Fledermäuse dürfen im Museum bleiben

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In einem Seitengebäude der Schwarzbacher Einrichtung leben die nachtaktiven Tiere. Ihre Hinterlassenschaften hatten den Betreibern Sorgen bereitet. Jetzt ist ein Weg gefunden.

Schwarzbach.

Frank Meisel zerbröselt ein schwarzes Röllchen auf seiner Handfläche - Fledermauskot. Einzelne Stücke in dem Pulver glänzen. "Das kommt vom Chitinpanzer der Insekten, die die Fledermäuse fressen", erläutert Meisel, Fledermauskenner und Kreisnaturschutzbeauftragter im Landkreis Leipzig. Der Kot lässt sich durch seine Eigenschaften gut von den Hinterlassenschaften anderer Tiere ,wie etwa von Mäusen, unterscheiden.

Die Röllchen finden sich auf dem Dachboden des Leupahner Seitengebäudes im Museum für Volksarchitektur und bäuerliche Kultur in Schwarzbach. Das Stallgebäude mit Tenne stammt aus dem Jahr 1669 und wurde an anderer Stelle ab- und am aktuellen Ort wieder aufgebaut. Der Fledermauskot war es auch, der die Engagierten hinter dem Museum auf die Spur der Tiere brachte. "2019 haben wir hier welchen entdeckt", berichtet Kathrin Minkus, Vorsitzende des Fördervereins der die Kulturstätte betreibt.

Die Quartierplätze der geschützten Tiere wollte der Verein sichern, gleichzeitig Museumsgut vor dem Kot schützen, erzählt Minkus. Zudem kam die Idee auf, das Fledermausquartier für den Menschen erlebbar zu machen. In den nächsten Wochen sollen nun Fledermauskästen auf dem Dachboden angebracht werden. Steht man darunter, kann man die Tiere an ihren Hangplätzen sehen. Geplant ist, den Bereich als begehbaren Boden herzurichten. Seinen Dachbodencharakter mit passenden Ausstellungsgegenständen soll der Ort beibehalten. Darüber hinaus sollen Tafeln über Fledermäuse und die im Gebäude lebenden Arten informieren.

Fachlich begleitet wird der Museumsverein von Frank Meisel, der in Leipzig mit einem Kollegen ein Fachbüro für Fledermauskunde führt. "Wahrscheinlich leben hier zwei Arten - eine Langohrart, vermutlich das Braune Langohr, sowie die Breitflügelfledermaus", erläutert Meisel. Vermutlich gelangen die Tiere über eine circa ein mal ein Meter große, rechteckige Öffnung an einer Gebäudeseite in den Dachboden. Genauer will man das mit einer Lichtschranke, die eine Fotofalle auslöst, untersuchen. So lässt sich auch Herausfinden, wie viele Tiere sich angesiedelt haben. "Bei den Langohren handelt es sich vermutlich um eine Wochenstube mit zehn bis zwölf Weibchen. Die Breitflügelfledermaus ist wohl ein einzelnes Männchen", schätzt der Experte ein.

Derzeit sind die Tiere nicht anzutreffen. Sie halten Winterschlaf an einem frostsicheren Ort, vielleicht in einem Keller oder in einer Baumhöhle. Ab April oder Mai werden sie zurückkehren. Wenn es wieder Futter gibt, beziehen sie ihre Sommerquartiere. Bis dahin müssen die Kästen im Dachboden angebracht sein. Ende Mai, Anfang Juni werden die Jungen geboren. Jedes Weibchen bekommt pro Jahr nur ein Junges.

"Museen sind häufig tot, aber hier lebt tatsächlich etwas drin. Warum soll man das den Leuten nicht zeigen?", meint Frank Meisel. Kathrin Minkus ergänzt: "Es ist mir ein Bedürfnis, Lebensräume zu schaffen oder wiederherzustellen, damit die Arten wenigstens ihre Nischen finden." Vielleicht könnten einmal fünf bis sechs Fledermausarten in dem Gebäude wohnen, sagt Meisel.

Gefördert wird das Projekt mit Geld aus dem Eku-Zukunftspreis für Energie, Klima, Umwelt in Sachsen, einem Wettbewerb des Sächsischen Ministeriums für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft. 240 Bewerbungen hatte es gegeben, 150 Preisträger aus ganz Sachsen wurden benannt. Der Schwarzbacher Verein erhält 5000 Euro. Vom Wettbewerb habe Kathrin Minkus im Gespräch mit ihrem Mann, Sachsens Umweltminister Wolfram Günther, der auch Mitglied im Verein ist, erfahren, bestätigt sie auf Anfrage. Die Bewerbung sei aber unabhängig davon über den Verein erfolgt. "Die Bewerbungen sind bei einer Fachabteilung des Ministeriums eingegangen. Eine Fachjury hat alle Projekte in einem unabhängigen, dreistufigen Verfahren nach einem festen Punktesystem unter anderem nach ihrer ökologischen und gesellschaftlichen Wirksamkeit bewertet", sagt Ministeriumssprecher Robert Schimke.

Lassen es die Coronaregeln zu, will der Verein zu Ostern die Museumssaison eröffnen. Nach Möglichkeit soll schon am 20. März, zur Tag- und Nachtgleiche, das für Dezember geplante und wegen Corona abgesagte Lichtfest nachgeholt werden.


Zwei Arten vermutet

Das Braune Langohr ist vermutlich eine der zwei Fledermausarten, die im Museum leben. Die Art gehört zu den mittelgroßen heimischen Arten. Auffälligstes Merkmal sind die Ohren, die mit etwa vier Zentimeter Länge beinahe so lang sind wie der Körper. Sie jagen mittelgroße Nachtfalter, Zweiflügler und Käfer, fressen auch Spinnen, Raupen und Weberknechte.

Die Breitflügelfledermaus wird als zweite Art in Schwarzbach vermutet. Mit einer Kopf-Rumpf-Länge zwischen sechs und acht Zentimetern gehört sie zu den größeren europäischen Fledermausarten. (fmu)

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