Die ersten Kleidungsstücke kamen mit dem Fleischerhänger

Die Geringswalder Einzelhändlerin Regine Fröhlich behauptet sich seit 30 Jahren auf dem Markt. Sogar die Nachfolge ist schon geregelt.

Geringswalde.

Lediglich 19 Einzelhandelsunternehmen im Landkreis Mittelsachsen feiern laut Cindy Krause von der Industrie- Handelskammer (IHK) Chemnitz in diesem Jahr das 30-jährige Firmenjubiläum. Eine Statistik, wie viele Gründungen es auf dem Gebiet des jetzigen Landkreises mit Stichtag 1. Juli 1990 gegeben hat, sei ihr allerdings nicht bekannt, ergänzt die Referentin für Handel und Dienstleistung. Die beiden Geringswalder Einzelhändlerinnen Regine Fröhlich und Tochter Annett jedenfalls gehören zu den wenigen, die sich über drei Jahrzehnte erfolgreich auf dem Markt behaupten konnten.

Am 1. Juli vor genau 30 Jahren öffnete ihr erstes von drei Bekleidungsfachgeschäften in Geringswalde. Damals noch als "Regine-Boutique" an der Leipziger Straße. Ein Jahr später folgte der Jeans-Shop von James Fröhlich an der Dresdener Straße. 1992 dann die Bündelung aller Sortimente im Geschäft am Markt 18. Und nicht zuletzt war "Bekleidungshäuser Fröhlich" über 25 Jahre in Geithain vertreten.

Ein Kraftakt, laut Chefin Regine Fröhlich, "aber einer, der noch immer Spaß macht. Ich freue mich, wenn ich früh aufstehe und ins Geschäft gehen kann".

An die Anfänge denkt die heute 71-Jährige mit einem Schmunzeln. "Ich komme aus einem Handwerksbetrieb, mein Vater war Fleischer", erzählt sie. Eine der ersten Handlungen nach dem Mauerfall sei gewesen, den Fleischerhänger ans Auto zu spannen und nach München zum Einkauf zu fahren. "Womit ich anfing, war verrückte italienische Mode. Und die ging weg wie warme Semmeln. Genau wie weiße Turnschuhe, die wir anfangs noch im Programm hatten", erinnert sich Regine Fröhlich.

Mit der Währungsunion habe sie ihre sichere Stelle als Schulsekretärin aufgegeben. "Und das habe ich keine Minute bereut. Auch mein Mann James nicht, der vom Betonwerk in die Mode wechselte." Mit Tochter Annett, die für den Familienbetrieb ihren Beruf als Bankangestellte aufgab, gelang den Fröhlichs die Nachfolgeregelung, an der schon viele Einzelhändler scheiterten.

Zugesetzt hat den beiden Fachhändlerinnen allerdings die Coronakrise, vor allem während der Phase des Lockdowns, als ab 19. März das öffentliche Leben nahezu stillstand. Doch am 20. April ging es auch im Geschäft am Geringswalder Markt wieder los. "Mit dem Tag der Öffnung war auch die Nachfrage wieder da", sagt Annett Fröhlich. Dennoch: Der Frühling sei die umsatzstärkste Zeit, Einnahmen seien weggebrochen. "Ohne die Treue unserer Kundschaft könnten wir das Jubiläum nicht feiern", betont Regina Fröhlich.

Laut Cindy Krause gehe die Zahl der Einzelhandelsunternehmen zurück. Das Statistische Landesamt habe 2008 noch 1536 Unternehmen aufgelistet. "Ende September 2009 waren es mittelsachsenweit dann noch 1181 Betriebe." Und auch die Zahl der potenziellen Käufer sinkt. Laut sächsischem Demografiemonitor verzeichnete Geringswalde zwischen 2011 und 2018 ein Bevölkerungsrückgang von 9,3 Prozent. Menschen, so die IHK-Referentin, die auch zum Einkaufen fehlten. "Zudem weist Geringswalde eine verhältnismäßig geringe einzelhandelsrelevante Kaufkraft auf, also das Einkommen, das für den Konsum zur Verfügung steht." Das betrage 2020 pro Kopf etwa 5700 Euro. Der sächsische Durchschnitt liege bei 6100 Euro, der Bundesdurchschnitt bei rund 6800 Euro.

Der Einzelhandel habe es schwer, weiß Krause. "Der Kunde ist verwöhnt, will überrascht werden und immer wieder Neues geboten bekommen." Kleine Geschäfte, so Cindy Krause, könnten vor allem mit Nischenprodukten überzeugen, sich vom Mainstream der Shopping-Malls absetzen und durch Beratungskompetenz und Individualität punkten.

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