Brustkrebs: Frauen wollen vorsorgen

Um die Erkrankung frühzeitig erkennen zu können, wird die Untersuchung alle zwei Jahre auch mobil auf dem Land angeboten.

Rochlitz.

Was die Diagnose Brustkrebs bedeutet, hat eine 56-Jährige aus dem Raum Rochlitz vor zwei Jahren erfahren müssen. Damals wurde die Erkrankung bei der Mittelsächsin festgestellt. Es folgte eine vorerst erfolgreiche Behandlung. "Ich war noch kurz zuvor bei der Frauenärztin gewesen, sie hatte nichts festgestellt", berichtet die Frau, die anonym bleiben möchte. Entdeckt wurde der Krebs erst durch eine Mammografie, also eine Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust. Diese nahm die Frau über ein Vorsorgeprogramm wahr.

"Der Tumor saß so tief, dass man ihn nicht hätte ertasten können", erzählt sie. Durch die frühzeitige Diagnose konnte brusterhaltend operiert werden, sagt die Betroffene. Aufgrund dieser persönlichen Erfahrung rate sie anderen Frauen, die Untersuchung vornehmen zu lassen - auch wenn diese unangenehm sei.

Die Möglichkeit dazu haben derzeit Frauen aus der Region Rochlitz auf dem Marktplatz der Stadt. Noch bis 9. Dezember steht dort das sogenannte Mammobil. In dem grau-pinken Fahrzeug nimmt Fachpersonal die Untersuchung der Brust vor. Das Programm zur Früherkennung von Brustkrebs richtet sich an Frauen zwischen 50 und 69 Jahren ohne Symptome. Die Mammografie kann schon sehr kleine, nicht tastbare Tumore in einem frühen Stadium sichtbar machen.

Seit 2007 ist die mobile Screening-Einheit in Mittelsachsen, Chemnitz und dem Erzgebirge unterwegs. "Screening" bedeutet, dass allen Menschen einer Altersgruppe eine bestimmte Untersuchung angeboten wird. Verschiedene Orte werden im Zweijahresrhythmus angefahren. Rund 2900 Frauen im Raum Rochlitz haben in diesem Jahr eine Einladung erhalten, informiert Dr. med. Klaus Hamm. Er ist in der Radiologischen Gemeinschaftspraxis Chemnitz tätig und gehört zum Team der Screening-Einheit Mittelsachsen-Chemnitz-Erzgebirge.

"Wir sind in diesem Jahr ,spät dran', es hat wegen der Pandemie Verschiebungen gegeben", informiert der Facharzt. Auf die besondere Situation aufgrund der Coronapandemie wurde auch innerhalb des Mobils reagiert. Unter anderem wurde der Wartebereich umgebaut. Es gebe weniger Sitzplätze und eine Abtrennung der Sitze.

2008 gastierte das Mobil erstmals in Rochlitz. "Seitdem haben wir bei 70 Frauen die Diagnose Brustkrebs stellen müssen", so der Mediziner. Bei zwölf Frauen hat es sich um Vorstufen der Erkrankung gehandelt. In fast zwei Drittel der Fälle wäre der Befund wegen seiner Größe nicht durch eine Tastuntersuchung zu finden gewesen. "Sie waren kleiner als 20 Millimeter", so Hamm. Rund ein Fünftel sei kleiner als zehn Millimeter gewesen. Die Inanspruchnahme der angebotenen Früherkennungsuntersuchung ist in der Region Rochlitz rückläufig. In den Jahren 2009 und 2011 haben noch rund 70 Prozent der Frauen aus der Region das Angebot angenommen, heute sind es zwei Drittel. "Die Gründe für diese Entwicklung sind sicher vielschichtig", so Hamm. Verbunden sei damit die bewusste Entscheidung einer Frau, sich zu fragen, ob sie Brustkrebs habe, und dann mit der Erkrankung auch aktiv umgehen zu können.

Vor Weihnachten wird das Mobil noch in Mittweida Station machen.


Über 17.000 Frauen in Deutschland sterben an Brustkrebs

Brustkrebs ist mit etwa 30,5 Prozent die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in allen Staaten der industrialisierten Welt, informiert das Onko-Internetportal. Etwa 69.000 Mal im Jahr stellen Mediziner in Deutschland die Diagnose Mammakarzinom bei einer Frau, mehr als 17.850 Frauen sterben jährlich daran. Bei frühzeitiger Diagnose liege die Chance der Heilung bei über 95 Prozent, so Dr. med. Klaus Hamm aus Chemnitz.

Die Wahrscheinlichkeit, Brustkrebs zu bekommen, steigt mit dem Alter, heißt es beim Mammografie-Screening-Programm. Pro Jahr erkranken 150 von 100.000 Frauen zwischen 40 und 50 Jahren, bei Frauen zwischen 50 und 60 Jahren sind es 260. Das Programm richtet sich bundesweit an über zehn Millionen Frauen. Es wird von den gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung getragen. (fmu)

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