Ein halbes Jahrhundert Gärtnerleben "Am Klinkborn"

Kleingärtner Kurt Spiller bewirtschaftet mit seiner Frau seit 50 Jahren eine Parzelle in der Schrebergartenanlage. In dieser Zeit hat er in seinem Garten einiges erlebt.

Rochlitz.

220 Quadratmeter misst Kurt Spillers grüne Oase. Die kleine Laube mit angeschlossener Sitzecke ist von dichten Hecken umwachsen, die ersten Frühblüher sprießen, auf den Beeten werden später Gemüse und Schnittblumen angepflanzt. "Das Übliche" habe er angepflanzt, so der Kleingärtner. Seit 1969 bewirtschaftet Kurt Spiller mit seiner Frau den Garten in der Gartenanlage "Am Klinkborn" und wird am heutigen Samstag bei der Mitgliederversammlung des Schrebergartenvereins dafür geehrt.

Der Wunsch nach einem eigenen Garten sei mit den Kindern gekommen, so Spiller. "Wir wohnten in den 60er-Jahren direkt an der Straße und mussten immer vor unseren Kindern durch die Tür nach draußen treten, damit sie nicht auf die Straße rennen." Das Mietshaus habe nicht über ein Gartengrundstück verfügt und die Familie deshalb versucht, eine Parzelle in der nahegelegenen Anlage zu bekommen. "Früher war es nicht so einfach, an einen Garten zu kommen, eher ein kleiner Lottogewinn", so Spiller. Seine damaligen Nachbarn gaben ihm dann den Hinweis, dass eine Parzelle frei wird, und so wurde man auch in der Kleingartenanlage zum Nachbar.

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Die Laube hat Kurt Spiller in den ersten Jahren selbst errichtet, später noch einmal angebaut. Auch eine kleine Mulde unter der Laube hat der Rochlitzer selbst ausgehoben, um Kartoffeln und Äpfel zu lagern. Arbeit falle immer an, aber das sei auch gut, um in Form zu bleiben. Bei gutem Wetter verbringt der 77-Jährige täglich Zeit in seinem Garten, zusätzlich bewirtschaftet er noch eine derzeit leerstehende Parzelle. Das nütze ihm ebenso wie eventuellen Nachmietern. "Das Schöne am Kleingarten ist: Wenn ich die Arbeit einmal nicht sehen will, geh ich nach Hause", sagt Spiller.

2013 habe das Hochwasser bis zu 1,35 Meter hoch in seiner Laube gestanden. Die Nähe zur Mulde sei ein Risiko. "Unsere Parzelle liegt aber in einer sehr günstigen Ecke der Anlage, da habe wir Glück. Aber über die Jahre ist die Anlage durch Fluten auch kleiner geworden", so der Pächter. Früher seien es einmal mehr als 300 Parzellen gewesen, heute noch 120.

Auch die Wünsche der Gartenpächter hätten sich über die Jahre geändert. "Die meisten nutzen die Parzelle lieber, um ungestört Partys zu feiern, statt den Garten zu bewirtschaften", sagt Kurt Spiller. "Aber in 50 Jahren hatten wir immer ein friedliches Miteinander mit den Gartennachbarn. Da können wir uns wirklich nicht beschweren."

So lange wie die Spillers noch Freude an der Pflege ihres Kleingartens haben, wollen sie auch Pächter in der Schrebergartenanlage bleiben. "Unsere Kinder freuen sich auch immer, wenn sie etwas aus unserer eigenen Ernte bekommen. Am besten die Bohnen schon fertig geputzt und geschnitten, damit man keine Arbeit damit hat. Aber genau das machen wir gerne."


Kleingartenverein "Am Klinkborn" plant das Jahr

Der Rochlitzer Schrebergartenverein "Am Klinkborn" besteht seit 1922 und verfügt bei 27.500 Quadratmetern Größe über insgesamt 120 Parzellen. Davon sind derzeit 74 Einheiten verpachtet.

Der 71 Mitglieder starke Verein trifft sich am heutigen Samstag zu seiner jährlichen Mitgliederversammlung. Bei der Versammlung wird ein neuer Vereinsvorstand gewählt. Zudem werden Veranstaltungen und Arbeitseinsätze für dieses Jahr geplant.

Der Verein feiert 2022 sein 100-jähriges Bestehen und sammelt dafür bereits Fotos und andere Zeitdokumente. (cbo)

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