Erste Wahl aus zweiter Hand

Neue Feuerwehrfahrzeuge sind teuer. Deshalb sucht die Seelitzer Wehr nach einer gebrauchten Alternative. Die könnte im polnischen Krakau stehen.

Seelitz.

Bei der Freiwilligen Feuerwehr Seelitz muss Ordnung herrschen und alles an seinem Platz liegen - im Ernstfall sofort griffbereit. Denn keines der fünf Fahrzeuge der Wehr ist komplett ausgestattet. "Wir arbeiten nach einem Schubladenprinzip. Was benötigt wird, kommt in den Wagen - was nicht, muss dafür wieder raus", erklärt Tobias Schiffner, stellvertretender Gemeindewehrleiter. "Auch für einen eventuellen Brand ab dritter Wohnungsetage sind wir nicht ausgerüstet", so Schiffner. Der eher schlechte Zustand der Löschwasserteiche im Gemeindegebiet macht es nicht leichter. Die Wehr braucht deshalb dringend ein neues Fahrzeug mit Löschwassertank und Schiebleiter.

Eine solche Anschaffung wurde bereits mehrfach im Gemeinderat besprochen. Die Idee war bislang, über eine Sammelbestellung eines identischen Fahrzeugtyps zusammen mit anderen Gemeinden eine höhere Förderung vom Freistaat zu erhalten. Aber auch bei dieser Lösung sei der finanzielle Anteil, den die Gemeinde selbst tragen müsse, noch zu hoch, erklärt Bürgermeister Thomas Oertel (parteilos). "Ein Löschfahrzeug des Typs HLF 20 kostet rund 400.000 Euro. Trotz Förderung würden für die Gemeinde Kosten in Höhe von 182.000 Euro anfallen", so der Gemeindechef.


Ein weiteres Problem sei bei einer Sammelbestellung, sich mit den Wehren auf den Fahrzeugtyp zu einigen, sagt Schiffner. Die Förderung greife nur, wenn mindestens drei Wehren denselben Fahrzeugtyp anfordern. "Aber da hat jede andere Vorstellungen."

Der Vorschlag der Seelitzer Gemeindewehr: ein gebrauchtes Fahrzeug kaufen. Aber auch das sei nicht einfach. "Ausgemusterte Löschfahrzeuge in Deutschland sind mindestens 25 Jahre oder älter", erklärt der stellvertretende Wehrleiter. Und auch dann seien diese noch teuer. Nach langer Recherche im Internet habe man aber ein passendes Objekt gefunden - im polnischen Krakau. "Das Fahrzeug entspricht unseren Anforderungen. Es ist neun Jahre alt, hat einen Kilometerstand von 6000 und Platz für 2000 Liter Löschwasser", so Schiffner. Für einen Preis von 109.000 Euro würde der Anbieter auch eine Schiebleiter nachrüsten.

Die Gemeindewehr in Döbeln hat das Experiment Gebrauchtwagen bereits gewagt. 2012 kaufte die Wehr ein gebrauchtes Fahrzeug in Dänemark und ließ es entsprechend nachrüsten. Steffen Janasek, stellvertretender Döbelner Wehrleiter, bereut den Kauf nicht. "Ein Fahrzeug hat im Jahr zwischen zehn und 35 Einsätze und kommt dabei auf höchstens 3000 Kilometer. Da sind mehrere 100.000 Euro für so ein Auto eine Menge Geld", so Janasek.

Die Seelitzer wollen sich nun Anfang August auf den Weg nach Krakau machen. "Wir müssen uns das Fahrzeug anschauen und dann entscheiden", sagt Oertel.

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