Der entscheidende Satz: "Jetzt ist es soweit"

Mauerfall 89: Vor dem Fernseher, bei der Armee, auf Westbesuch - Mittelsachsen berichten in der "Freien Presse", wie und wo sie den 9. November 1989 erlebt haben.

Rochlitz.

Ein Rochlitzer erinnert sich: Er war Soldat in einer Kaserne an der Grenze. "Ein Funker kam und sagte: Jetzt ist es soweit." Auch viele andere Menschen in der Region wissen noch genau, wie sie vom Mauerfall erfuhren. www.freiepresse.de/ wendemittelsachsen


Von Russland aus gestaunt

Ulrike Jurk aus Freiberg: "Ich war damals 15 Jahre alt, steckte tief in der Pubertät. Da habe ich ganz andere Sorgen gehabt." Allerdings weiß sie noch, dass sie die Geschehnisse aus weiter Ferne beobachtete. "Meine Schwester studierte damals in Russland und wir haben sie besucht." Geblieben ist die Erinnerung an eine wunderschöne Kinderzeit, in der sie nichts vermisst habe. (wjo)


Autopanne im Osten

Barbara Spohrer aus Bräunsdorf ist Apothekerin. Sie war damals 34Jahre alt und wohnte in Frankfurt/Main. "Ich weiß, dass ich im Autoradio von den Ereignissen erfuhr und dachte: Da haben sich Willy Brandts Bemühungen rentiert." Im März 1990 fuhr sie mit ihrer Mutter erstmals über die offene Grenze, nach Weimar. "Prompt hatte mein VW eine Panne." Jahre später zog sie nach Freiberg. (wjo)


Ein Anruf der Schwägerin

Erika Wittig aus Freiberg war damals 42 Jahre alt und beim VDGB Kreisbauernverband tätig. Am Abend des 9. November las sie zuhause ein Buch, als ihre Schwägerin aus Magdeburg anrief und sagte, sie solle den Fernseher einschalten. "Als ich die Menschen auf der Mauer sah, galt mein erster Gedanke den Familienmitgliedern im Westen. Die Hoffnung war da, sie endlich besuchen zu können." (wjo)


Nachricht bei Bürgerforum

Torsten Bachmann, heute Linken-Ortsverbandschef in Mittweida, war damals 16 Jahre alt: "Am Abend des 9. November habe ich ein Bürgerforum in der Stadtkirche Mittweida besucht. Pfarrer Christoph Körner verkündete dort, dass in Berlin die Mauer gefallen ist. Am 11. November bin ich dann mit Freunden über das Wochenende nach Berlin gefahren." (jl)Foto: Falk Bernhardt


Auf Trubel folgt Freude

Ute Nebe, Ex-Bürgermeisterin von Mühlbach/Hausdorf, war am 9. November 1989 Schriftführerin bei einer Sitzung des Gemeinderats. "Es ging hoch her. Als ich nach Hause kam, erzählte mein Mann von der Maueröffnung. Ich konnte es nicht glauben und habe mich riesig gefreut." Zwei Tage später sei sie mit den Kindern nach Westberlin gefahren. (fa)Foto: Falk Bernhardt


"Das Telefon stand nicht still"

Jürgen Kitzing, langjähriger Stadtrat in Mittweida: "Ich habe in meiner Waschanlage gearbeitet, als ich die Nachricht im Radio hörte. Später am Abend stand das Telefon nicht mehr still. Ich bin damals zu jeder Montagsdemo in Chemnitz gegangen. Man hat dort schon gespürt, was kommt. Aber als die Mauer fiel, konnte ich es erst nicht glauben. Zwischen Weihnachten und Neujahr bin ich dann das erste Mal in den Westen gefahren, um Verwandte in Kiel zu besuchen - damals noch mit einem Lada." (lkb)Foto: Falk Bernhardt/Archiv


"Befreiende Stimmung"

Wolfgang Ahnert, ehemaliger Bürgermeister von Erlau, ist heute Rentner. "Ich war an diesem Donnerstag noch auf der Arbeit. Abends, es muss kurz vor sieben gewesen sein, habe ich die Pressekonferenz mit Günter Schabowski vom Zentralkomitee der SED im Fernsehen verfolgt", so Ahnert. Es sei eine befreiende, aufregende Stimmung gewesen. "Wir sind gleich an dem Samstag mit den Kindern im Auto nach Potsdam auf die Glienicker Brücke gefahren und haben dort die Grenze nach Westberlin überquert." (cbo)Foto: Mario Hösel/Archiv


"Haben uns gefreut"

Carolin Schneider-Delau, stellvertretende Bürgermeisterin von Penig, kann sich an die Atmosphäre am 9. November 1989 sehr gut erinnern: "Wir waren abends zum Friedensgebet in der Kirche in Hartmannsdorf. Da wusste noch keiner, was passiert war." Später habe die damals 23-Jährige mit ihrer Familie die Nachrichten im Fernsehen gesehen. "Ich kann mich erinnern, dass wir uns unglaublich gefreut haben, aber auch für uns unklar war, ob die Situation nun so bleibt oder die Regierung alles wieder kippt." (cbo)Foto: Mario Hösel/Archiv


"Es war ein seltsames Gefühl"

Harry Burkhardt, Apotheker aus Rochlitz, war am 9. November 1989 bei einem der ersten Bürgerforen der Stadt Rochlitz im Kreiskulturhaus. "Der Saal war voll und es wurde in einer offenen und angeregten Diskussion über die Probleme der Stadt gesprochen." Dass die Grenze der DDR geöffnet wurde, habe er erst später daheim erfahren. "Ich erinnere mich, dass es ein sehr seltsames Gefühl war: Zu wissen, ich kann jetzt plötzlich dahin reisen, wo ich als damals 34-Jähriger bislang nie hinreisen durfte." (cbo)Foto: Mario Hösel


"Es begann unspektakulär"

Iris Firmenich , CDU-Landtagsabgeordnete aus Frankenberg: "Der Tag war erst völlig unspektakulär. Wir haben Abendbrot gegessen. Dann saß ich mit meinen Kindern vor dem Fernseher. Die Nachrichten überschlugen sich. Es war unglaublich spannend. Man konnte es nicht realisieren: Findet das jetzt wirklich statt? Es war ein Moment, den man nicht vergisst. Die Mauer hat so lange gestanden, wie ich alt war: 28 Jahre. Ich bin sehr froh, dass es so gekommen ist. Für das eigene Leben entstand eine neue Perspektive. (dahl)Foto: Bernhardt/Archiv

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