Drogen und Leistungsdruck: Lehrlinge produzieren Hörspiel

"Scherben - bis zu den Sternen und wieder zurück" heißt das Stück von Auszubildenden der Euro Akademie in Rochlitz. Es handelt von Sucht und deren Folgen.

Rochlitz.

Dumpfe Stimmen von weit weg, das monotone Piepen medizinischer Geräte, eine junge Frauenstimme fragt, wo sie sich befindet - so beginnt das Hörspiel der angehenden Erzieher der Euro Akademie in Rochlitz. Hanna, die Hauptfigur im Hörspiel, ist Turnierreiterin mit guten Aussichten auf den ganz großen Erfolg. Aber die Schule und das Training werden Hanna zu viel. Sie sucht nach Freiräumen und findet sie in der Droge Crystal Meth, ein Methamphetamin mit aufputschender Wirkung, das schnell abhängig macht. Die Droge ist in Sachsen bekannt. Laut dem Drogenbeauftragten der Bundesregierung haben zwei Prozent der 18- bis 64-Jährigen im Freistaat schon einmal Crystal Meth konsumiert.

"Wir wollten kein Horrorstück und keine Komödie machen. Wir wussten, das kriegen wir nicht realistisch hin", so Maxi Kühnel. Die 23-jährige Auszubildende spricht die Rolle der Hanna. "Wir wollten als Erzieher etwas für die Präventionsarbeit schaffen, ohne den Zeigefinger zu heben." Das Hörspiel entstand in einem Wahlpflichtfach, für das sich die Schüler zu Beginn des zweiten Lehrjahres entscheiden konnten: Hörspiel mit Ronny Ritze. Ritze ist an der Euro Akademie kein Unbekannter, bereits im ersten Lehrjahr hat der selbstständige Schreibtrainer einen Kurs zu Poetry-Slam an der Akademie durchgeführt. Dabei wurden selbst geschriebene Texte von den Schülern in einer Art Wettkampf vorgetragen. Ronny Ritze gibt seine Workshops in kreativem Schreiben nicht nur in Bildungseinrichtungen, sondern auch in Jugendvollzugsanstalten. "Ich bin überzeugt davon, dass Schreiben ein heilsamer Vorgang ist, man lernt mit seinen Emotionen umzugehen", so Ritze.


Das Thema Drogen im aktuellen Projekt sei aber nur der Rahmen für die eigentliche Aussage des Hörspiels, so Ronny Ritze. "Der zunehmende Leistungsdruck in unserer Gesellschaft, das ist das Hauptthema, und das haben die Auszubildenden wirklich gut dargestellt."

Viele Stunden Arbeit stecken in dem knapp halbstündigen Werk, mit dem die Schüler schon im vergangenen Jahr begonnen haben, berichtet Maxi Kühnel. "Die Ideenfindung war eine holprige Mischung. Manchmal lief es wie am Schnürchen, manchmal hatten wir absoluten Stillstand." Aufgenommen wurde bereits im April 2018 in den Räumlichkeiten des SAEK Chemnitz, die Musik lieferte die Band Destinyday aus Limbach-Oberfrohna. Den letzten Feinschliff gab dem Hörspiel Kay Nehrkorn von Cambra Productions aus Gera. "Toll wäre es, wenn es wirklich viele Menschen hören könnten. Wir sind schon mächtig stolz auf das, was wir da produziert haben", sagt Maxi Kühnel.

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