Ferienlaune für Sechstklässler des Gymnasiums gerettet

Da zwei neue Lehrkräfte eingestellt werden, müssen die Klassenverbände nicht auseinandergerissen werden. Und so löst sich der Ärger von Eltern und Schülern quasi in Luft auf.

Rochlitz.

Aufatmen bei Eltern und Schülern in Rochlitz: Denn die bisherigen Sechstklässler des Mathesius-Gymnasiums werden im neuen Schuljahr nicht auf andere Klassen verteilt. Das bestätigten am gestrigen Montag die amtierende Schulleiterin Carsta Drehn und das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) übereinstimmend. "Wir freuen uns sehr", erklärt Klaus Michael als Elternsprecher der bisherigen Klasse 6/2. "Nun können wir, und vor allem unsere Kinder, noch zwei Wochen unbeschwert Ferien genießen."

Mitte Juli war die Lage eine gänzlich andere. Mehrere Eltern liefen Sturm, als bekannt wurde, dass in der Siebten neue Klassen gebildet werden sollen. Es war geplant, die Mädchen und Jungen nach der jeweiligen zweiten Fremdsprache einzusortieren. Neben einer Latein- sollte es eine Französisch- und eine Russischklasse geben. Die Fachlehrer sollten zugleich Klassenlehrer sein.


Der Ärger darüber war in den Reihen der Betroffenen Eltern und Sechstklässler groß, der Widerstand ebenfalls. Noch vor gut einer Woche plädierten mehrere Mütter und Väter in einem offenen Brief für eine Kehrtwende. Als Argumente führten sie ins Feld, dass Freundschaften zerbrechen würden sowie Halt und Vertrautheit gerade im Alter von 12 und 13 Jahren wichtig seien.

Aber die Bildungseinrichtung schien zum Handeln gezwungen zu sein. Zwei Lehrkräfte fielen als Klassenleiter aus. Eine Lehrerin erwartet ein Kind und ein Lehrer fungiert seit mehreren Monaten als amtierender stellvertretender Schulleiter, hieß es damals zur Begründung.

Die Personalsituation hat sich jedoch jetzt entspannt. In einem sogenannten Nachrückverfahren konnte das zuständige Landesamt einen Erfolg für Rochlitz verbuchen. Vor wenigen Tagen kam die Zusage von zwei Pädagogen, die im neuen Schuljahr dort unterrichten werden. Lasub-Sprecher Lutz Steinert nennt dies eine grundsätzlich veränderte Sachlage. "Eine Neustrukturierung der Klassen beim Übergang zur Klassenstufe7 ist nicht mehr erforderlich", bringt er es auf den Punkt. Und die amtierende Direktorin Drehn ergänzt: "Ich freue mich darüber, den Wünschen der Kinder und Eltern entgegenkommen zu können."

Das sieht auch Klaus Michael so und übt trotzdem ein wenig Kritik. Die Nachricht, die Klassenverbände aufzulösen und die Klassen neu zu strukturieren, sei überraschend gekommen, sagt er. Michael spricht von einem Schockmoment. Eine Sache ist ihm dabei aber wichtig zu betonen: "Wir als Elternvertreter verstehen uns immer als Partner der Schule und der Lehrer." Daher wünscht sich der Vater für die Zukunft, "eine noch engere Zusammenarbeit". Schließlich, da lässt Michael keinerlei Zweifel aufkommen, gehe es um die "gemeinsame Zukunft für unsere Kinder". (mit fpe)


Kommentar: Eine glückliche Fügung

Zugegeben: Ich empfand es in meiner Kindheit als Bereicherung, als wir in der siebten Klasse durchgemischt und neu auf Klassen verteilt wurden. Die einen besuchten den neusprachlichen, die anderen den mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig unserer Schule. Ich hatte plötzlich neue Freunde, ohne die alten zu verlieren. Das war toll. Was ich heute als Vater sagen würde, wenn dies meinen Kindern bevorstünde? Ich weiß es nicht. Ich weiß auch nicht, ob meine Kinder klagen würden, weil ihre Freundschaften auf dem Spiel stehen. Was diese Episode aber zeigt: Der Fachkräftemangel macht vor den Bildungseinrichtungen nicht halt. Doch hier steht viel auf dem Spiel: Die Zukunft unserer Kinder. Die Landespolitik steuert bereits dagegen und schafft Anreize, dass junge Menschen diesen Beruf ergreifen. Stichwort: Verbeamtung. Trotzdem werden uns noch über Jahre die Fehlentscheidungen früherer Tage beschäftigen. Und so müssen wir weiter auf eine glückliche Fügung, so wie jetzt, hoffen.

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