Fachkräftesuche geht trotz Corona weiter

Betriebe sollen unter der angespannten wirtschaftlichen Lage weiter ausbilden und stärker in künftige Fachkräfte investieren, ruft die Arbeitsagentur auf.

Rochlitz/Freiberg.

Trotz Coronakrise mahnt die mittelsächsische Arbeitsagentur, die Suche nach künftigen Fachkräften nicht aus den Augen zu verlieren. "Mittelfristig werden die vor der Krise dominierenden Themen zur Fachkräftesicherung wieder in den Vordergrund rücken. Fachkräftesicherung bleibt eines der wichtigsten Themen auf dem Arbeitsmarkt", sagte Susan Heine, Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Freiberg, bei der Vorstellung der Jahresbilanz für Mittelsachsen.

Um die Herausforderungen zu bewältigen, halte die Agentur Angebote für Unternehmen und Beschäftigte vor, warb sie. So befinde sich die Arbeitswelt nicht nur durch die Folgen von Corona im Wandel, sondern werde etwa auch von Digitalisierung und Energiewende geprägt. Das Arbeitsamt setze daher weiter auf zielgerichtete Qualifizierung und Weiterbildung, um Menschen und Arbeit zusammenzubringen.

Heine verwies auf ein neues Instrument, das "Arbeit-von-morgen-Gesetz". "Arbeitgeber können damit ab Januar mit einem Sammelantrag gebündelt und damit leichter den Antrag für berufliche Weiterbildungen von mehreren Beschäftigten stellen. Die Förderleistungen werden dann als eine Gesamtleistung bewilligt."

Einen Schwerpunkt der Arbeit der Agentur bilde die Inklusion Behinderter oder von schwer vermittelbaren Menschen. "Ich denke zum Beispiel an Menschen ohne Berufsabschluss oder nach einer beruflichen Auszeit, aber auch an die über 55-Jährigen oder Schwerbehinderte" sagte Heine und versprach: "Wir werden alle Chancen nutzen, um Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu integrieren und einer größtmöglichen Anzahl an Jugendlichen mit Handicap die Teilhabe an betrieblichen Ausbildungen als Beitrag zur Fachkräftesicherung zu ermöglichen."

Heine warb zudem Betriebe, trotz angespannter wirtschaftlicher Lage auch weiter auf Ausbildung zu setzen und wenn möglich, stärker in künftige Fachkräfte zu investieren. "Corona wird an dem Bedarf gut ausgebildeter Fachkräfte in unserer Region nichts ändern", unterstrich sie. Das staatliche Förder-Programm "Ausbildungsplätze sichern" decke viele Konstellationen ab und sei insbesondere für Unternehmen gedacht, die besonders von Kurzarbeit wegen Corona betroffen waren und sind. Ein Hintergedanke sei: Wenn eine Firma sich wegen Kurzarbeit eine Ausbildung sonst derzeit nicht mehr leisten könnte, werde sie von den Kosten dafür entlastet. Generell aber könne jedoch jede Firma das Programm nutzen.

Jugendlichen empfiehlt die Behördenchefin, sich mit Blick auf den Ausbildungsstart 2021 über die Jugendberufsagentur mit den Berufsberatern telefonisch oder online in Verbindung zu setzen, um eine passende Ausbildung zu finden. Zudem unterstützten Online-Angebote die Berufsorientierung und bei der Suche nach dem Wunschberuf.

Für eine Prognose zur Entwicklung des Arbeitsmarktes ist es nach den Worten von Susan Heine noch zu früh. "Aktuell können wir nur den Moment betrachten." Die Auswirkungen der Pandemie waren indes 2020 laut Heine auf dem mittelsächsischen Arbeitsmarkt spürbar. Die Anzahl der arbeitslos gemeldeten Frauen und Männer ist gestiegen, die Zahl der offenen Stellen ist zurückgegangen. Mit einem durchschnittlichen Gesamtbestand von knapp 8300 ist die Anzahl arbeitsloser Menschen um 8,7 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr (rund 7600 Personen) gestiegen. Die Arbeitslosenquote betrug 2020 durchschnittlich 5,2 Prozent, 2019 belief sie sich auf 4,8 Prozent.

Insgesamt ist der Bestand an Arbeitslosen im Kreisgebiet binnen zehn Jahren allerdings um 55 Prozent gesunken: von fast 18.600 (2010) auf rund 10.300 (2020).

Agenturchefin Heine lobte die mittelsächsischen Unternehmen, weil sie Kurzarbeit nutzten, um viele Arbeitsplätze zu sichern. Zugleich dankte sie ihnen für ihre Ausdauer und appellierte, weitere Herausforderungen zu bewältigen.

So haben die Kurzarbeiterzahlen während des ersten Lockdowns im März und April einen neuen historischen Höchststand erreicht. Bis November meldeten über 4300 mittelsächsische Betriebe für über 47.000Menschen Kurzarbeit an. Heine versprach, weiter alles tun, damit Kurzarbeitergeld schnell ausgezahlt wird. "Die Leistung muss stehen! Das war im Frühjahr wichtig, und ist es heute noch immer", unterstrich sie. Ihre Mitarbeiter unterstützten daher verstärkt zum Beispiel beim Telefonieren und bei Antragsbearbeitung.

Besonders stark gestiegen ist die Jugendarbeitslosigkeit: 2020 waren 740 Jugendliche unter 25 Jahren ohne Beschäftigung - ein Anstieg um 22,3 Prozentpunkte gegenüber 2019. Der Großteil der arbeitslos gemeldeten Personen ist über 50 Jahre alt. Ihr Anteil am Gesamtbestand liegt bei 44 Prozent (über 3600 Personen) - ein Plus um 135.

In allen Geschäftsstellen in der Region stieg 2020 die Arbeitslosigkeit. Den stärksten Anstieg mit 0,7Prozentpunkten verzeichnet Döbeln, gefolgt von Rochlitz (plus 0,6). Die niedrigste Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt meldete Flöha (4,3), gefolgt von Rochlitz (4,4), Hainichen (4,9), Freiberg (5,2) und Döbeln (6,8 Prozent).

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