Bis zur Rente ist der Schreibtisch noch voll

Der Altgeringswalder Klaus Uhlemann hat nach der politischen Wende den Umbruch im Rathaus miterlebt. Im April geht der Verwaltungsfachmann in den Ruhestand. Langeweile erwartet er nicht.

Geringswalde.

Erkundigt man sich im Geringswalder Rathaus nach Klaus Uhlemann, fallen Adjektive wie sachlich, souverän, glaubwürdig oder gründlich. Mit einem Augenzwinkern wird der Sachgebietsleiter allgemeine Verwaltung hinter Rathausmauern auch als "Graue Eminenz" gehandelt. "Ein Titel, der als Würdigung zu verstehen ist", urteilt Uhlemanns Chef und Bürgermeister Thomas Arnold.

Dass der Elektronikfacharbeiter und Meister der Holzverarbeitung überhaupt am Verwaltungsschreibtisch landete und seinen Dienst im Altgeringswalder Gemeindeamt als Bürgermeister antrat, ging vor fast drei Jahrzehnten auf Anregung des Gemeinderates zurück. "Die Pläne für die Besetzung des Amtes waren im Prinzip schon fertig, nur wusste ich noch gar nichts davon", erinnert sich der 63-Jährige.

Lediglich mit Erfahrungen aus seiner Zeit in der Betriebsgewerkschaftsleitung startete der frisch gekürte Altgeringswalder Gemeindechef 1990 in die neue kommunalpolitische Zeit. Aufbruchsstimmung allerorten. Und eine Phase, die ihren ganz eigenen Reiz hatte. "In den Rathäusern gab es zu dem Zeitpunkt noch keine so überbordende Bürokratie, wie man sie heute kennt", so Uhlemann. Eher Grauzonen, mit denen sich arbeiten ließ. Und sehr viel mehr Selbstbestimmung. Eine Zeit des Umbruchs mit Scharen von Alteigentümern, die aus dem Westen kamen und ihre Grundstücke zurückforderten. "Die Klärung von

Eigentumsverhältnissen und die Regelung von Grundstücksangelegenheiten bildeten eine echte Herausforderung", verdeutlicht der Verwaltungsfachmann, der damals als Mittler zwischen den Parteien fungierte.

Als sich Anfang der 1990er-Jahre die Eingliederung Altgeringswaldes abzeichnete, bot der damalige Bürgermeister Eberhard Berger Klaus Uhlemann die freigewordene Stelle im Hauptamt an. Er nahm an, blieb Altgeringswaldes Bürgermeister im Ehrenamt und machte ab dann im Rathaus so einiges mit: ob diverse Haushaltsperren oder auch den latenten Schwund an Personal. "Wir agierten ursprünglich mit etwa 20 Mitarbeitern. Heute müssen wir bei mehr Verwaltungsaufwand mit etwa der Hälfte auskommen." So häufen sich bei ihm seit Jahren Arbeit und Anfragen, die eigentlich nicht sein Sachgebiet betreffen. "Ich bin einer, der immer versucht, einen Ausweg zu finden", sagt Uhlemann von sich. Und da sei etwas, was er etwa bei Personal, das frisch vom Studium komme, immer wieder beobachte: "Einen Tunnelblick, der die Absolventen eher selten in die Lage versetzt, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen." Der allerdings funktioniere in einem so kleinen Kosmos wie Geringswalde nicht.

Dieser und andere Faktoren treiben Uhlemann um. Zwar kurz vor der Zielgeraden, sprich Rente, wirkt er fast gelöster als noch vor Jahren. "Das täuscht", konstatiert er. "Nachts werde ich jetzt häufiger wach." Er denkt an all das, was noch bis zum Ausscheiden zu erledigen ist.

Neben seinem Job in der Verwaltung bekleidet Uhlemann noch das Amt des Gemeinde- wie Ortswehrleiters und arbeitet beim Feuerwehr-Förderverein und der Jagdgenossenschaft mit. Nicht zuletzt will er endlich mehr Zeit für die Familie haben.

Und dann noch dieses Superwahljahr. Die Urnengänge für Stadtrat und Kreistag wie die Europapawahl im Mai wird er im Wahlausschuss noch mit begleiten. Mit Blick auf seine Nachfolgerin sagt er: "Corina Kreller ist eine gute Besetzung. Eine Beruhigung für mich."


Colditzerin übernimmt

Corina Kreller (44) übernimmt seit Beginn des Monats im Geringswalder Rathaus sukzessive die Aufgaben von Sachgebietsleiter Klaus Uhlemann, der sich im April in den Ruhestand verabschieden wird. Die Diplom-Kauffrau, die derzeit noch in Colditz zu Hause ist und sich mit ihrem Partner hier in der Region eine neue Heimat suchen will, bringt Erfahrungen etwa im Gebäudemanagement und als Standesbeamtin mit. "Ich möchte mich mit der beruflichen Veränderung neuen Herausforderungen stellen", kündigte die Verwaltungsangestellte an.

Von insgesamt zehn Bewerbungen, die im Rathaus eingegangen waren, gelangte Corina Kreller in die engere Auswahl und wurde von den Stadträten einstimmig zu Uhlemanns Nachfolgerin bestimmt.

In der Freizeit unternimmt Corina Kreller viel mit ihren zwei Kindern, ist gern zu Fuß oder mit dem Fahrrad in der Natur unterwegs und erfüllte sich im vergangenen Jahr mit dem Führerschein, der ihr das Motorradfahren erlaubt, einen Traum. (grün)

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