Fahrgäste: Linien müssten bekannter sein

Seit drei Monaten sind die beiden neuen Stadtbusse in Penig unterwegs. Sie verbinden die Kernstadt mit bis dato schlecht zu erreichenden Dörfern. Die Stadtverwaltung beobachtet, wie das neue Angebot genutzt wird.

Penig.

Eva Bruß und ihr Mann Klaus-Dieter stehen am Bahnhof in Amerika und warten auf den Bus. Früher existierte in dem kleinen Peniger Ortsteil keine Bushaltestelle. Doch seit Mitte Dezember können die beiden, die kein Auto haben, den Kleinbus der neuen Linie 651 nutzen, um nach Penig zu kommen. "Ob zum Arzt, zum Einkaufen, zum Bummeln oder zum Frisör - wir fahren mindestens zweimal pro Woche in die Stadt und sind froh, dass es den Bus jetzt gibt. Dem kleinen Ortsteil Amerika tut das sehr gut", freut sich Eva Bruß.

Die Linie 651 verbindet die Kernstadt mit den Ortsteilen Amerika und Arnsdorf. Auf der Linie 653 verkehren die Busse zwischen Penig sowie den Ortsteilen Zinnberg, Tauscha und Chursdorf. Familie Bruß hat inzwischen auch herausgefunden, dass man günstig in einen anderen Bus umsteigen und dann nach Chemnitz weiterfahren kann. "Ich studiere oft den Fahrplan und schreibe mir die Fahrzeiten heraus. Auch mit der Rückfahrt klappt das problemlos", lobt Klaus Dieter die Taktzeiten. Dennoch haben er und seine Frau auch einen Verbesserungsvorschlag. "An der Haltestelle auf dem Markt steht dieser Bus noch nicht drin. Wer sich nicht auskennt, weiß nicht, dass er fährt."

"Ich werde das prüfen", sagt Henning Schmidt, Fachbereichsleiter beim mittelsächsischen Busunternehmen Regiobus, das auch die beiden neuen Stadtlinien betreibt. Wie diese angenommen werden, dazu könne er zurzeit noch nicht viel sagen. Die Auslastung der beiden Stadtbusse, die jeweils montags bis freitags, außer an Feiertagen, fahren, werde aber genau analysiert. Mit konkreten Zahlen könne er aber erst später aufwarten, erklärt Schmidt.

Diese Zahlen dürften auch die Peniger Stadtverwaltung interessieren. Denn 30.000 Euro stellt die Kommune pro Jahr für die beiden neuen Linien zur Verfügung. "Den Rest bezahlt der Landkreis Mittelsachsen, der dieses neue Angebot bei Regiobus vorerst bis zum Jahr 2020 bestellt hat", sagt Penigs Stadtsprecherin Manuela Tschök-Engelhardt. Die Stadtverwaltung wolle sich halbjährlich die Zahlen anschauen, kündigt sie an.

Bürgermeister Thomas Eulenberger (CDU), der sich beim Landkreis und bei Regiobus für die beiden neuen Linien stark gemacht hatte, ließ bereits mehrfach anklingen, dass nach zwei Jahren entschieden werden müsse, ob das Angebot in dieser Form aufrecht erhalten wird oder nicht. Wie er bereits im Vorfeld sagte, gebe es mit der Regiobus-Linie 650 von Penig aus über Hartmannsdorf nach Chemnitz ein gutes Angebot. Der nördliche Bereich sei bislang aber nicht abgedeckt worden", hatte Eulenberger bemängelt. Dadurch habe Penig einen Standortnachteil gehabt, der behoben werden musste. Auch die Peniger Gewerbegebiete würden durch die neuen Buslinien besser an die Stadt angebunden, erklärte der Bürgermeister.

Die Stadtsprecherin zeigt Verständnis für mitunter etwas geringere Fahrgastzahlen. "Wir können nicht erwarten, dass bei einer Bevölkerungsdichte von durchschnittlich 139 Einwohnern pro Quadratkilometer 20 oder 30 Leute ständig mitfahren", sagt sie. Auch wolle man analysieren, bei welchen Fahrten - über einen längeren Zeitraum gesehen - besonders wenig Leute gezählt werden. Wenn die Ergebnisse vorliegen, könne man die eine oder andere Fahrt optimieren. Viele seien vom Bus entwöhnt, es müsse sich alles erst einpegeln, meint sie. Ziel der Verwaltung sei es, mit diesem neuen Angebot erst einmal anzufangen. Ob weitere Stadtgebiete und Ortsteile künftig per Bus erschlossen werden, müsse geprüft werden.

Fahrer Ronny Leipziger, der an diesem Tag den Stadtbus der Linie 651 lenkt und Familie Bruß von Amerika nach Penig fährt, konnte bereits Erfahrungen auf seinen Touren sammeln. Früher, bevor es diese Linie noch nicht gab, seien viele Leute gelaufen. Nun könnten sie den Bus nutzen. "Allgemein wird das Angebot gut angenommen", schätzt er ein. Besonders früh "in der neunten Stunde", da würden viele von Amerika nach Penig zum Einkaufen fahren. Auch die Busverbindung nach Chursdorf werde gut genutzt. Und in Zinnberg - das betreffe dann die Linie 653 - würden regelmäßig zwei Schulkinder zusteigen. Es sei gut gewesen, "auch solche Ecken anzubinden", meint der Busfahrer. Mittlerweile habe er bereits etliche Stammfahrgäste, wie er sagt. Natürlich gebe es auch mal die eine oder andere Leerfahrt. Aber das sei auf solch kleinen Linien normal.

Eine ältere Dame, die an der Haltestelle am Peniger Pflegeheim steht, den Stadtbus auch sehr gern nutzt und ihren Name nicht in der Zeitung lesen möchte, hat noch einen Tipp: "Die neuen Buslinien müssten bekannter sein. Es weiß noch nicht jeder, dass es sie gibt."


Routen der Linien 651 und 653

Stadtbuslinie 651: Penig Chemnitzer/Reitzenhainer Straße, Pflegeheim, Gasthof Drei Lilien, Markt, Volksgut, Amerika Bahnhof, Arnsdorf Feuerlöschteich, Arnsdorf Gasthof, Penig Volksgut, Penig Markt, Drei Lilien, Pflegeheim, Chemnitzer/Reitzenhainer Straße.

Stadtbuslinie 653: Penig Bahnhof, Bahnhofstraße, Markt, Gymnasium, Zinnberg Elysium, Zinnberg Dorfstraße 28, Tauscha Gemeindeschwesternstation, Tauscha Ortsmitte, Tauscha Bad, Chursdorf Wendeschleife, Penig Kantstraße, Penig Chemnitzer/Reitzenhainer Straße, Pflegeheim, Drei Lilien, Markt. (ule)

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