Chacho wartet auf sein Herrchen

Mittlerweile sind bereits mehr als 1000 Euro Kosten für die Betreuung aufgelaufen. Doch der Besitzer holt den Mischling nicht ab. Ein Dilemma.

Freiberg.

Verspielt, verschmust, munter, aber nicht bissig: Chacho ist ein ganz Lieber. Schwanzwedelnd läuft er Besuchern entgegen. Kaum zu glauben, dass der acht Jahre alte Spanielmix von seinem Herrchen seit drei Monaten nicht abgeholt wird. Dabei sollte der Hund nur zwei Wochen bleiben. Aber der Besitzer zuckt sich nicht. Bisher ist das Tierheim "Albert Schweitzer" des Tierschutzvereins Freiberg auf den Unterbringungskosten für Chacho sitzen geblieben - über 1000Euro, wie Tierheimchefin Regina Otto sagt.

Doch der Reihe nach: Am 20. Mai brachte Herr R. aus Seiffen* Chacho ins Tierheim. Laut Pensionstierprotokoll, das "Freie Presse" vorliegt, sollte der Hund am 5. Juni wieder abgeholt werden. Schon damals wunderte sich die Tierheimmitarbeiterin, die Chacho annahm: "Als sie nach dem Impfausweis des Hundes fragte, sagte der Mann nur: ,Falls es nicht klappt, binde ich Chacho einfach am Eingang des Tierheimes an'", sagt Tierheimleiterin Otto. Der Mann unterschrieb das Protokoll - mit dem Zusatz, dass sein Sohn der Hundehalter sei. Chacho lebte sich gut im Tierheim ein. Bei Leuten, die Vierbeiner ausführen, ist er wegen seines freundlichen Wesens beliebt.

Doch sein Herrchen vermisst ihn offenbar nicht. Am 5. Juni wurde Chacho nicht aus dem Tierasyl abgeholt - und später auch nicht. Die Tierheimleitung schrieb R. mehrfach an. Doch er verweist jetzt auf seinen Sohn. Und letzterer zuckt sich überhaupt nicht.

Auf Anfrage von "Freie Presse" erwiderte R.: "Ich bin nicht Vertragspartner mit dem Tierheim, sondern hatte den Hund nur im Auftrage des Hundehalters (Besitzer) ... dort abgegeben." Es sei festgelegt worden, dass das Tierheim Chacho nach Vertragsende an Dritte zum Verkauf vermittelt, falls sein Sohn den Hund nicht abhole. Auch gegenüber "Freie Presse" betont R.: "Der Hund kann weiter an Dritte vermittelt werden." Die Kosten will er nicht übernehmen. Sein Sohn reagiert nicht auf Anfragen von "Freie Presse".

Tierheimleiterin Otto schüttelt den Kopf: "Das ist unglaublich. Eine Vermittlung ist nie vereinbart worden. So etwas hatten wir noch nie." Ihr Team will jetzt zunächst eine Pflegefamilie für Chacho suchen: "Dann hat er wieder ein richtiges Zuhause". Zudem behält sich die Tierheimleitung rechtliche Schritte vor.

*Name ist der Redaktion bekannt

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...