Festfreude siegt über Schicksalsschlag

Angela Graichen ist seit sechs Jahren gelähmt. Die Freude am Lichteln und Zusammensein mit der Familie lässt sie sich aber nicht nehmen. Ein Wunsch ist, mit einem speziellen Auto mobil zu sein.

Claußnitz.

Schon seit Wochen wird bei Angela Graichen gelichtelt und vor allem geräuchert, was das Zeug hält. "Wir lieben den Geruch und haben verschiedene Düfte, die uns Räuchermänner aber auch Räucherstäbchen in die Wohnung bringen. Im Advent riecht es bei uns immer besonders gut", sagt die 53-Jährige. Es ist das sechste Weihnachten, das sie im Rollstuhl nach einem Rückenmarksinfarkt, von den Schultern abwärts gelähmt, verbringt. "Trotzdem, die Freude an Weihnachten lasse ich mir nicht nehmen", sagt sie. Besonders freue sie sich, dass dann die ganze Familie beisammen ist in Claußnitz.

Dabei ist der Dezember, mithin die Advents- und Weihnachtszeit, nicht einfach für die Familie. Zuerst überschattete die schwere Krankheit von Angela Graichens Mann das Fest, erst recht, als er am 21. Dezember 2011 starb. Drei Jahre später, am 13. Dezember, hatte Angela Graichen - damals 48 Jahre alt - den Infarkt, der zu ihrer Lähmung führte. Am 22. Dezember 2017 erlitt die Großmutter einen Herzinfarkt, im vergangenen Jahr, am 17. Dezember, starb sie.

"Natürlich denken wir zum Fest an die Lieben, die von uns gegangen sind. Aber das sind immer wieder nur Momente. Das Schöne am Zusammensein überwiegt", sagt Angela Graichens Mutter. Die 73-Jährige steht wie die meisten Frauen an den Feiertagen in der Küche, verwöhnt ihre Lieben und lässt den leckeren Geruch von Gänse- und Putenbraten durchs Haus ziehen. "Es hieß mal, Weihnachten ist ein Fest für die Kinder, die Großen haben zu tun. Da ist was dran. Aber es macht uns Älteren natürlich auch Spaß", sagt sie.

Dabei beginnt bei Angela Graichen und ihrer Familie das Fest schon einen Tag eher: Am 23. Dezember hat die älteste Tochter Geburtstag. Sie kommt dann bereits aus München mit ihrem Mann angereist. "Meine große Schwester und ich mögen keine Gans, also gibt es für uns Pute. Aber ansonsten auch wie für die anderen Klöße und Rotkraut", sagt die 14-jährige Elea, die sich ebenfalls aufs Fest freut. Dafür bastelt sie gerne Gestecke. Vor Jahren hat sie für ihre Mutter einen Schneemann, der aus einer mit Sand gefüllten Socke bestand, gezaubert, der jedes Fest aufs Neue seinen Stammplatz bekommt.

In ganz besonderer Erinnerung ist dem Mädchen das erste Weihnachten nach der schlimmen Erkrankung der Mutter geblieben. "Da waren wir alle im Krankenhaus", erzählt sie. "Man war dort so freundlich und verständnisvoll, dass wir über die Besuchszeit hinaus zusammenbleiben und sogar an einem Tisch im Gang feiern konnten", ergänzt ihre Mutter.

Jetzt trifft sich die Familie in ihrer Wohnung, wo es ziemlich eng werden wird: Neben der ältesten Tochter mit ihrem Mann sind die beiden Söhne, einer mit Freundin, Nesthäkchen Elea sowie die Eltern da, also zehn Personen.

"Es ist schön, wenn wir einander alle haben. Das kommt nicht so oft vor. Deshalb gibt es auch immer viel zu erzählen", sagt die 53-Jährige. Was sie sich wünscht? "Eine friedliche und entspannte Zeit, dass keinem etwas passiert, alle gesund bleiben und jeder eine schöne Erinnerung mitnimmt."

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