Esche-Museum zeigt besondere Fahne

Eine neue Ausstellung in Limbach-Oberfrohna präsentiert Besuchern, was sonst im Depot dem Blick der Öffentlichkeit verborgen bleibt. Eines der Stücke wurde aufwendig restauriert und braucht Extra-Schutz.

Limbach-Oberfrohna.

Der Ausstellungsraum des Esche-Museums ist derzeit ungewöhnlich dunkel - auch wenn draußen die Sonne scheint. Das hat einen besonderen Grund. In einer extra angefertigten Vitrine ist ein hochsensibles Stück Stoff ausgebreitet, das kein Sonnenlicht verträgt und das in der Form noch nie in der Öffentlichkeit präsentiert wurde: die Fahne der Limbacher Strumpfwirker-Innung aus dem Jahr 1798.

Das Exponat wurde im vergangenen Jahr in sechsmonatiger Detailarbeit von einer Dresdner Restauratorin erneuert. In großen Lettern steht auf dem oberen Rand der Fahne: "Die Gesellschaft der Strumpfwirker". "Wir gehen davon aus, dass es sich um die Innung handelt. Sie wurde 1785 ins Leben gerufen", informiert Museumsleiterin Barbara Wiegand-Stempel. Unter der Schrift sind drei Wappen zu erkennen - links das des Kurfürstentums Sachsen, rechts das Wappen derer von Wallwitz mit rotem Hirsch sowie der Löwe derer von Schönberg und unten ein Strumpf, der von zwei Schwingen eines Handkulierstuhls und herausragenden Platinen gekreuzt wird.

Die Restaurierung der 1,70 mal 1,40 Meter großen Fahne bezeichnet die Museumsleiterin als äußerst aufwendig. "Sie war in einem sehr schlechten Zustand", so Barbara Wiegand-Stempel. Das Gewebe war verschmutzt, spröde und rissig, die Zeichnungen teilweise verblichen. Vor 100 Jahren sei die letzte Restaurierung erfolgt. Damals wurde das feine Seidengewebe auf einen Trägerstoff genäht, um einen Zerfall zu vermeiden. Dieser Trägerstoff sei nun im letzten Jahr entfernt, die Seide gereinigt worden. "Mit einem dünnen Seidenfaden wurde ein neues Trägermaterial befestigt", erzählt Barbara Wiegand-Stempel weiter. Dennoch empfahl ihr die Restaurateurin, die Fahne nach der Bearbeitung nicht zu hängen, sondern nur in liegender Weise auszustellen. Dafür musste allerdings auch extra eine Vitrine gebaut werden. Die knapp 9000 Euro teure Restaurierung wurde mit Mitteln der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen realisiert.

Die Fahne ist eines von etwa 30 Objekten der neuen Schau unter dem Titel "Ausgewählt", die den Besuchern des Esche-Museums bis zum 2. Juni Exponate zeigen, die sonst im Depot verwahrt werden. Dazu gehören in erster Linie Nähmaschinen. Neu und bisher noch nie öffentlich präsentiert ist das Modell eines Flüchtlingszuges von 1945 in einem Diorama. Es wurde von Kurt Weihe aus der Limbach-Oberfrohnaer Kreisgruppe der Ostpreußen und Schülern der Gerhart-Hauptmann-Schule gebaut. Vor mehr als einem Jahr reifte bei Kurt Weihe die Idee, ein detailgetreues Modell eines Flüchtlingszugs zu schaffen, das das Elend der Flüchtlinge im Zweiten Weltkrieg veranschaulichen soll. Auch historische Dokumente gehören zur neuen Schau, wie etwa Papiere, die erst kürzlich in einer Schatulle gefunden wurden und aus den 1920er- und 1930er-Jahren stammen. Ihre Bergung gelang bei Arbeiten am Kriegsgräberdenkmal Pleißa. Gefunden wurden Zeitungen wie die "Allgemeine Zeitung" Chemnitz aus dem Jahr 1937 oder der "Berliner Beobachter" von 1938. Aber auch Bauzeichnungen des Limbacher Architekten Hans Möckel, die Entwürfe des Denkmals zeigen, gehören dazu.

Die Sonderschau "Ausgewählt. Besondere Museumsobjekte." ist bis 2. Juni zu sehen. Am 23. März werden zwei Führungen angeboten: 14 Uhr präsentiert Kurt Weihe das Modell des Flüchtlingszugs, um 15.30 Uhr wird über die Restaurierung der Fahne der Limbacher Strumpfwirker-Innung informiert. Geöffnet hat das Esche-Museum, auf der Sachsenstraße 3, dienstags bis sonntags von 13 bis 17 Uhr.

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