"Fleißige Menschen fühlen sich manchmal im Stich gelassen"

Peniger Andreas Schmidt traf auf Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Arbeitsminister Hubertus Heil

Penig.

Verkaufsleiter Andreas Schmidt ist Leserbeirat beim "Focus". Er konnte bei den Bundespolitikern Probleme ansprechen. Über seine Eindrücke hat Uwe Lemke mit dem 52-Jährigen gesprochen.

"Freie Presse": Sie waren vom Nachrichtenmagazin "Focus" nach Berlin eingeladen worden. Wie kam es dazu?


Andreas Schmidt: Seit 26 Jahren bin ich Leser des "Focus" und natürlich auch der "Freien Presse". Als parteilos-liberal-kritisch-positiv denkender Bürger bin ich bereit, mich in Themen einzumischen, die mir wichtig sind. Ich wurde deshalb in den ehrenamtlichen achtköpfigen Leserbeirat des "Focus" berufen.

Wie verliefen die beiden Tage?

Am Montag hatte ich Gelegenheit, vor etwa 50 Redakteuren etwa zehn Minuten lang zur aktuellen Ausgabe in einer "Blattkritik" zu sprechen und Verbesserungsvorschläge anzubringen. Gesundheitsthemen und gesunde Ernährung sind in dem politischen Wochenmagazin zu einem mir wichtigen Bestandteil geworden. Zufällig war mittags auch der Chef des Zirkus Roncalli, Bernhard Paul, anwesend. Mit ihm konnte ich vegetarische und vegane Gastronomiekonzepte für seine zukünftigen Zirkusveranstaltungen besprechen. Wir haben bis 23.30 Uhr erst in der Redaktion und gegen Abend im exklusiven China Club des Hotels Adlon in einer sehr offenen Atmosphäre mit dem Chefredakteur Robert Schneider und seinen Ressortchefs diskutiert. Dazwischen ging es noch kurz ins Bundeskanzleramt. Zukünftig werden unter anderem die Leserbeiräte bei der Auswahl des "Focus"-Titelcovers der nächsten Ausgabe schon vier Tage vor Erscheinen ihre Meinung abgeben.

Sie hatten angekündigt, sich mit Bundesministern zu treffen ...

Grundsätzlich kann ich von sehr sympathischen Gesprächspartnern berichten. Bedauerlich, aber auch verständlich ist, dass die Zeittaktung der Termine von Ministern der Bundesregierung sehr straff organisiert ist. Dadurch war es mir leider nicht möglich, mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in dem Umfang ins Gespräch zu kommen, wie ich es mir gewünscht hätte. Es wäre schön, wenn im politischen Berlin die neue positive Dynamik des sächsischen Ministerpräsidenten, auch dem Bürger einmal intensiver zuzuhören, aufgegriffen wird. Kleinunternehmer, Außendienstler, Handwerker und Pendler, also fleißige Menschen, fühlen sich von der Bundesregierung manchmal im Stich gelassen, können derzeit noch keine konkreten Konzepte für Dieselfahrer erkennen. Manchmal hat man den Eindruck, wenn man ein Problem löst, schafft man in Berlin gleichzeitig fünf neue Probleme.

Wie war das Treffen mit Arbeitsminister Hubertus Heil?

Im Rahmen einer Talkshow in der Berliner König-Galerie waren Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), der Startup-Investor Frank Thelen - bekannt aus der Sendung "Höhle der Löwen" - und SAP-Vorstandschef Christian Klein gekommen. Hier gelang es mir, mit allen drei Gästen etwas länger persönlich zu sprechen. Grundrente, Bildung und die Zukunft des Arbeitsmarktes sind mir sehr wichtig. Ein Rentengrundanspruch für Selbstständige, die ihr Leben lang gearbeitet, die Wirtschaft am Laufen gehalten und Steuern gezahlt haben, aber nicht auf die geforderten 35 Jahre Rentenpflichtjahre kommen, habe ich als nötig und gerecht angesprochen. Gleichzeitig ist es eine Schande, unter welchem Leistungsdruck in unserem Land teilweise Paketzusteller, Reinigungs- und Pflegekräfte zu Mindestlöhnen arbeiten müssen und von diesem Geld kaum vernünftig leben können. Der Staat müsste konsequenter gegen diese Ungerechtigkeiten vorgehen. In der Bildungspolitik muss es eine Reform geben, damit Handwerker und Mittelständler junge Leute für ihre Berufe begeistern können. Etwas scherzhaft sagte Hubertus Heil am Ende des Gesprächs zu mir "Ich werde Sie nicht vergessen!".

Ihr Fazit dieses Besuchs?

Ich habe tolle, motivierte Menschen kennengelernt. Anpacken, Probleme lösen und positive, gut recherchierte, leicht verständliche, wahrheitsgemäße Berichterstattung in Zeiten von Fake News - das alles hat eine Chance bei den Menschen. ule

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