Chemnitztalradweg im Test - zweite Fahrt mit Hindernissen

Vor gut einem Jahr testete Torsten Köpnick den Chemnitztalradweg und zeigte Schwachstellen auf. Jetzt fuhr er erneut und hat erlebt, wo etwas fehlt und wo etwas zu viel ist.

Papierkörbe: Torsten Köpnick hatte vor einem Jahr bemängelt, dass es nur wenige Papierkörbe an der Strecke gibt. Für Günter Hermsdorf, Vorsitzender des Zweckverbandes Chemnitztalradweg, sind Papierkörbe "ein Reizthema", wie er sagt. Er kenne es nicht anders, als dass man bei Wanderungen oder Radtouren seinen Abfall mitnimmt. "Es gibt aber auch Zeitgenossen, die vorhandene Papierkörbe nicht nutzen, wenn sie dafür vielleicht zehn Schritte gehen müssen", so Hermsdorf. Nach Köpnicks Erfahrungen sind es in der Regel aber nicht Radsportler, die Müll zurücklassen. Er hat festgestellt, dass alle Papierkörbe entlang der Strecke stets geleert waren, wenn er dort unterwegs war. Ungeachtet dessen plant der Verband eine touristische Konzeption, bei deren Erarbeitung auch über Papierkörbe diskutiert werden soll.

Ausschilderung: Bei seiner ersten Testfahrt hatte Köpnick bemerkt, dass es an Zufahrten zum Radweg an Hinweisen darauf fehlt. Günter Hermsdorf erklärt, dass auch Fragen zu Rastplätzen, Beschilderungen, Hinweistafeln und überhaupt der touristische Gestaltung Gegenstand der genannten Konzeption sein sollen. Auf Basis einer Analyse des Ist-Zustandes soll die Reihenfolge von Maßnahmen festgelegt werden.

Engstelle: Bei seiner Testfahrt vor einem Jahr beurteilte Köpnick einen Abschnitt am Heizkraftwerk Nord als gefährliche Engstelle. Dazu hat sich die Stadtverwaltung Chemnitz geäußert. Demnach ist die Engstelle - eine S-Kurve unter der Bahnbrücke am Heizkraftwerk - durch Brückenpfeiler und Fernwärmeleitung bedingt, die auch die Sicht einschränken. Zur Entschärfung der Situation würden Fußgänger in dem Abschnitt getrennt vom Radverkehr geführt. Zudem wiesen Schilder darauf hin, dass mit Gegenverkehr zu rechnen ist. Weil sich entgegenkommende Radfahrer gefährden könnten, müsse laut Straßenverkehrsordnung so langsam gefahren werden, dass mindestens innerhalb der Hälfte der übersehbaren Strecke angehalten werden kann. Dies werde offensichtlich weitgehend beherzigt. Seit 2016 habe die Polizei auf dem Abschnitt keine Unfälle registriert. Unabhängig davon werde die Situation überprüft. Um den Radweg allerdings für Geschwindigkeiten von 20 bis 30 Kilometer pro Stunde auszubauen, wären laut Stadtverwaltung massive Eingriffe in die Fernwärmeleitungen sowie Grunderwerb nötig. Das sei derzeit nicht geplant. Köpnick hat eine einfachere Lösung: "Wenn das Stück Weg um den Brückenpfeiler asphaltiert würde, könnte die Stelle mit einer Richtungsumfahrung des Pfeilers entschärft werden. Auch Fahrbahnmarkierungen wären hilfreich."

Orientierung: Nach seiner ersten Testfahrt hatte Köpnick angeregt, den Radweg mit Kilometermarkierungen zu versehen. Das würde gestürzte Radler oder Skater in die Lage versetzen, dem Rettungsdienst genaue Angaben zum Unfallort zu geben. Hermsdorf erklärt, dass den anliegenden Gemeinden und dem Rettungsdienst ein Sicherheitskonzept vorliege. "Es beinhaltet einen Lageplan mit eingezeichneten Zufahrten einschließlich Fotodokumentation und ein Verzeichnis mit der Kilometrierung der Geländer", so der Verbandsvorsitzende. "Ein Konzept nützt einem Verunfallten oder Hilfesuchenden nichts, wenn er seinen Standort nicht nennen kann und keine Orientierungspunkte hat", entgegnet Köpnick. Solche Punkte fehlten fernab der Wohnbebauung und der Bundesstraße.

Poller: Brücken, über die der Radweg führt, sind mit Pollern gegen das Befahren mit Autos gesichert. Mit einem Poller unter der Autobahn hat Köpnick bei seiner jüngsten Testfahrt unangenehme Bekanntschaft gemacht. "Als ein Kind unvermittelt den Weg kreuzte und ich eine Kollision mit ihm nur mit Mühe verhinderte, war ein Poller meine Endstation", schildert Köp- nick einen Unfall, bei dem er sich verletzte. Warum stehen Poller mitten auf dem Weg? Warum kann dieser nicht an der Einmündung der Zufahrt und damit längs zum Radweg gegen unzulässiges Befahren gesichert werden? "Bei einer Sicherung außerhalb des Radwegs an möglichen Zufahrten besteht immer die Gefahr einer illegalen Umfahrung dieser Stellen", heißt es von der Stadtverwaltung Chemnitz.


Sechs Kommunen - ein Verband

Dem 2007 gegründeten Zweckverband Chemnitztalradweg gehören laut dem Verbandsvorsitzenden die Städte Burgstädt und Lunzenau sowie die Gemeinden Claußnitz, Königshain-Wiederau, Lichtenau und Taura an. Für den Abschnitt des Radwegs in Chemnitz ist diese Stadt zuständig.

Finanziert wird der Verband über die Verbands- und die Investitionsumlage, die die Mitgliedsgemeinden nach jährlicher Festlegung zahlen. Beide Umlagen hängen nicht von Gemeindegröße oder Einwohnerzahl ab, sondern betragen jeweils ein Sechstel. Die Höhe der Verbandsumlage beläuft sich in diesem Jahr auf insgesamt 27.000 Euro, die der Investitionsumlage auf 60.000 Euro.

Bau und Unterhaltung des Radwegs sind freiwillige Aufgaben der Verbandskommunen. Ziel war und ist es laut dem Verbandschef, den Radweg als touristisches Angebot mit einer möglichst geringen Belastung zu bauen und zu unterhalten. (gp)


Torsten Köpnick

Der Chemnitzer ist 47 Jahre alt, wohnt in Ebersdorf und ist selbst-

ständiger Finanzmakler. Ehrenamtlich leitet er seit vier Jahren den

SV IKA Chemnitz. In dem Sportverein spielte er früher Fußball. Vor drei Jahren übernahm er die neugegründete Abteilung Radsport, in der

Kinder ab dem Vorschulalter das Fahrradfahren unter sportlichen

Aspekten erlernen. Köpnick organisiert gemeinsam mit Frank Bihra vom Stadtsportbund den jährlichen Fichtelberg-Radmarathon. (gp)

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1Kommentare
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    0
    jeverfanchemnitz
    17.09.2018

    Nichts gegen den Tester und seine Fahrradaffinität. Allerdings ist ein Rennradfahrer wohl nicht der ideale Tester für Sicherheit auf Radwegen. Nach meiner Erfahrung beschwören sie durch ihre Geschwindigkeit die Gefahrensituationen erst heraus. Nicht nur auf dem Chemnitztalradweg. Sie passen nicht zu gemächlich fahrenden Rentnern oder Familien mit Kindern. Rennräder gehören auf die Straße bzw. gedrosselt.



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