Carsdorferin macht aus Getreide einzigartige Kunstwerke

Karla Moritz ist gern kreativ. Ein von ihr gebundener Erntekranz ist nun prämiert worden und hat schon einen passenden Platz gefunden.

Carsdorf/Lunzenau.

Eine ganze Weile habe Karla Moritz am vergangenen Samstag auf einer Bank in der Stadtkirche St. Marien in Borna gesessen und die Besucher beobachtet. Im Altarraum der Kirche standen anlässlich des 22. Sächsischen Erntedankfestes 41 Erntekronen und Erntekränze eng aufgereiht. Zwei davon hat Karla Moritz angefertigt. "Als immer mal jemand an meinen Erntekränzen stehen blieb und ein Foto machte, dachte ich schon, so schlecht bin ich nicht", verrät die 78-jährige Carsdorferin. Und Karla Moritz sollte recht behalten. In der Kategorie "Traditionell" erreichte sie mit ihrem Gebinde den dritten Platz. "Ich war ganz aufgeregt und habe gezittert, als mein Name fiel", so die Rentnerin.

Kleine Zwiebeln und gelbe Strohblumen wechseln sich in ihrem Kranz ab, gebunden in Weizen-, Hafer-, Gersten- und Leinhalmen. Einiges stammt aus eigenem Anbau, die Weizenhalme habe sie sich bei dem Landwirtschaftsbetrieb Muldental Agrar in Lunzenau abschneiden dürfen. "Da wurde ich gefragt, was denn mit meinem Erntekranz geschieht, wenn der Wettbewerb vorbei ist", erzählt Karla Moritz. "Ich hätte ihn wohl wieder auseinander genommen und den Hühnern gegeben", lacht sie.

Daniel Stassen, Geschäftsführer des Betriebs, hatte aber eine andere Idee. "Für uns als Landwirtschaftsbetrieb könnte es doch keine bessere Auszeichnung geben. Wir arbeiten das ganze Jahr auf die Ernte hin, es war klar, dass wir die Kränze gern bei uns aufhängen würden", so Stassen. Seit Montag hängen die Kränze nun im Eingangsbereich seines Unternehmens in Lunzenau. "Das ist ein absolutes Kunsthandwerk. Ich wüsste gar nicht, wie man das anstellt", so der Geschäftsführer.

Tatsächlich werden die Kränze nach der Einhaltung bestimmter Kriterien in der Anfertigung bewertet, erklärt Heike Sparmann vom Verband der Sächsischen Landfrauen, die vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft mit der Organisation und Durchführung des Wettbewerbs beauftragt werden. "Die traditionellen Kränze dürfen beispielsweise nicht gesteckt oder geklebt werden, nur gebunden. Es dürfen nur Naturmaterialien verwendet werden und nur aus der Ernte dieses Jahres. Die Ähren müssen alle von Osten nach Westen gebunden werden und eine Gleichmäßigkeit und Festigkeit muss zu erkennen sein", so Sparmann.

Karla Moritz kennt die Kriterien auswendig. Auch wenn sie das erste Mal am Wettbewerb teilgenommen hat, besucht sie gemeinsam mit ihrem Mann seit vielen Jahren das Sächsische Erntedankfest, bindet selbst jährlich mehrere Kränze. Das Kunsthandwerk hat sie schon von ihrer Mutter gelernt. "Es war Tradition bei uns, zur Ernte Kränze zu binden. Ich hab das schon immer gemacht. Aber ich habe mir nie zugetraut, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Die Kränze und Kronen dort sind wirklich toll gebunden. Ich dachte nicht, dass ich da mithalten kann." Über die dritte Platzierung freut sie sich deshalb ganz besonders. Auch darüber, dass beide Kränze, die sie einreichte, nun im Betrieb von Daniel Stassen andere Menschen erfreuen. Denn das sei ihr eigentliches Anliegen - mit ihren Kunsthandwerken anderen eine Freude machen. Im kommenden Jahr werde sie aber nicht noch einmal am Wettbewerb teilnehmen, sagt die 78-Jährige. "Wenn der Tag allerdings näher rückt, könnte es schon sein, dass es mich kribbelt und ich wieder mitmachen will."

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