Familie genießt Ruhe und Geselligkeit

Mein Wechselburg Im Ortsteil Hartha leben bei Johannes und Julia Mäding drei Generationen unter einem Dach. Alle verbindet die Liebe zur Landwirtschaft.

Wechselburg.

"Unser Geocaching war die Schnitzeljagd", sagt Johannes Mäding, wenn er sich an seine Kindheit erinnert. "Wir haben am Bach gespielt, Wasserräder und Schiffe gebaut, waren im Wald und im Winter Schlittenfahren." Er war zehn Jahre alt, als seine Eltern einen Vierseithof im Wechselburger Ortsteil Hartha kauften. Schnell habe er Freunde im Ort gefunden und sei zugleich durch den elterlichen Hof von der Pike auf in die Landwirtschaft hineingewachsen. Schon frühzeitig ging es mit dem Pferdefuhrwerk aufs Feld. Dass er einmal Landwirt wird, stand außer Frage. "Ich habe darüber auch nie nachgedacht, ebenso wie ich es nie bereut habe", sagt der 75-Jährige. Seine Leidenschaft für Hof, Feld und Tiere hat er weitergegeben.

Zunächst an seine Frau, die aus Krostitz nach Hartha zog. "Die Gegend hat mir gleich gefallen, und da ich auch Landwirtschaft gelernt habe, konnte ich gleich mitmachen", erinnert sie sich. Hochzeit war 1965. Fünf Jahre später stellte sich mit der Geburt zweier Mädchen gleich doppelter Kindersegen ein, ein Jahr später wurde aus dem Duo ein Mädchen-Trio. Alle sind ebenfalls mit der Landwirtschaft groß geworden, zwei üben den Beruf aus, eine ist Floristin. Ihnen zudem gemeinsam: Sie sind auf dem Land geblieben, eine der Zwillingsschwestern lebt auf dem elterlichen Hof - und arbeitet in Nöbeln in einem Agrarbetrieb.

Sieben Enkel haben Johannes und Julia Mäding, darunter auch ein Zwillingspaar, diesmal Jungen. Die beiden 18-Jährigen wohnen auch auf dem Hof in Hartha. "Früher hab ich die beiden, da waren sie so drei, vier Jahre alt, auf dem Mähdrescher mitgenommen. Sie sind stundenlang mitgefahren, ohne müde zu werden", sagt Johannes Mäding. Sein Enkel Willi kann sich noch gut an Erntezeiten erinnern. "Wir sind die Getreidehaufen hochgerannt. Das hat Spaß gemacht." Und: "Jetzt fahr ich selbst mit den großen Maschinen durch die Gegend." Willi absolviert gerade eine Ausbildung zum Landwirt. Und er möchte gemeinsam mit seinem Bruder bald zwei Kühe für den Hof anschaffen. Eltern und Großeltern ist das recht.

Alle gemeinsam mögen die idyllische, ruhige Lage von Hartha. Und den Zusammenhalt im Ort. "Wir haben jedes Jahr ein Straßenfest. Außerdem werden Ehejubiläen und Geburtstage gefeiert, es ist viel los", erzählt Julia Mäding und erklärt eine Besonderheit für die Frauen im Ort: Ab dem 60. wird jeder halbrunde und runde Geburtstag gefeiert, dann machen die Frauen zusammen Party. "Das ist immer lustig, auch ohne die Männer. Es geht um typische Frauenthemen, die Kinder, die Enkel, das Neueste im Dorf", sagt sie. Johannes Mäding schätzt seinerseits die Männer-Geburtstagsrunden. "Da erzählen die wenigen Alten von früher und geben so auch die Geschichten an die Jüngeren weiter", so Johannes Mäding. Denn im Gegensatz zu anderen ländlichen Orten leide Hartha nicht an Einwohnerschwund. Der Ort verjünge sich sogar, jedes Jahr komme Nachwuchs zur Welt, allein vier Schulanfänger gab es dieses Jahr im Ort. "Bei uns steht kein Haus leer. Gibt jemand einen Hof auf, hat sich bislang immer umgehend ein Nachfolger gefunden", sagt Julia Mäding.

Unter den Einwohnern herrsche Verständnis füreinander. "Es meckert keiner, wenn mal sonntags ein Traktor unterwegs ist oder Arbeiten verrichtet werden, die auch mal laut sind. Und dem Hahn, der schon um 2 Uhr kräht, möchte man zwar sagen, dass er zu früh dran ist und jetzt den Schnabel halten soll, das war's aber dann. Wir leben ja auf dem Dorf. Das gehört dazu und macht es auf seine Weise schön", sagt der 75-Jährige. Durch die Eingemeindung Harthas zu Wechselburg habe der Ort nichts eingebüßt. "Es ist eine schöne Gegend, wir haben viele Vereine. Wechselburg ist lebens- und liebenswert wert für uns", sagt Johannes Mäding - seine Familie nickt zustimmend.

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