Firmenchef beklagt Verluste wegen Baustelle in Burgstädt

Knapp ein Jahr länger als geplant dauert ein Brückenbau. Wegen der Verzögerungen gibt es Kritik von mehreren Seiten.

Burgstädt.

Martin Weidner von der Firma TAS in Burgstädt erhebt Vorwürfe gegen die Verantwortlichen des Brückenbaus an der Chemnitzer Straße: "Die Bauverzögerungen sind für uns als Firma extrem problematisch." Er verstehe nicht, warum eine der drei wichtigsten Straßen in Burgstädt nicht fertig wird.

Seit Herbst 2017 wird die Brücke über den Brauselochbach in Burgstädt für geplant 1 Million Euro abgerissen und neu gebaut. Vorbereitende Arbeiten hatten im Frühsommer 2017 unter halbseitiger Sperrung begonnen. Geplant waren die Arbeiten bis November 2018. Es kam zu Bauverzögerungen, weil eine marode Abwasserleitung erneuert werden musste. Die Bauzeit wurde vom zuständigen Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) auf das Frühjahr 2019 verlängert. Im April wurde die Freigabe auf die Sommerferien verschoben, weil es einen Lieferengpass für die zur Kanalverlegung benötigten Spezialschächte gegeben habe, sagte auf Nachfrage eine Lasuv-Sprecherin. Doch es kamen neue Probleme hinzu. "Eine Fertigstellung Ende Juli ist nicht zu halten, wir gehen von Ende September aus", so die Sprecherin. Sie begründet die Verzögerungen mit der Witterung im Januar und Februar, die einen Weiterbau nicht ermöglicht habe. Außerdem sei aufgrund von Hochwasser im Brauselochbach die eingerichtete Wasserhaltung überspült worden, sodass geplante Schalungs- und Bewehrungsarbeiten verschoben werden mussten. Zurzeit ist eine Verkehrsfreigabe für den 30. September 2019 vorgesehen.


Weidner gibt sich mit den Antworten nicht zufrieden. Er sei Geschäftsführer eines Baubetriebes, "wir kommen sozusagen aus der Branche". In den Wintermonaten übernimmt TAS den Winterdienst für Kommunen und Gewerbebetriebe. "Wir kennen also die Straßensituationen und die Probleme beim Bau", sagt Weidner. Deshalb sei es für ihn unbegreiflich, dass beim Brückenbau tagelang keine Arbeiter und dann nur wenige im Einsatz seien. "Man muss doch Prioritäten setzen." Die Chemnitzer Straße sei ein Autobahnzubringer und stark frequentiert, erläutert er. Seine Schwerlasttransporter könnten nicht die kurze Umleitung über die Alte Herrenhaider Straße fahren, deshalb müsse tagtäglich die lange Umleitung über Hartmannsdorf genommen werden. Er rechnet vor: "Etwa fünf der 70 Fahrzeuge sind täglich betroffen, das sind pro Tag Mehrkosten zwischen 150 bis 200 Euro." Durch mehr Kraftstoff, Arbeitszeit und Verschleiß habe er ausgerechnet, dass seit Beginn der Baustelle pro Jahr zwischen 20.000 und 25.000 Euro Mehrkosten angefallen seien. Anwohner pflichten Weidner bei: "Die Baustelle ist oft verwaist", sagt ein Rentner. Aber er könne die kurze Umleitung fahren. Als "Jahrhundertbau" bezeichnet ein zweifacher Familienvater die Baustelle. Er könne nicht nachvollziehen, warum es laufend zu Verzögerungen komme. Die Stadtverwaltung äußert sich auf Nachfrage nicht zum Bauwerk und -zeiten.


Kommentar: Trauerspiel

Nicht zum ersten Mal führen zusätzliche Arbeiten zu Verzögerungen und einem Preisanstieg bei Bauvorhaben. Manches mag nicht vorhersehbar sein. Aber dass es im Januar und Februar schneit und kalt sein kann, ist einplanbar. Und dass die Abwasserleitung erneuert werden muss, hatte der Abwasserzweckverband schon vor Baubeginn signalisiert. Und wie dessen Chef sagt: Bereits bei Vorplanungen in den Jahren 2010/2011 habe er gefordert, dass der Zustand der Leitung geprüft wird. Fair wäre es gewesen, auch die eigenen Fehler zuzugeben, und rechtzeitig die Burgstädter aufzuklären.

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