Emaillierwerk: In schrumpfendem Markt auf Wachstumskurs

Der Peniger Betrieb ist der größte Produzent von emaillierten Ofenrohren in Deutschland und beliefert Großhändler in Europa. Das Unternehmen will sich erweitern und baut derzeit für 3,1 Millionen Euro eine Logistikhalle. Und es gibt bereits weitere Expansionspläne.

Penig.

Wenn der Kuchen kleiner wird, dann muss man versuchen, das größte Stück abzubekommen. So beschreibt Tino Homilius, Geschäftsführer des Muldenthaler Emaillierwerks in Penig, gern die Ziele, die er sich für sein Unternehmen gesetzt hat. Denn der europäische Markt für emaillierte Ofenrohre schrumpft. Doch anstatt darin ein Problem zu sehen, begreift der gebürtige Erzgebirger diese Entwicklung als Chance und stellt die Weichen für die Zukunft.

Das Muldenthaler Emaillierwerk ist der größte Hersteller emaillierter Ofenrohre in Deutschland. Seit 2008 gehört das Werk zur EHS-Gruppe, die noch einen Standort in Österreich und einen in Ungarn hat. Auch dort werden Ofenrohre hergestellt. In Penig sind derzeit laut dem Geschäftsführer 75 Mitarbeiter beschäftigt. Die gesamte Gruppe zähle rund 220 Mitarbeiter. Jährlich würden allein im Muldenthaler Emaillierwerk rund 1,5 Millionen Ofenrohre produziert. Und der Betrieb will weiter wachsen.

Für 3,1 Millionen Euro wird in Penig derzeit eine neue Halle gebaut. Die soll künftig als Logistikhalle dienen. Um dafür ausreichend Platz zu haben, hat das Emaillierwerk den an das Firmengelände grenzenden alten Bahndamm gekauft. Der Betrieb plant, in wenigen Jahren ein neues Emaillierwerk zu bauen und die Produktion zu erweitern. Dafür wird die 60 mal 80 Meter große Logistikhalle gebraucht, die nach derzeitigem Planungsstand im März kommenden Jahres fertig sein soll. Denn Penig soll laut Homilius zum Zentrum der EHS-Gruppe werden, damit sie sich auf dem Ofenrohr-Markt weiter behaupten. "Derzeit stellen wir ausschließlich Ofenrohre her. Wenn das neue Werk fertig ist, werden wir überlegen, welche Produkte wir noch machen könnten", sagte der Chef des Werkes vergangene Woche bei einem Rundgang mit Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) durch die Produktionshallen. Investitionen seien auch an den EHS-Standorten in Ungarn und Österreich geplant. Insgesamt liege das geplante Investitionsvolumen für die drei Produktionsstätten bei 13 Millionen Euro. Den Gesamtumsatz der Gruppe beziffert Tino Homilius mit 25 Millionen Euro.

Bei Expansionen denkt man im Emaillierwerk stets in europäischen Dimensionen. Denn ungefähr 70 Prozent der Ofenrohre würden in den Export gehen, vorrangig nach Frankreich und Skandinavien. "In anderen Ländern steht man auf emaillierte Ofenrohre. In Deutschland ist das leider nicht mehr so." Viele Häuser hätten heute keinen Schornstein mehr. Auch die hierzulande geführte Debatte um die Feinstaubbelastung der Luft habe sich negativ auf den Markt ausgewirkt.

Neben europäischen Abnehmern habe man auch einen Großkunden in den USA. Nach Asien werde jedoch nicht geliefert. Verkauft werden die Rohre ausschließlich an Großhändler und wenige Fachstudios. "Das sind langjährige Stammkunden. Wir haben nur ein sehr geringes Neukundengeschäft", so Tino Homilius. Baumärkte werden nicht mit den Rohren aus Penig beliefert. "Das Baumarktgeschäft ist derzeit nicht unseres", sagt der Chef. Dabei will er aber nicht ausschließen, dass man diesen Bereich in Zukunft möglicherweise einbeziehen wird. Wachstumschancen auf dem europäischen Markt sieht Homilius in Großbritannien und Italien. "Dort hat man sehr oft Pelletheizungen und braucht Ofenrohre. Allerdings passt das italienische Geschäftsgebaren nicht zu unserer konservativen Einstellung", sagt er.

Ähnlich überschaubar wie die Absatzmärkte ist bei emaillierten Ofenrohren auch die Konkurrenz. Die Peniger stehen mit Herstellern aus Kroatien, Frankreich und Italien im Wettbewerb. "Emaillierte Ofenrohre aus Fernost sind in Europa kein Thema", sagt Homilius.

Neben den Ofenrohren hat das Muldenthaler Emaillierwerk noch einen kleinen Nebengeschäftsbereich. Hergestellt werden Emailleschilder, etwa für Hausnummern. Die werden über einen Online-Shop verkauft. "Diese Abteilung ist historisch gewachsen, und die wollen wir erhalten", erklärt Tino Homilius.

Probleme bereitet den Penigern der Fachkräftemangel auf dem regionalen Arbeitsmarkt. Der Altersdurchschnitt in der Produktion betrage derzeit 50 Jahre, nur in der Verwaltung sei man jünger aufgestellt. Es werde immer schwerer, frei werdende Stellen neu zu besetzen. Und auch Ausbildungsplätze bleiben mittlerweile häufig frei. Angeboten werden im Emaillierwerk Lehrstellen zur Fachkraft für Lagerlogistik, zum Mechatroniker, zum Konstruktionsmechaniker und zum Verfahrensmechaniker für Oberflächenbeschichtung, zum Medientechnologen für Siebdruck und zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel. "Wir haben sechs Ausbildungsplätze, aber derzeit nur drei Lehrlinge", sagt Homilius.

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