Erntedank wird zu einem Volksfest

Im und am Museum in Schwarzbach ging am Wochenende die Post ab. Dabei pflegte man auch so manches Ritual.

Schwarzbach.

Viele Einwohner aus dem Ort und aus den Nachbarorten hat es am gestrigen Sonntag nach Schwarzbach gezogen. Denn am Museum für Volksarchitektur und bäuerliche Kultur wurde Erntedank gefeiert. Es war die erste größere Veranstaltung des Museums in diesem Jahr, die somit zu einem kleinen Dorffest wurde. Bereits einen Tag zuvor konnte jeder, der wollte, Äpfel in einer mobilen Mosterei zu Saft verarbeiten. Am Abend drehte es sich dann bei einem slawischen Lager um die Frage, woher Erntedank eigentlich kommt.

"Seit fast 7000 Jahren gibt es Bauern in der Region. Man kann also davon ausgehen, dass der Dank für die Ernte dabei schon sehr lange eine Rolle gespielt hat", erklärte Toni Kästner. Als Schamane Milliduch, der Wanderer führte er im Kultkreis des Slawenlagers, den er als einziger betreten durfte, Rituale zur Danksagung an die Wesenheiten, die zur Ernte geführt haben, durch. So hatten es die Slawen bereits vor Jahrhunderten getan. Der erste Dank galt der slawischen Göttin Mokosch, der Erde, die die Pflanzen hervorbringt zum Dank für die Ernte und Bitte für zukünftige gute Ernten. Dann wurde Volos, dem gehörnten Gott des Viehs und Waldgott, gedankt. Und auch dem Weltgott Triglaw, der als dreigesichtige Figur im Kultkreis steht, wurde gedankt.

Aus Ritualen und Festen wie dem Fest des Svantevit, dem Fest der Waldgeister oder dem Brotfest entstand vermutlich das heutige Erntedankfest. Dieses wurde am Sonntag zunächst in der Schwarzbacher Kirche mit einem Gottesdienst gefeiert. Mit einer Prozession ging es danach durch das Dorf zum Museum, wo unter anderem Musiker der Mittelsächsischen Philharmonie am Nachmittag für beste Unterhaltung sorgten.

Im nahen Slawenlager bekamen Besucher Einblicke in das Leben vor langer Zeit. Rund um den Kultkreis gab es eine Färbestation, an der Wolle gefärbt wurde. Es gab ein Küchenzelt, den Sagenerzähler, den Knochenschnitzer, und auch die Fechtgruppe Axt und Ger fehlte nicht.

Dankbar zeigte sich Kathrin Minkus, die Vorsitzende des Museumsvereins. "Heute ist für mich persönlich ein Dankestag. Ich bin dankbar, dass das Fest überhaupt stattfinden konnte. Und ich bin dankbar, dass die Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde so gut funktioniert. Von der Resonanz bin ich begeistert", sagte sie.

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