Brasilianer will Rösterei-Zentrale in Penig etablieren

João Eduardo und Michele Hermisdorff haben in der Muldestadt ihr kleines Familienunternehmen zum Laufen gebracht. Nach einem Jahr in Deutschland haben sie jetzt Expansionspläne.

Penig.

Insgesamt 20 große Säcke Rohkaffee - das ist fast eine Tonne - hat João Eduardo Hermisdorff in seinem kleinen Familienunternehmen an der Leipziger Straße 1 in Penig bereits geröstet. Verkauft wird der Großteil davon in der "Vila Hermes", einem kleinen Café, mit dem sich die brasilianischen Auswanderer eine neue Existenz in Penig aufgebaut haben, sowie im eigenen Online-Shop. Mittlerweile gibt es auch schon zwei Geschäfte in Zinnberg und in Rochlitz, die den in Penig gerösteten Kaffee bestellen. Vor gut einem Jahr kam die Familie mit drei Kindern aus der brasilianischen Großstadt Belo Horizonte ins beschauliche Penig. Heute, nach einem Jahr, kann João Eduardo eine positive Bilanz ziehen: "Wir lernen immer noch dazu. Aber wir sind sehr zufrieden."

Brasilianisches Flair in die Kleinstadt zu bringen, das ist dem 34-Jährigen und seiner 40 Jahre alten Frau Michele gelungen. Anlässlich des einjährigen Bestehens der "Vila Hermes" gab es am 6. April einen Samba-Abend mit einer brasilianischen Tänzerin, zu dem rund 40 Besucher kamen. Damit waren alle Plätze des kleinen Cafés gefüllt. Im Juni sei ein zweiter Abend geplant, 14 Personen hätten bereits reserviert.


Vor allem aber will João Eduardo das Geschäft mit dem gerösteten Kaffee weiter ausbauen. Denn als ausgebildeter Röstmeister kenne er alles über Kaffee, wie er sagt - vom Anbau über die Röstung bis zur Zubereitung. Eine neue Röstmaschine für rund 10.000 Euro hatte er sich gleich zu Beginn angeschafft. Sie sei nach Kundenwunsch in der Türkei produziert worden. Mehrere Wochen habe er auf sie warten müssen. Mit ihr könnte er noch mehr rösten, sagt João Eduardo. Doch dazu bedürfe es einer optimierten Logistik, da verschiedener Rohkaffee in überschaubaren Mengen benötigt werde.

Bislang bezieht er die grünen Rohkaffeebohnen von der Familienplantage eines Onkels und eines Cousins aus dem brasilianischen Hochland. Noch habe er in Penig genügend Rohkaffee im Lager. Aber das sei eben nur eine einzige Kaffeesorte, die er zu vier verschiedenen Röststärken veredelt. Da João Eduardo in Zukunft mehrere Kaffeesorten anbieten will, habe er bereits Kontakte geknüpft, so unter anderem zu einer Rösterei in Döbeln, um weitere Sorten zu importieren. Ein ganzer Container einer einzigen Sorte, wie er ihn aus Brasilien beziehen könnte, das sei zu viel. Denn künftig wolle er auf noch mehr Vielfalt setzen. "Kaffee ist wie Wein. Jede Sorte hat einen anderen Geschmack", sagt João Eduardo.

Um nicht nur das Angebot, sondern auch die Wirtschaftlichkeit seines Unternehmens auszubauen, hat er bereits konkrete Pläne. "Mein Ziel ist es, noch mehr Läden zu eröffnen", sagt der 34-Jährige. "Wenn möglich, in einer Großstadt wie Leipzig oder Dresden. Hauptsitz soll aber in Penig bleiben. Hier in der Kleinstadt sind die Leute sehr nett", freut sich der Kaffee-Experte. Seine Familie sei in Penig sehr herzlich aufgenommen worden. Die drei Jungs besuchen Kindereinrichtungen in der Stadt. "Sie lernen schnell Deutsch." Seine Frau Michele musste einen Integrationskurs besuchen. "Sie hat die Prüfung erfolgreich bestanden und darf jetzt arbeiten", sagt er. Das Café an der Leipziger Straße habe täglich, außer dienstags, geöffnet. "Aber wir machen auch Ausnahmen", meint er. Denn für João Eduardo gehöre auch dazu, seine alte Heimat in Penig zu präsentieren. Neben dem Kaffee in verschiedenen Sorten würden deshalb auch brasilianische Spezialitäten angeboten. Auch viele Brasilianer, die in Deutschland leben, würden des Café der Hermisdorffs besuchen. Das Haus, in dem das Café untergebracht ist, gehört seinem Onkel, ebenso die Plantage in Brasilien. Dessen großer Traum sei es, in der Peniger "Vila Hermes" mal ein Kaffeemuseum einzurichten. Dass dies nicht von heute auf morgen zu stemmen ist, weiß João Eduardo Hermisdorff nur zu gut. "Für alle Genehmigungen hier habe ich sieben Monate gebraucht", lässt er durchblicken.

João Eduardo und sein Onkel sind Nachfahren eines Wilhelm Eduard Hermsdorf, der 1817 in Penig geboren wurde. Dieser wanderte einst als junger Mann nach Brasilien aus. Die Schreibweise des deutschen Namens wurde allmählich brasilianischen Sprachgewohnheiten angepasst, änderte sich auf diese Weise in Hermesdorff und später in Hermisdorff.

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