Die große Sehnsucht nach der kleinen Welt da draußen

Angela Graichen ist gelähmt und kann ihre Wohnung selten verlassen. Es fehlt ein Auto, in das sie - in ihrem Rollstuhl sitzend - reinpasst. Mit Spenden für die Aktion "Leser helfen" der "Freien Presse" könnte sich ihr Traum von mehr Flexibilität im Leben erfüllen.

Rochlitz/Claußnitz.

Sie war 48 Jahre alt, als ihr Leben sich radikal änderte und aus der einst agilen Frau ein Pflegefall wurde. Am 13.Dezember 2014 erlitt Angela Graichen einen Rückenmarksinfarkt. Seither ist sie von den Schultern abwärts gelähmt, auf den Rollstuhl angewiesen und im Alltag auf viel Hilfe.

Zum zweiten Mal brach damals Unheil kurz vor Weihnachten, das eigentlich ein Fest der Freude sein sollte, über die Familie herein. Denn bereits drei Jahre zuvor war es für Angela Graichen, ihre vier Kinder und die Großeltern eine Zeit der Trauer. Am 21. Dezember erlag ihr Mann, damals 53 Jahre alt, einem Krebsleiden. Bis dahin hatte sie ihn über Jahre hinweg, in denen Operationen und Chemotherapien durchzustehen waren und die Krankheit immer schlimmer wurde, gepflegt.

Doch nun war plötzlich sie es, die Hilfe braucht. Ihre 73 und 74 Jahre alten Eltern sowie die Kinder - die jüngste Tochter ist 14 - sind für sie da. Aber auch ihre Kräfte sind endlich. Ein Pflegedienst unterstützt die Familie deshalb.

"Dank Deckenlift kann ich raus vor die Tür. Aber das ist für mich und die Beteiligten eine ziemliche Belastung. Denn jemand mit viel Kraft muss mich in den Lift setzen, den Rollstuhl bereitstellen und mir hinein helfen", erklärt sie. "Dann bin ich schon so fertig, dass ich kaum vorankomme, trotz Elektro-Rollstuhl. Mal die Straße ein Stück weit in den Ort fahren, mehr ist nicht drin." Und aus diesem Ort - Claußnitz - ist sie in den vergangenen fünf Jahren, bis auf Fahrten zum Arzt auch nur selten herausgekommen. "Ich bin wie gefangen in meinen vier Wänden. Der Blick aus dem Fenster muss genügen", sagt Angela Graichen und denkt dabei nicht nur an sich, sondern auch "an die Kleine". Ihre Jüngste hatte sich schon lange einen Ausflug in den Belantis-Vergnügungspark gewünscht - in den Ferien, zusammen mit ihrer Mutter. "Dieses Jahr konnte ich ihr das erfüllen." Was für Gesunde kein Problem ist, war für die Claußnitzerin ein Kraftakt. Es musste ein Fahrdienst mit einem Auto organisiert werden, in das sie über eine Rampe mit dem Rollstuhl mitfahren konnte. Fast 300 Euro hat das gekostet. "Das ist viel Geld, und solche Ausflüge sind also selten. Aber der Kleinen hat es gefallen und mir auch."

Selbst Auto fahren kann Angela Graichen nicht. "Technik macht auch Gelähmten das Fahren möglich. Aber ich habe weder die Kraft, mich auf den Fahrersitz zu setzen, noch kann ich ohne eine Gefahr für andere und die Insassen ein Fahrzeug bedienen", erklärt die Claußnitzerin. Warum? "Ich bin spastisch gelähmt. Das heißt, dass ich jederzeit Krämpfe bekommen kann und dann die Kontrolle verliere."

Fahrer, die sie zu Orten ihrer Wünsche bringen könnten, gibt es - sowohl in der Familie, als auch im Freundes- und Bekanntenkreis. Aber ein passendes Auto fehlt. "Es muss eine Rampe haben und eine Sicherheitseinrichtung, sodass ich stabil sitze", erklärt Angela Graichen. "Wäre ich gesund, täte es ein alter Kleinwagen. So aber muss es ein Transporter sein."

Mit Hilfe von Matthias Morgner von der Behindertenhilfe des Diakonischen Werkes Rochlitz hat sie bereits Informationen über gebrauchte Vans mit der nötigen Ausstattung eingeholt. "Etwa 25.000 Euro wird das kosten. Das kann ich mir nicht leisten. Es wäre schön, wenn ich einen kleinen Zuschuss bekomme."

Sie spricht leise und hat Tränen in den Augen. "Mir fällt es schwer, um etwas zu bitten", sagt Angela Graichen, die als Gesunde immer für andere da war. Bis das Schicksal ihr einen Strich durch die Rechnung machte und aus der Helfenden eine auf Hilfe Angewiesene wurde.

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