Brunnendorf: Weg frei für Zuschüsse

Die Sorge um ihr Trinkwasser treibt die Bewohner von Rüx bereits seit Jahren um. Nun rückt eine Lösung in greifbare Nähe.

Zettlitz.

Gute Nachrichten für das Brunnendorf Rüx: In der jüngsten Sitzung des Zettlitzer Gemeinderates machte das Gremium den Weg frei für Zuschüsse von insgesamt 17.000 Euro, die Grundstückseigentümer entlasten sollen, die sich an das öffentliche Trinkwassernetz anschließen lassen wollen. Bislang versorgen sich die Rüxer über Brunnen. Das Geld soll in den Gemeindehaushalt für 2020 eingestellt werden. Die Gemeinde hatte das Vorhaben von der zuständigen Rechtsaufsichtsbehörde mit Blick auf das Solidarprinzip prüfen lassen. "Wir haben jetzt grünes Licht", sagte der Rochlitzer Hauptamtsleiter Mario Rosemann, der durch die Verwaltungsgemeinschaft mit Zettlitz mit den Vorbereitungen zu diesem Projekt betraut ist.

Die Gemeinde habe für die Finanzspritze einen guten Grund, so Rosemann: Gegenüber etwa den Jahren um 1995 würde die Preissteigerungsrate für den Anschluss an das öffentliche Netz bei satten 340 Prozent liegen. "Es ist schade, dass eine kleine Gemeinde wie Zettlitz zu einem solchen großen Projekt herangezogen wird", so Rosemann weiter. "An sich sollte dieser Sektor gerade mit Blick auf die Entwicklung des ländlichen Raumes zu den Staatsaufgaben gehören."

Bürgermeister Steffen Dathe, der sich seit Langem für die Zuschüsse stark gemacht hatte, ist zufrieden mit der Entscheidung. "Auch mit Sicht auf Kralapp", unterstrich er. Der Zettlitzer Ortsteil würde derzeit über zwei Wassergenossenschaften ohne Anschluss an das öffentliche Netz versorgt. Und noch ein anderer Fakt ist Dathe bewusst. "Wer in unseren Ortsteilen neu bauen will, bekommt keine Baugenehmigung, solange kein Trinkwasseranschluss besteht. Die Bezuschussung ist für uns eine Investition in die Zukunft der Ortschaften."

Die Sorge um ihr Trinkwasser treibt die Bewohner von Rüx bereits seit Jahren um. Denn die Brunnen beginnen mehr und mehr zu versiegen. Im Herbst hatten sich nach einer Umfrage des ZWA über 80 Prozent der Grundstückseigentümer für einen Anschluss ausgesprochen.

Wann es tatsächlich losgeht mit dem Bau der Trinkwasserleitung, in die der Verband rund 160.000 Euro investieren will, ist offen. "Dazu werde ich mich erst äußern, wenn unser Haushaltplan und dessen Inhalte beschlossene Sache sind", sagte Ulrich Pötzsch als technischer Geschäftsleiter beim ZWA.

Wolfram Häber aus Rüx und Zettlitzer Gemeinderat ist selbst betroffen von immer weniger Wasser aus dem Brunnen. "Wobei es mir in der Beziehung noch recht gut geht. Da sind andere im Dorf viel schlechter dran." Häber steht hinter der Entscheidung, Zuschüsse an die Grundstückseigentümer bereitzuhalten, wenn der Bau der Wasserleitung losgeht. "Aus welchen Gründen auch immer ist der Anschluss unseres Ortes in der Vergangenheit versäumt worden. Und jetzt werden die Leute, wenn man so will, gleich zwei Mal bestraft." Häber spielt dabei auf die von der Europäischen Union geforderte Installation vollbiologischer Kleinkläranlagen an. "Das sind jedes Mal Tausende von Euro. Das Geld muss man erst mal aufbringen." Dass Trinkwasser in den Dörfern anliegt, sieht Häber als Pflichtaufgabe des Wasserverbandes. Eine Aufgabe, die die Gemeinden prinzipiell an den Verband delegiert haben.

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1Kommentare
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  • 0
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    Deluxe
    30.08.2018

    Richtig - es wäre allein Aufgabe des Gemeinwesens, also des Staates, für gleiche Lebensbedingungen in Stadt und Land zu sorgen. Das ist sogar grundgesetzlich verbrieft.
    Statt dessen erleben wir, daß im dritten Jahrtausend immer noch Dörfer ohne Trinkwasseranschluß existieren und man den dort lebenden Menschen zumutet, sowohl die Abwasserentsorgung als auch die Trinkwasserversorgung allein zu finanzieren.

    Wir sprechen über schnelles Internet und wollen Glasfasernetze ausbauen, haben aber keinen Wasseranschluß in den Dörfern.
    Wir erleben EU-Förderprogramme für die Entwicklung des ländlichen Raumes, für den Erhalt alter dörflicher Bebauung, für die Ansiedlung junger Familien und vieles mehr - haben aber kein Trinkwassernetz in den dörflichen Ansiedlungen. Ein Unding im 21. Jahrhundert!



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