht überdies eine gute Strategie gegen den Fachkräftemangel. Pro Jahr würden in der Regel zwei Ausbildungsplätze angeboten, sagt Utermöller. Aktuell werden Baustoffprüfer und Bürokräfte ausgebildet. Qualifiziertes Personal, das nach der Ausbildung übernommen werden kann, reduziere die Sorge, dass Stellen langjähriger Mitarbeiter, die in den Ruhestand gehen, nur schwer wieder besetzt werden könnten. (tür)

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