"Es gibt noch Luft nach oben"

CDU-Stadtrat Eric Braun scheidet aus dem Gremium in Lunzenau aus - Vor allem die Sparpolitik der Stadt sieht er kritisch

Lunzenau.

Eric Braun war mehr als neun Jahre Stadtrat in Lunzenau. Weil er jetzt in Burgstädt wohnt, hat er sein Mandat abgeben müssen. Im Gespräch mit Babette Philipp zieht der 30-Jährige ein Resümee.

Freie Presse: Sie waren seit 2009 CDU-Stadtrat in Lunzenau. Gehen Sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge?

Eric Braun: Zum Abschied hin ist das lachende Auge doch kleiner geworden. So hätte ich gern mindestens die zehn Jahre und damit die volle Legislaturperiode zu Ende bringen wollen, gerade im Sinne meiner damaligen Wähler. Zum anderen bleiben aus meiner Sicht einige Dinge dadurch ungeklärt liegen. Natürlich gab es auch schöne Momente, welche einen auch lächelnd erinnern lassen.

Zum Beispiel?

Ich denke besonders an die ersten Jahre zurück. In denen hatte man den Eindruck, dass die Entwicklung Lunzenaus wieder deutlich an Fahrt gewinnt, es herrschte eine Aufbruchstimmung, von der sich auch einige anstecken ließen. Das Netzwerk nach innen und außen funktionierte, und so konnte in vielen Bereichen etwas bewegt werden. Als Beispiel sei genannt, wie sich das Ortsbild nachhaltig veränderte.

Was lief nicht so gut?

Man könnte anders fragen: Was läuft nicht so gut? Denn Fehler, die im Stadtrat früher gemacht wurden, ziehen sich durchaus bis in die heutige Zeit. Wir haben beispielsweise vergessen, Teile der Bürger mitzunehmen, auch wenn das nie eine leichte Aufgabe ist. Man hat gefragt welche Probleme es gibt und dann bei der Antwort schon gar nicht mehr hingehört. Am meisten bedaure ich, dass der finanzielle Spielraum, der der Stadt gegeben wird, viel zu klein ist. Dadurch können und konnten viele gute Dinge nicht umgesetzt werden. Ebenfalls bedaure ich, dass es bis zum Schluss nicht gelungen ist, wieder ehrliche und ergebnisoffene Auseinandersetzungen anzuschieben.

Wie kam es dazu, dass Sie Stadtrat wurden? Sie waren doch mit 21 Jahren noch recht jung für eine solche Aufgabe?

Aus meiner Sicht ist das keine Frage des Alters. Der Drang, etwas zu verändern, Missstände anzusprechen und die Zukunft mitzugestalten, war schon immer mein Antrieb.

Gingen Ihre Vorstellungen von dieser Tätigkeit auf?

Ja, gerade in den ersten Jahren. Man hat über die Grenzen der Faktionen Themen für die ganze Stadt anpacken können und dabei immer geschaut, dass so viele wie möglich davon partizipieren. Heute versteckt man sich zu schnell hinter fehlendem Geld und nutzt das als Schild, um ernsthafte Alternativen zu finden. Das macht die Diskussion ein Stück weit unehrlich und das nehmen die Bürger auf kurz oder lang auch krumm.

Welche Entscheidungen sehen Sie heute anders als zu der Zeit, als sie getroffen wurden?

Die Sparpolitik unsere Stadt steht da ganz oben. Sicher gibt es auch noch das eine oder andere Thema, aber mehr als je zuvor frage ich mich, ob die Schuldenfreiheit im Kernhaushalt so schnell und so alternativlos der richtige Weg war.

Wie beurteilen Sie die Kommunalpolitik in Lunzenau?

Ich freue mich, dass gerade die anderen Fraktionen wieder für politische Diskussion sorgen, auch wenn ich nicht alle Ansichten teile. Jeder muss ein Stück deutlich machen, wo die Abgrenzung zum politischen Gegner liegt, auch wenn die Sache, nämlich für Lunzenau etwas zu bewegen, eint. Zudem ist es wichtig, sich nicht nur intern, sondern auch mit der Bevölkerung über die Strukturen der Kommunalpolitik zu verständigen sowie immer kritisch zu hinterfragen, ob die Antworten von einst heute noch richtig sind.

Sie waren auch zehn Jahre Chef des SV Fortschritt Lunzenau. Erfahren die Vereine von der Stadt die Hilfe, die sie brauchen?

Da gibt es Luft nach oben. Dabei rede ich nicht davon, das Füllhorn über den vielen Vereinen auszuschütten. Auch hier gilt es, Maß zu halten. Aber oft sind es die kleinen Dinge, die gar nicht mehr oder viel zu spät ankommen. Das macht ärgerlich und kostet die vielen Ehrenamtler Nervenstärke, die dringend an anderer Stelle gebraucht wird.

Ihr neuer Wohnort ist Burgstädt. Werden Sie sich dort oder anderswo politisch engagieren?

Zunächst ist die Zeit gekommen, die vergangenen Jahre zu reflektieren und den Fokus mehr auf Familie und Beruf zu legen. Aber ich denke, mit 30 kann noch nicht Schluss sein. Was auch immer dies bedeutet, wird die Zukunft zeigen. Lunzenau wird dabei immer ein besonderes Kapitel bleiben.


Aufgewachsen in Lunzenau

In Rochlitz am 20. Juli 1988 geboren, wuchs Eric Braun in Lunzenau auf. Nach dem Realschulabschluss erwarb er die Fachhochschulreife für Wirtschaft und Politik. Er ist Veranstaltungskaufmann, angehender Fachwirt der Wohnungswirtschaft und heute tätig als Mitglied der Geschäftsleitung und designierter stellvertretender Geschäftsführer der Kommunalen Wohnungsverwaltung Burgstädt.

Zu den Hobbys von Eric Braun gehören Fahrrad fahren, Gartenarbeit, Lego bauen, Lesen und Musik. Der 30-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder.

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